rheinische ART
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rheinische ART 01/2012

 

ARCHIV 2012

2012: Zehn Ausstellungen zu Klimt in Wien

 

Gustavs Jahr

  

Zum 150. Geburtstag des Malergenies Gustav Klimt (1862-1918) entfacht seine Heimatstadt Wien ein wahres Ausstellungsfeuerwerk. Zehn Museen der Stadt präsentieren meist aus eigenen Beständen Gemälde, Zeichnungen und Entwürfe des bedeutendsten österreichischen Malers und berühmtesten Vertreters des Wiener Jugendstils. 800 Werke insgesamt - noch nie gab es so viel Klimt auf einmal.

 


Gustav Klimt, Beethovenfries (Detail), 1901/02
Stirnwand: Die feindlichen Gewalten. Der Gigant Typhoeus, gegen den selbst Götter vergebens kämpften; seine Töchter, die drei Gorgonen. Krankheit, Wahnsinn, Tod. Wollust und Unkeuschheit, Unmäßigkeit. Nagender Kummer. Die Sehnsüchte und Wünsche der Menschen fliegen darüber hinweg.
Ausführung: Gustav Klimt und Assistenten. Kaseinfarben, Stuckauflagen, Zeichenstift, Applikationen aus verschiedenen Materialien (Glas, Perlmutt etc.), Goldauflagen auf Mörtel. Gesamtlänge: 34,14 m, (Längswände je 13,92 m, Stirnwand 6,30 m), Höhe: 2,15 m. Belvedere, Wien / Leihgabe in der Secession, Wien. © Belvedere, Wien

 

DER WIEN-Besucher des Jahres 2012 wird an dem erotisch-orientierten Meister des Frauenportraits, schon zu Lebzeiten einer der teuersten Maler, nicht vorbei kommen. Denn der Klimt-Hype ist gleichzeitig ein kommerzielles Festival ersten Ranges. Wer´s nicht bis zu den Ausstellungen schafft oder schaffen will, kann dem Meister als Nascherei begegnen: Klimt auf Konfekt-Würfeln neben den Mozart-Kugeln und Sisi-Pralinen, aber auch als Torte und als Sekt. Gustav Klimt, der Superstar, jederzeit und allerorten. Ein Tourismus-Marketing der Sonderklasse.

 

Gustav Klimt, Marie Henneberg, 1901/02
Öl auf Leinwand, 144,5 x 144,5 x 7 cm
Stiftung Moritzburg, Halle an der Saale
Foto © Klaus Göltz, Halle

 

Gustav Klimt, Bewegtes Wasser, 1898
Öl auf Leinwand, 52 × 65 cm
Privatbesitz, Courtesy Galerie St. Etienne, New York, © Courtesy Galerie St. Etienne, New York

 

Gustav Klimt, Sonnenblume, 1907
Öl auf Leinwand, 110 × 110 cm,
Privatbesitz, © Belvedere, Wien

Goldene Periode

 

Gustav Klimt, am 14. Juli 1862 in der damaligen Wiener Vorstadt Baumgarten geboren, war um die Jahrhundertwende einer der gefragtesten wie umstrittensten Künstler des österreichischen Jugendstils. Außerhalb der Landesgrenzen, die er selbst zeitlebens nur ungern überschritt, galt er lange als Leinwand-Ornamentierer und Dekorationsmaler. Ruhm in der Wiener Gesellschaft erlangte er mit rätselhaften, erotiklastigen Portrait-Malereien großbürgerlicher und adliger Damen, deren Silhouetten und Gesichter er in seiner sogenannten Goldenen Periode ornamental, fast mosaikhaft auf schimmernden Blattgold-Hintergründen einbettete. Legendär - weil horrend - waren zu jener Zeit bereits seine Honorarforderungen.
   War das 1905 geschaffene berühmte Bildnis der Industriellentochter Margarethe Stonborough-Wittgenstein, Schwester des Philosophen Ludwig Wittgenstein (mehr), noch eher züchtig und unverfänglich, signalisierten nachfolgende Frauendarstellungen mehr Erotik, Freizügigkeit und Sexappeal. Klimts Jugendstil-Meisterwerk „Der Kuss“ (1908) ist eines der berühmtesten Werke jener Periode und millionenfach als Dekor-Element auf Souvenirs aller Art reproduziert worden. Das ein Jahr zuvor geschaffene Portrait der Adele Bloch-Bauer, Gattin des gleichnamigen Zuckerindustriellen, bekannt als „Goldene Adele“, wurde im Jahre 2006 zu dem seinerzeit höchsten, jemals für ein Gemälde bezahlt Preis von 135 Millionen US-Dollar (rd. 106 Mio. Euro) auktioniert.

 

Japanischer Einfluss

 

Klimts goldene Bildhintergründe und opulente Ornamentik deuten auf Inspirationen durch den Orientalismus sowie den seinerzeit populären Japonismus hin. Insbesondere gelten Werke der japanischen Malerei aus dem 17. Jahrhundert als Impulsgeber. Namentlich ist hier der dekorative Stil des Malers und Lackkünstlers Ogata Kōrin (1658-1716) aus der sogenannten „Rin-Schule“ (Kunstströmung Rinpa) zu nennen. Ab 1909 wandte sich Klimt mehr der flächigen, impressionistischen Landschaftsmalerei zu.
   Seine Werke entstehen überwiegend am Attersee im Salzkammergut, seiner favorisierten Sommerfrische. Passend zum Jubiläumsjahr wird im dortigen Kammer im Juli 2012 das erste Klimt-Dokumentationszentrum eröffnet.
   Die Klimt´schen Spätwerke zeichnen sich durch hohe Leuchtkraft aus. Es sind Malereien mit Anklang an den deutschen Expressionismus und an den Fauvismus, die moderne abstrakte Malerei und den Kubismus. Gleichwohl erreichen sie nicht den Stellenwert seiner Maler-Zeitgenossen Edvard Munch, Henri Matisse oder Wassily Kandinsky.

 

Klimt und die Frauen

 

Der Maler und Provokateur Gustav Klimt, 1904
© Privatbesitz

 

Gustav Klimt war nie verheiratet, lebte auch nie in einer eigenen Wohnung sondern immer bei seiner Mutter und seinen Schwestern. Engste Vertraute und bevorzugtes Model war seine schöne Schwägerin Emilie Flöge, von ihm als „Lebensmensch“ bezeichnet. Die aparte Wienerin betrieb mit ihrer Schwester Helene einen Haute-Couture-Salon. Bekannt wurden die von ihr kreierten lose hängenden „Reformkleider“, zu denen auch Klimt Ideen beigesteuert haben soll. Im Rahmen des Jubiläumsjahres kann der Interessierte im Museum für Volkskunde eine Textilmustersammlung aus dem Flöge-Nachlass bestaunen.
   Gleichwohl hatte der Jugendstil-Meister zahlreiche Liebschaften, meist mit seinen Modellen, die somit nicht nur bildlich sein Lieblingsthema waren. Die amourösen Beziehungen führten in mehr als einem Dutzend Fällen zu Vaterschaftsklagen. Die Damen und ihr eigenwilliger, launischer und freizügig portraitierender Galan Klimt, bereits Gegenstand unzähliger Ausstellungen, sind auch im Wiener Klimt-Jahr 2012 durchaus ein Thema, wenn auch nicht Kernpunkt der Schauen.

 

Rekordverdächtiges Programm

 

Den Ausstellungsmarathon eröffnete bereits im Herbst 2011 das Belvedere mit „Gustav Klimt/Josef Hoffmann. Pioniere der Moderne“. Die Schau widmet sich der engen Zusammenarbeit von Klimt und dem Architekten, Designer und Ausstellungsgestallter Josef Hoffmann (1870-1956). Im Zentrum steht u.a. Klimts dekoratives Hauptwerk, die faszinierende Innenausstattung von Hoffmanns Brüsseler Palais Stoclet. Das Original, einziges Gesamtkunstwerk der Wiener Werkstätte, ist seit Jahrzehnten in Privatbesitz und unverändert, für die Öffentlichkeit allerdings nicht zugänglich. Daher werden im Belvedere zahlreiche detailgetreue Rekonstruktionen, Architekturmodelle, Pläne etc. präsentiert, die Aufschluss über die Entstehung dieses Jugendstil-Kunstwerkes geben. Ab dem 15. Juni zeigt das Museum ferner die Soloschau „150 Jahre Gustav Klimt“.

Klaus M. Martinetz

 


Die Ausstellung „Gustav Klimt/ Josef Hoffmann. Pioniere der Moderne“ ist bis zum 04. März 2012 zu sehen.

Österreichische Galerie im Schloss Belvedere
Unteres Belvedere
Rennweg 6a
1030 Wien

Tel. +43 1 795 57 200


Öffnungszeiten:
MO - Di: 10.00 - 18.00 Uhr
MI: 10.00 – 21.00 Uhr
DO-SO 10.00 – 18.00 Uhr


Weitere Ausstellungen:

Österreichische Galerie im Schloss Belvedere
Oberes Belvedere
150 Jahre Gustav Klimt
Dauer: 15. Juni 2012 – 06. Januar 2013
Prinz-Eugen-Str. 27
1030 Wien

 

Kunsthistorisches Museum
Gustav Klimt im Kunsthistorischen Museum
Dauer: 14. Februar – 06. Mai 2012
Burgring 5
1010 Wien

 

Leopold Museum
Gustav Klimt. Eine (Zeit)Reise
Dauer: 24. Februar – 11. Juni 2012
Museumsquartier- Museumsplatz 1
1070 Wien

 

Albertina
Klimt – Zeichnungen
Dauer: 14. März – 10. Juni 2012
Augustinerstr. 1
1010 Wien

 

Österreichisches Museum für angewandte Kunst/Gegenwartskunst (MAK)
Gustav Klimt: Erwartung und Erfüllung.
Entwürfe zum Mosaikfries im Palais Stoclet.
Dauer: 21. März – 15. Juli 2012-01-07
Stubenring 5
1010 Wien

 

Österreichisches Theatermuseum
Gegen Klimt. Die „Nuda Veritas“ und ihr Verteidiger Hermann Bahr
Dauer: 10. Mai – 29. Oktober 2012
Lobkowitzplatz 2
1010 Wien

 

Wien Museum Karlsplatz
Klimt. Die Sammlung des Wien Museums
Dauer: 16. Mai – 16. September 2012
Maderstr. 2
1040 Wien

 

Österreichisches Museum für Völkerkunde
Objekte im Fokus: Die Textilmustersammlung Emilie Flöge
Dauer: 25. Mai – 14. Oktober 2012
Laudongasse 15-19
1080 Wien

 

Künstlerhaus
Gustav Klimt und das Künstlerhaus
Dauer: 06. Juli – 02. September 2012
Karlsplatz 5
1010 Wien

 

©  Fotos Österreichische Galerie im Schloss Belvedere

 

 

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