rheinische ART
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rheinische ART 10/2022

BÜHNENKUNST
Ist die Oper tot?


Natürlich nicht! Aber Probleme hat sie schon. Selbst die großen Häuser dieser einzigartigen Kunstform leiden unter Zwangslagen und müssen mühsam, wie das Magazin Der Spiegel schon vor über einem halben Jahrhundert konstatierte, „mit milden Gaben durchgepäppelt“ werden.

 

Blick in die Ausstellung Bildmotiv: Rogelio de Egusquiza y Barrena, Parisfal, 1903. Foto: Mick Vincenz, 2022 © Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH.

 

Obwohl aktuell nach dem Fall fast aller Corona-Beschränkungen die Opernhäuser wieder geöffnet sind, kann von einem Run kulturhungriger Besucher auf Karten nicht gesprochen werden. Immer noch bleiben bei der Bühnenkunst ganze Sitzreihen leer. Sonne und frische Luft laufen als Kunstfeinde oftmals dem Theaterparkett und dem Opernbalkon den Rang ab.

     Was waren das noch für Zeiten, als in der New Yorker Met, dieses neben der Mailänder Scala wohl prominenteste Opernhaus der Welt, alle 3896 Sitze im Jahre 1957 verkauft waren und die glanzvolle wie eigenwillige Maria Callas als Norma in der gleichnamigen Oper brillierte.

 

Ladislaus Eugen Petrovits Wien, Oper (Blick vom Zuschauerraum auf die Bühne mit Aufführung des „Don Juan”) 1869 Druck (Xylografie) © KHM-Museumsverband, Theatermuseum Wien. Bildquelle BKH Bonn 2022


Rund 400 Jahre existiert die Oper. Diese emotionale Kunstform wurde x-mal totgesagt und lebt dennoch bis heute. Was sie so unwiderstehlich macht: gute Geschichten - und sie verbindet verschiedene Formen der Kunst, also Musik, Gesang, Schauspiel und Tanz, sowie Handwerkliches wie Bühnenbild, Licht und Kostüme zu einem Gesamtkunstwerk.

 

Alfred Roller Don Giovanni Kostüm für Leopold Demuth, 1905, Seidendamast, Samt u.a.© KHM-Museumsverband, Theatermuseum Wien. Bildquelle BKH 2022

 

In der Bonner Bundeskunsthalle wird derzeit eine opulente wie teils prachtvolle Ausstellung mit dem Titel „Die Oper ist tot – Es lebe die Oper!“ präsentiert.

     Der Besucher findet darin nicht nur Bekanntes aus der Opernwelt in Vitrinen vor. Die Schau ist, wie es heißt, eine Art „Tour de Force“ durch die Operngeschichte, ein großartiger historischer Rückblick und – selten genug –, es gibt auch eine Sicht auf das Leben hinter den Kulissen.

     Die von Kuratorin Katharina Chrubasik und Kurator Alexander Meier-Dörzenbach zusammengestellte Schau bietet damit die einmalige Gelegenheit, direkte Einblicke in die wechselvolle Geschichte, in Wachstum, Wandel und Wehen der Institution Oper zu gewinnen. „Die Aufgabe der Oper war immer und bleibt ästhetisch, die Seele der Menschen zu erschüttern“, wie Meier-Dörzenbach erklärte.

     Ausgehend von den Anfängen der Oper in Italien und der Vorstellung der zwei großen Institutionsformen – der Hof- und der Unternehmensoper –, wirft die Ausstellung kaleidoskopartige Blicke auf die Opernkonstellationen. Denn die Organisation und die Rahmenbedingungen beeinflussen bis heute das Programm der Häuser, das Ensemble und die Aufführungspraxis.

 

Giacomo Puccini und Arturo Toscanini, 1910, Fotografie © Music Division, The New York Public Library. (1910). Arturo Toscanini and Giacomo Puccini. Retrieved from digitalcollections. Bildquelle BKH Bonn 2022

 

Die Ausstellung präsentiert unter anderem die barocken Spektakel an den europäischen Höfen und geht der Vielfalt der kommerziellen Spielstätten im Venedig des 17. Jahrhunderts nach. Am Beispiel berühmter Häuser, wie der angesprochenen Mailänder Scala und der New Yorker Met, ferner der Wiener Hofoper und anderer Spielstätten, erzählt sie von der Entwicklung der Institution Oper im 19. und 20. Jahrhundert.
     

In mehreren Erzählsträngen stellen die Kuratoren die an dem Bühnenereignis Beteiligten vor, Menschen, die sich qua Buch, Komposition und Gesang, Kostüm- und Bühnenentwürfen, Organisation und technischer Innovation zusammenfinden, um ihren inneren Bildern die sinnliche Gestalt zu verleihen, die das Publikum zu sehen und zu hören bekommt.
     So geraten nicht nur komponierende, dirigierende, inszenierende und singende Menschen in den Fokus, sondern eben auch Schlüsselfiguren hinter den Kulissen mit ihren Netzwerken und Methoden, die gemeinsam das Phänomen Oper in die Welt tragen.

 

Lorenzo Sacchetti Bühnenbildmodell: Palasthalle mit anschließender Prunktreppe, 1786, Holz, Papier, Wasser- und Deckfarben, Tinte laviert, © KHM-Museumsverband, Theatermuseum Wien. Bildquelle BKH Bonn 2022


Eine besondere Rolle nimmt dabei die deutsche Opernhauslandschaft ein – mit 84 Spielstätten hat die Bundesrepublik Deutschland die größte Dichte weltweit. An ausgesuchten Beispielen wird diese Vielfalt in dem die Ausstellung begleitenden Film Un Viaggio In Germania – Eine kleine Reise durch die deutsche Opernlandschaft – vorgestellt. Begleitet von Einspielungen zahlreicher Opernwerke und Filmausschnitten, erzählen Gemälde und Opernplakate, Kostüme und Bühnenbildentwürfe, Karikaturen und Programmhefte Geschichten einer sich immer wieder neu erfindenden Gattung und Institution.
rART/K2M


 Die Ausstellung wird von dem legendären Ricordi-Archiv in Mailand unterstützt. Das zu Bertelsmann gehörende Archiv beherbergt eine Fülle einzigartiger Zeugnisse aus 200 Jahren italienischer Operngeschichte. Das Archiv, das als eine der weltweit bedeutendsten Musiksammlungen in privater Hand gilt, stellt 70 Exponate und ist damit wichtigster Leihgeber der Schau.


Die Ausstellung „Die Oper ist tot – Es lebe die Oper!“ kann bis zum 5. Februar 2023 besucht werden.

Kunst- und Ausstellungshalle
der Bundesrepublik Deutschland GmbH

Museumsmeile Bonn
Helmut-Kohl-Allee 4
53113 Bonn
Tel. 0228 / 9171–0
Öffnungszeiten
DI + MI 10 – 21 Uhr
DO - SO 10 – 19 Uhr

 

Zitierquelle: Die Primadonna, in: DER SPIEGEL 7/1957

 

 

 

 

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