rheinische ART
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rheinische ART 10/2019

DÜSSELDORFER KÜNSTLER 1844
„z.g.U.u.H.“


„Zur gegenseitigen Unterstützung und Hilfe“, lautet der erweiterte und selten mitgenannte Name der ältesten Künstlervereinigung der Stadt, des Vereins Düsseldorfer Künstler 1844. Zum 175. Jubiläum zeigt das Stadtmuseum dessen weitgehend unbekannte Geschichte mit dem Titel „Zwischen Hungertuch und Kunstpalast“ auf.

 

Plakat zur Ausstellung Foto © vddk1844

 

Dass ein Quell des so anziehenden, kreativen Lebensspirit in der Landeshauptstadt die hier lebende Künstlerschaft ist, ist unstrittig.
     Seit der Gründung der Kunstakademie 1773, die als „Königlich preußische Kunstakademie“ ab 1826 von dem Maler Wilhelm von Schadow geleitet und zu einem der führenden Institute entwickelt wurde, kommen die Kreativen zahlreich in die Stadt am Rhein.
     Allerdings: Begeisterung, Enthusiasmus, Ideenreichtum und auch handwerkliche Könnerschaft sind nicht zwangsläufig Garanten für Erfolg. Wer seinen Lebensunterhalt als Künstler bestreiten will, lebt eher selten in einer ästhetischen Komfortzone.


Künstler kannten und kennen prekäre Zeiten. Praktische Lebenshilfe ist dann gefragt und 1844 entschloss man sich mit der Gründung des „Verein der Düsseldorfer Künstler zur gegenseitigen Unterstützung und Hilfe“ zur kollegialen Solidarität. Die wachsende Schar der Künstler machte diese Entscheidung wünschenswert, denn staatliche Sozialsysteme existierten in jener Zeit noch nicht.
     Es war ein verantwortungsvoller Schritt der Gründer. Zu den zwölf Mitgliedern des Vorstandes zählten unter anderen Wilhelm von Schadow selbst und Mitglieder der Düsseldorfer Malerschule wie Johann Peter Hasenclever und Johann Wilhelm Schirmer. Alleiniger Zweck des Vereins war es, in Not geratenen Künstlern konkrete Hilfe zu gewähren.

 

Blick in die Ausstellung "Zwischen Hungertuch und Kunstpalast" im Stadtmuseum Düsseldorf 2019. Foto © Stadt Düsseldorf


Das Geld kam aus den Jahresbeiträgen der Mitglieder, aus Eintrittsgeldern aus selbstveranstalteten Kunstausstellungen, aus Verlosungen und Verkäufen von Kunstwerken, auch aus Stiftungen oder Schenkungen. Während die Kunst der Düsseldorfer Künstler stark im öffentlichen Fokus stand, geschah die Unterstützung im Verborgenen. Aus gutem Grund, denn das Stigma des hungerleidenden, armen Künstlers konnte Karrieren beenden, bevor sie begonnen hatten.

 

Der alte Kunstpalast in Düsseldorf 1902. Foto © Verein Düsseldorfer Künstler 1844


1874 öffnete die Kunsthalle, die als Ausstellungshaus dem Verein die Hälfte eines Jahres zur Verfügung stand. 1902 wurde der Kunstpalast, dessen Vorbild das Petit Palais in Paris war, als Ausstellungshaus eröffnet, der von dem Verein selbst und Spenden aus der Wirtschaft errichtet worden war. Zu diesem Zweck rief der Verein 1898 einen weiteren ins Leben, und zwar den „Verein zur Veranstaltung von Kunstausstellungen“. Die Künstler übergaben 1904 das Gebäude schuldenfrei der Stadt, die wiederrum dem Verein ein dauerndes, einmal jährliches Ausstellungsrecht im Kunstpalast einräumte.

 

 Die Grosse 2019 im und am heutigen Kunstpalast im Ehrenhof. Foto © vddk1844


Es entstand „Die Grosse“, die Kunstausstellung Düsseldorfer und rheinischer Künstler. Dieses Ausstellungsformat existiert noch heute und ist ein Highlight im Kunstkalender der Stadt. Eine ähnlich lange Institution ist das Künstler-Atelierhaus an der Sittarder Straße, das 1908 bezogen werden konnte. Seit 1990 stellt der Verein seinen Mitgliedern zudem Atelierräume im Pariser Stadtteil Marais für Arbeitsaufenthalte zur Verfügung. 2008 entstand die SITTart Galerie, in der die Mitglieder Ausstellungen bestreiten und als Kunstraum dient diese auch zu Konferenzen und Zusammenkünften informativer wie geselliger Art.


Übrigens Geselligkeit Der jüngerer Vereinsbruder und in der Öffentlichkeit sicherlich namhaftere „Künstlerverein Malkasten“ wurde vier Jahre nach dem Verein Düsseldorfer Künstler 1844 gegründet. Sein Ziel: die Förderung des „geselligen Künstler-Lebens“. Der Verein residiert im renommierten Malkastenpark. Bekannte Künstlerpersönlichkeiten zieren die Mitgliederlisten, damalige „Gönner“ aus Politik und Wirtschaft unterstützten den besonderen Nimbus des Vereinslebens, der Wunsch nach Teilhabe am Ruhm und Glanz der Gesellschaft im Jacobihaus war allgegenwärtig. So mancher Malerfürst, wie beispielsweise der erfolgreiche Andreas Achenbach, lebte hier eine, wie es heißt, „…beneidenswerte Unabhängigkeit“.

 

Das Künstler-Atelierhaus Sittarder Strasse. Foto © vddk1844

 

Von den Gründungsmitgliedern des Malkastens waren zwei Drittel auch bei der Gründung des Unterstützungsvereins beteiligt. Beide Vereine profitierten sehr voneinander, doch war ihr Verhältnis nicht immer spannungsfrei. Bemerkenswert ist: Sie überlebten schwierige Zeiten wie die beiden Weltkriege mit Inflation und Ausstellungsverboten. Die Vereine existieren heute in einer zeitgemäßen Anpassung ihrer im Düsseldorfer Kunst- und Kulturleben nicht wegzudenkenden Aktivitäten.

Irmgard Ruhs-Woitschützke

 

Die Ausstellung „Zwischen Hungertuch und Kunstpalast. 175 Jahre Verein der Düsseldorfer Künstler 1844“ ist bis zum 05.01.2020 zu besichtigen.
Stadtmuseum Düsseldorf
Berger Allee 2
40213 Düsseldorf

Tel. 0211 /8996170

Öffnungszeiten

DI - SO 11 - 18 Uhr

 

 

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