rheinische ART
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rheinische ART 10/2019

GUSTAVE COURBET
Der Maler, der die Freiheit liebte


Er lehnte staatliche Ehrungen ab. Er wollte weder die Mitgliedschaft in der Ehrenlegion noch weitere Anerkennungen. Vor 200 Jahren wurde er geboren.
 

Gustave Courbet Le Chêne (Die Eiche von Flagey – auch die Eiche von Vercingétorix, Cäsars Lager bei Alésia genannt), 1864, Öl auf Leinwand, 89 x 111,5 cm, Foto © Musée Gustave Courbet, inv. 2013.1.1

 

Der rebellische wie unbeirrbare Gustave Courbet (1819–1877) gehörte, mit Delacroix und Ribot, zu den bedeutenden Vertretern der französischen Malerei des 19. Jahrhunderts. Mit seinen neuartigen Farbverwendungen bereitete er den Boden für die folgende Generation der Impressionisten. Der Osten Frankreichs, genau genommen das Département Doubs, feiert das ganze Jahr über den runden Geburtstag des Mannes.

 

Gustave Courbet Les Amants dans la campagne (Liebhaber auf dem Land), 1867 Encre sur papier, Ornans, musée Gustave Courbet © Musée Gustave Courbet, photo : Pierre Guenat

 

Nadar (Félix Tournachon dit) (1820 –1910) Portrait de Gustave Courbet à l’âge de 42 ans, Vers 1861, Tirage sur papier albuminé, Ornans, musée Gustave Courbet © Musée Gustave Courbet, photo : Pierre Guenat

 

Zentrum für Ausstellungen und Festivitäten ist das relativ neue Museum Courbet in der kleinen Gemeinde Ornans, dem Geburts- und zeitweiligen Wohnort des Künstlers.

     Gewürdigt wird ein Maler, der die Natur und seine Heimat verehrte, der als Humanist, Epikureer, Schriftsteller und Weltenbummler galt und seinen Drang nach Freiheit nie verhehlte.

     Ein verehrter wie angefeindeter Tabubrecher, finanziell unabhängig, politisch aktiv, zeitweise Exilant, der seinen Lebensabend schließlich bis zum Tode in La-Tour-de-Peilz in der Schweiz verbringen musste.


Eigenwillig 1870 lehnte er es, wie auch der Karikaturist Honoré Daumier (mehr), ab, zum „Ritter der Ehrenlegion“ ernannt zu werden. An den Minister für Literatur, Wissenschaft und Kunst Maurice Richard, schrieb Courbet: „Nach meinem Tod soll man von mir sagen können: Er hat nie einem Regime angehört, außer dem Regime der Freiheit.“ Er sei, so der Maler weiter, 50 Jahre alt und habe „immer frei gelebt“.
     Der volksnahe Künstler und Vorkämpfer des Realismus hatte es aber weder beim Pariser Establishment noch in seiner ländlichen Heimat an den Flüssen Doubs und Loue leicht.

     Der aus begüterten Verhältnissen stammende Courbet schuf rund eine Drittel aller Werke in der von ihm geliebten Gegend um Ornans und in der konservativ geprägten Franche-Comté. Doch in den knollennasigen, teils hässlichen Figuren mochten sich die Bauern und Handwerker seiner Heimatregion nicht erkennen.

 

Gustave Courbet Blick auf Ornans oder Der Spiegel von Ornans, um 1872, Öl auf Leinwand, 50,3 X 61,1 cm ohne Rahmen; 72 x 82 cm mit Rahmen MNR 181 – Ende des Zweiten Weltkriegs rückgeführtes Werk, das am 19. Januar 1953 vom Musée du Louvre bis zur Rückgabe an seine rechtmäßigen Eigentümer eingelagert wurde. MNR 181. Foto © Musée Gustave Courbet

 

 Auch in Paris verlachte man seine Kuh-Bilder. Ein Skandal folgte dem anderen, eine Provokation schlug die nächste. In seinem Heimatort Ornans stieß man sich an der Skulptur eines nackten Knaben, der einen Fischer darstellen sollte. Die Bronze von 1862 steht heute als Kopie mit Lendenschurz auf dem nach dem Meister benannten Place vor der „Brasserie du Pêcheur“ von Ornans.

     Doch gemessen an dem Wirbel, den Courbets berühmtes Werk, das Gemälde „Ursprung der Welt“ von 1866 erzeugte, ist der Fischer eher eine amüsante Episode.

     Courbets lebensnahes und großformatiges Aktbild eines Frauenunterleibs galt als widernatürlich oder gar pornografisch. Das Gemälde im Besitz des Musée d´Orsay wurde erst ab 1995 – also nach fast 130 Jahren – der Öffentlichkeit wieder gezeigt. Selbst der Meister hatte es in seinem Atelier unter Verschluss gehalten.

     Heute gilt als sicher: Die anstößige Nackte war seine Geliebte, eine Irin namens Joanna Hifferman. Sie ist nicht in der Ausstellung im Museum Courbet in Ornans zu sehen. Dafür weniger skandalträchtige Großformate wie unter anderem „Die Schläferinnen – Trägheit und Wollust“ (le Sommeil) von 1866.

 

Eugène Feyen Courbet peignant dans le parc du séminaire d’Ornans, 1864 , Tirage modern Ornans, musée Gustave Courbet © Musée Gustave Courbet, photo : Pierre Guenat

 

Gustave Courbet war zeitlebens für Unübliches gut. Einzigartiges Beispiel dafür ist sein Eichenbild von 1864 (siehe oben). Er fertigte das Gemälde während eines Aufenthalts in Ornans. Die dargestellte Eiche stand im Dorf Flagey, wo sich der Bauernhof der Familie befand. Indem der Maler diesen Baum verewigte, setzt er seiner Kindheit und Jugend ein Denkmal.

     Die Eiche blieb in der Vorstellung der Dorfbewohner lange mit der Persönlichkeit von Courbet verbunden, zumal sie dem einzigen Baumporträt im Werk des Malers als Modell diente! Und dieser outete sich damit auch noch als Lokalpatriot.

     Courbet fügte nämlich dem Gemäldetitel den Satz „Eiche von Vercingétorix, Cäsars Lager bei Alesia“ hinzu. Er griff damit in einen Streit über den Standort der Schlacht um Alesia ein, die nach Ansicht von Napoleon III. offiziell im burgundischen Département Côte-d’Or stattgefunden hatte. Courbet verortete den geschichtsträchtigen Akt in seinen Heimatraum und offenbarte damit seine persönliche Ablehnung des Zweiten Kaiserreiches, das von Napoleon III. verkörpert wurde. Der Mann blieb lebenslang ein Provokateur, auch politisch.
K2M


Das Courbet Museum zeigt in einer Dauerausstellung die Lebensstationen von Gustave Courbet sowie Gemälde, Bilder und Skulpturen von ihm und Künstlern seines Umfeldes.
MUSÉE COURBET
1 Place Robert Fernier
25290 Ornans
Tel +33 3 81 86 22 88
Öffnungszeiten
MI – MO 10 – 18 Uhr

 

 

 

 

 

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