rheinische ART
Start | | Über uns | Anzeigen | Impressum | Kontakt | Datenschutz

rheinische ART 07/2019

DIPLOMATISCHE GABEN
Für Karl...für Walter...LG


So einfach wird es wohl nicht gewesen sein. Zu viel Formelles bestimmt das Diplomatengeschäft. Was die beiden Bundespräsidenten Karl Carstens und Walter Scheel so alles bei Staatsbesuchen erhielten, zeigt das Rautenstrauch-Joest-Museum (RJM) in Köln

 

Löwenfell Malawi, ca. 1981 Fell, Filz, Modelliermasse, Glas, Geschenk von Hastings Kamuzu Banda an Karl Carstens, November 1981 Foto Patrick Schwarz © Rheinisches Bildarchiv, Patrick Schwarz

 

Welcome to President Dr Scheel heißt es auf der Schlitztrommel aus dem Jahre 1978, die auf den Cookinseln gefertigt wurde.

     Die Diplomatengabe stammt vermutlich von einem der drei in Frage kommenden Staatsoberhäupter der südpazifischen Eilande: Königin Elisabeth II. oder Generalgouverneur Keith Holyoake oder Premier Tom Davis. So genau lässt sich das nicht mehr rekonstruieren. Die Trommel ist jedenfalls noch da und die grundsätzliche Provenienz ist unzweifelhaft.

     Warum es allerdings gerade ein Schlaginstrument war und ob die Diplomaten um die musikalische Neigung des FDP-Politikers und vierten Bundespräsidenten („Hoch auf dem gelben Wagen…“) wussten, ist nicht überliefert.

 

  

Reproduktion des Ife-Kopfes „ori-olokun“ Nigeria, ca. 1980, Metall, Geschenk von Shehu Shagari an Karl Carstens, März 1982 Foto Patrick Schwarz © Rheinisches Bildarchiv

 

Sitzgruppe, Detail, Togo, ca. 1982 Teak-Holz Geschenk von Gnassingbé Eyadéma an Karl Carstens, Februar 1982 Foto Patrick Schwarz © Rheinisches Bildarchiv

 

Dieses Präsent und zahlreiche andere staunenswerte  Objekte aus den Händen von großen Würdenträgern werden in der Schau „geschenkt! – die Gabe der Diplomatie“ erstmals öffentlich gezeigt.

     Es ist guter Brauch, dass während eines Staatsbesuchs Geschenke ausgetauscht werden. Im Diplomatenkoffer werden sie mitgebracht oder verlassen in diesem das Gastland.

     Rund 30 amtliche Geschenke aus etwa 15 Staaten sind im RJM zu sehen. Sie wurden Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre von außereuropäischen Staatsoberhäuptern an die deutschen Bundespräsidenten Walter Scheel (Präsidentschaft 1974-1979) und seinen Nachfolger Karl Carstens (Präsidentschaft 1979-1984) überreicht.

 

Seit über 30 Jahren befinden sie sich als Dauerleihgabe der Bundesrepublik Deutschland in der Sammlung des Rautenstrauch-Joest-Museums, wurden aber bisher nie ausgestellt.

    Bis heute gelten die Andenken manchesmal und ganz und gar undiplomatisch als Kitsch, wie die Kuratoren in Köln anmerken. Also viel Tam Tam oder doch Kultur-Highlights?

     Dabei verraten sie eher viel über das Selbstbild des Schenkenden, über das Bild, das er von seinem Land und den Menschen zeichnen wollte und über diplomatischen Austausch im Allgemeinen. Staatsgeschenke werden meist in den ersten Stunden der Begegnung überreicht. Sie sollen das Gegenüber wohlwollend stimmen und eignen sich, um Gesprächsthemen fernab des politischen Geschehens anzuregen.

     Manche Präsente sind auf die Vorlieben des Beschenkten abgestimmt oder personalisiert wie die Schlitztrommel von den Cookinseln mit dem eingeschnitzten Schriftzug.

 

Schlitztrommel Rarotonga, Cookinseln, ca. 1978 Holz, Geschenk des Staatsoberhaupts der Cookinseln (vermutl. Königin Elisabeth II. oder neuseeländischer Generalgouverneur Keith Holyoake oder Premierminister der Cookinseln Tom Davis) an Walter Scheel, Oktober 1978 Foto Patrick Schwarz © Rheinisches Bildarchiv

 

„Als Interventionen sind die Staatsgeschenke nun in unsere Dauerausstellung integriert“, erläutert Nanette Snoep, Direktorin des RJM, und ergänzt: „Sie treten in einen spielerischen und humorvollen Dialog mit den dort ausgestellten Objekten und entwickeln eine eigene spannende Erzählung zur ‚Gabe der Diplomatie‘.“

     Ihr Ziel, so Snoep weiter, sei es, viel mehr Interventionen dieser Art im Haus zu realisieren, um so immer wieder neue überraschende Perspektiven auf die Sammlung zu ermöglichen, so dass das RJM ein lebendiger Ort für Kölner ist, wo es immer etwas Neues zu entdecken gibt. Ein vielversprechender Anfang ist gemacht!
K2M


Die Ausstellung „geschenkt – die Gabe der Diplomatie“ endet am 22. September 2019.
Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt
Cäcilienstrasse 29-33
50667 Köln
Tel 0221 / 221-31356
Öffnungszeiten
DI - SO 10 - 18 Uhr
DO 10 - 20 Uhr

 


 

 

Die 
rheinische ART.
empfiehlt:

Mit GOOGLE ins Museum.


Das Google Arts & Culture Projekt zeigt Meisterwerke aus den Museen und Sammlungen dieser Welt.

► 
mehr

Und geht der Frage nach: Was ist Contemporary Art?

mehr