rheinische ART
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rheinische ART 09/2019

MASKULINITÄTEN

Alles wie immer - oder?

 

Was ist typisch Mann? Wer eine Antwort auf diese Frage will, kann gleich an drei Kunststandorten an der Rheinschiene danach suchen – in Bonn, Köln und Düsseldorf. Dort werden kooperativ "Maskulinitäten" gezeigt.

 

Hal Fischer A Salesman, 1979, Foto © Maskulinitäten 2019

 

Ob der Besucher jedoch eine findet? Und ob sie ihn, so er eine gefunden zu haben glaubt, zufrieden stellt? Oder fragt sich mancher schlicht nach Durchgang der Schauen: Ist das alles? Denn es drängt sich der Eindruck auf, dass die überwiegende Zahl der vertretenen Künstlerschaft, ob aus weiblichen oder männlichen Akteuren bestehend, sich auf die Trias Sexualität, Genitalbereich und Nacktheit verständigt hat.

 

Jana Euler Great White Fear Foto © Maskulinitäten 2019

 

Um was geht es eigentlich bei der Ausstellung namens „Maskulinitäten“? Drei rheinische Kunstvereine, der Bonner, der Kölner und der für die Rheinlande und Westfalen in Düsseldorf, haben sich zu einem internationalen Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Publikationsprojekt zusammengetan, „um Konzepte von Maskulinität mit und aus der zeitgenössischen Kunst heraus zu untersuchen“, so die offizielle Beschreibung.

     Gemeinsam wird, wie die Veranstalter erklären, der Frage nachgegangen, „wie eine feministische Ausstellung über Männlichkeit aussehen könnte.“


Sie könnte so aussehen, wie sie in der vernetzten Schau daherkommt, aber sicherlich auch ganz anders.

     Kuratiert und organisiert wurde die Drei-Orte-Präsentation von den drei Direktorinnen der Kunstvereine: Michelle Cotton (Bonn), Nikola Dietrich (Köln) und Eva Birkenstock (Düsseldorf).

     Es ist das erste Mal, dass die drei Institutionen für eine Ausstellung kooperieren, dies ist bemerkenswert. Ihr feministischer Blick auf den Mann im Kunstbetrieb verspricht Spannung, vollzieht er sich doch vor dem Hintergrund der aktuellen Me-Too-Debatte und der sogenannten "Krise von Männlichkeit". So gesehen ist die Schau eindeutig im Mainstream.

 

Alexandra Bircken Interceptor II, 2016, moto, métal, 116 x 207 x 76 cm, Foto Achim Kukulies, Maskulinitäten 2019, © Courtesy BQ Berlin

 

Dennoch dürften manche Besucher daran zweifeln, ob dies gelungene Ausstellungen sind. Bereichern und inspirieren die Kunstwerke? Da mag jeder seine eigenen Erfahrungen machen. Auf jeden Fall kommt von allem Erdenklichen etwas vor, mal mehr, mal weniger. Ausgeprägt in den drei genannten Motivgruppen.

     Der Visiteur wird schon am Eingang gewarnt, er möge sich auf Pornographisches einstellen. Es ist ein Gang durch den männlichen Körper oder um ihn herum. Mit Trainings-Apparaturen und dem zugehörigen Studio. Zu sehen sind unter anderem Werke, die sich mit allem Männlichen beschäftigen, mit der Konstruktion des Körpers in Form einer Bodybuilding-Maschine wie mit allem unterhalb der Gürtellinie.

 

Allison Katz Cock Island, 2018, oil, acrylic and rice on canvas, 175 x 125 cm, Foto © Allison Katz, Maskulinitäten 2019

 

Die drei Ausstellungen habe man gemeinsam konzipiert, so Birkenstock, und in die Überlegungen habe unter anderem die #MeToo-Debatte und die Krise von Männlichkeit reingespielt.„Politisches und Privates wird vermischt.“

     Der Phallus als Sinnbild komme genauso vor, wie das Bild absterbender Spermien in einer Petrischale, die abnehmende Potenz symbolisierten. Worauf die Zusammenarbeit mit dieser Schau zielt, muss der Besucher nicht lesen, kann es aber, etwa im Pressetext.

     Vor dem „Hintergrund vorherrschender reaktionärer Manifestationen von Männlichkeit sowie einer uneingeschränkten Kritik an ihren hegemonialen Ausformungen“ sollen die Ausstellungen „patriarchale und heteronormative Geschlechterkonzeptionen … destabilisieren.“

     Als Destabilisatoren dienen „künstlerische Produktionen, Performances, Theaterstücke, Lesungen, Vorträge, Screenings und Workshops“ mit denen „alternative Handlungsräume aufgeworfen“ werden, um so „performative und transgressive Konzeptionen von Identität, Geschlechtlichkeit, Sexualität und Körper in den Vordergrund zu rücken.“

     Na also, dann ist ja alles klar. Wer bisher als Mann keine Krise hatte, bekommt sie beim Durchgang. Er/Sie und * können es sich je nach Feingeist aber auch ersparen. Wohl bekommt man (frau) einen Eindruck: Dass nämlich auch hier die alte Marketingstrategie „Sex sells“ hervorgekramt und ausprobiert wird. Und das Ausprobieren ist schließlich eine typische Aufgabe von Kunstvereinen: Etwas machen und schauen, wie´s geht und was dabei herauskommt. Mission accomplished!
K2M

 

Die Ausstellungen „Maskulinitäten“ werden bis zum 24. November 2019 gezeigt.
Bonner Kunstverein
Hochstadenring 22
53119 Bonn

 

Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen
Grabbeplatz 4
40213 Düsseldorf

Kölnischer Kunstverein
Hahnenstraße 6
50667 Köln

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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