rheinische ART
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rheinische ART 09/2019

FOR FOREST
Mischwald auf der Mittellinie

 

Es gibt Dutzende Sportstätten mit dem Namen Waldstadion. Bekannte (Frankfurt) oder weniger bekannte (Aachen). Von keiner ist hingegen bekannt, dass sie Bäume innerhalb des Wettkampfareals gepflanzt hätte.

 

Max Peintner „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“, Bleistiftzeichnung 1970/71, Handkoloriert von Klaus Littmann 2018, Unikat in Serie. © Klaus Littman

 

Dieses besondere Merkmal weist derzeit lediglich das Wörthersee-Fußballstadion in Klagenfurt auf. Es ist die Heimstätte des österreichischen Zweitligisten SK Austria Klagenfurt. Eine 30.000 Besucher fassende Multifunktionsarena in einer knapp 100.000 Einwohner zählenden Mittelstadt.

     Für fast zwei Monate ist es nun zum Zentrum einer Kunstintervention des Schweizer Klaus Littmann (*1951) avanciert. „FOR FOREST – die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ heißt die temporäre Schau, die das moderne Sportoval zur größten öffentlichen österreichischen Kunstinstallation verwandelt hat. Und nebenbei dem Begriff Waldstadion eine völlig neue Deutung verpasste.

 

Modell der Installation FOR FOREST „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“, Maßstab 1:333/3 Fotoquelle Klaus Littmann Foto © Johannes Puch 

 

Seltener Anblick: Baum vor Tribüne © Klaus Littmann

 

Inspiriert wurde Littmann von einer dystopischen, also anti-utopischen Bleistiftzeichnung des visionären, österreichischen Künstlers und Architekten Max Peintner (*1937) aus dem Jahre 1970.

     Littmann entdeckte das Werk mit dem Bildtitel „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ 1988. Es erweckte bei ihm die Vision eines Waldes in einem Stadion – die Vision ist nun Realität geworden.


Was will der Kunstarrangeur dem Betrachter sagen? Oder, wie nicht selten gefragt wird: Ist das Kunst? Für Littmann auf jeden Fall. Denn der "Interventionator" sieht in der Kunst auch die Aufgabe, dass sie auf Tagesaktuelles verweise. Auf Umweltschutz zum Beispiel!

     Mit dieser monumentalen Installation, so ließ der Schweizer weiter verlauten, sollen die Menschen die Natur anders wahrnehmen, es soll sie herausfordern und ihren Blick auf die Zukunft der Mensch-Natur Beziehung schärfen. Es dürfe, wie Klaus Littmann betont, nicht dazu kommen, dass das, „was wir im Zoo mit Tieren machen eines Tages mit Bäumen passiert“. Will sagen, die Baumschau findet nur noch in Stadien statt, weil es die Gehölze sonst nicht mehr zu sehen gibt.

     Das Spielfeld in Klagenfurt wird gänzlich von einem authentischen mitteleuropäischen Mischwald in Besitz genommen. Und zwar von rund 300 Bäumen, von denen einige bis zu sechs Tonnen wiegen. Gestaltet hat die Komposition der bekannte Gartenarchitekt Enzo Enea, der in Fachkreisen auch als der „Baumflüsterer“ bekannt ist.

 

Ein Mann steht im Walde! Klaus Littmann - sieht den Wald auch im Stadion Foto © Klaus Littmann

 

Der Projektentwickler Klaus Littmann ist in Sachen Installation längst kein Unbekannter. In den 1970er Jahren studierte er bei Joseph Beuys an der Düsseldorfer Kunstakademie.

     Seither hat er über 80 Kunstprojekte realisiert, einige davon als riesige „Interventionen“ im öffentlichen Raum. Gerne vor allem solche, die vermeintlich alltägliche Plätze vorübergehend in etwas völlig anderes verwanden, wie eben auch das Wörthersee-Stadion.

     Littmann kooperierte dabei unter anderem mit Künstlern wie Christo und Jeanne-Claude (mehr), Tony Cragg, Jean Tinguely (mehr), Dieter Roth, Keith Haring, Katharina Sieverding (mehr) oder Niki de Saint Phalle (mehr).

 

Mit dem Klagenfurter Kunstprojekt ist nun das Wörthersee-Stadion zum Schauplatz einer eigenwilligen Kunst geworden. Von den Tribünen aus kann die sich ausbreitende Waldfläche zu unterschiedlichen Tageszeiten (10:00 bis 22:00 Uhr) bei freiem Eintritt betrachtet und deren Veränderung beobachtet werden. Allerdings fallen die Sponsorengelder nicht einfach von den Bäumen. Rund 2,2 Millionen Euro sollen die Kosten für den Kunst-Wald betragen.

     Nach dem Ende der Freiluft-Aktion wird der Wald nahe des Stadions im Maßstab 1:1 „sorgfältig verpflanzt“ und bleibt als lebendige, sich weiter verändernde „Waldskulptur" erhalten.

rART 

 

Mit dem Kauf einer kolorierten Lithografie der originalen Schwarzweiß-Zeichnung kann man helfen, das Projekt zu finanzieren. Es können auch Baumpatenschaften übernommen werden, je Baum 5.000 Euro.


Die Installation „FOR FOREST – die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ wird bis zum 27. Oktober 2019 ist Stadion wachsen und gedeihen.
Wörthersee-Fußballstadion
Südring 207
9020 Klagenfurt / Kärnten
Österreich

 

Zitat aus: Bäume im Stadion: „Ist das Kunst, Herr Littmann?“ von Gerald Heschl in: Der Sonntag vom 12.5.2019

 

 

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