rheinische ART
Start | | Über uns | Anzeigen | Impressum | Kontakt | Datenschutz

rheinische ART 03/2019

BAUHAUS WOHNKULTUR
Edle Kammern

 

Ludwig Mies van der Rohe, der letzte Direktor des Bauhauses in Berlin, hatte in Krefeld zwischen 1927 und 1930 zwei bahnbrechende Villen realisiert, die heute zu den Ikonen der modernen Architektur gehören.

 

 Haus Esters, Krefeld Gartenseite Foto: Volker Döhne

 

Die Baukörper von Haus Lange und Haus Esters bilden ein Gesamtkunstwerk. Denn der Baumeister hatte nicht nur die Architektur, sondern ferner die Gartenanlage und zusammen mit der Bauhaus-Meisterin, Innenarchitektin und Designerin Lilly Reich auch die Interieurs entworfen.

     Seither hat das Ensemble in seiner Struktur, Materialität und Nutzung mehrere Veränderungen durchlebt. Die Folgen: die lichtdurchfluteten Räume der Doppelvillen, die Holzfußböden, Innen- und Außenwände hatten Schaden genommen. Die Zeit tat ihr Übriges. Mit einem Aufwand von rund 1,2 Millionen Euro, davon fast 60 Prozent aus Bundesmitteln, wurden die „Fantastischen Zwei“ innerhalb der letzten zwei Jahre saniert.

 

Haus Lange, Krefeld Esszimmer Foto: Volker Döhne © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

 

Mies van der Rohe während der Arbeit am Haus Esters, ca. 1927/28 © VG Bild-Kunst, Bonn

 

Haus Esters, Krefeld Gartentür (von außen, Detail) Foto: Volker Döhne

 

Haus Lange, Krefeld Westansicht Foto: Volker Döhne

 

Nun erstrahlen die beiden benachbarten Museumsgebäude in alter Schönheit und bilden den Rahmen für eine Architektur-Schau der Extraklasse. „Anders Wohnen“ ist ihr Titel und präzisiert: „Entwürfe für Haus Lange Haus Esters“.

     Dahinter verbirgt sich ein Blick auf das Zusammenleben von morgen. Die Ausstellungsmacher fragen: Wie wollen wir wohnen, wie können und müssen wir wohnen, heute und in der Zukunft? Welche Formen des Zusammenlebens sind denkbar? Welche Möglichkeiten, Hoffnungen und Ängste verbinden sich mit der globalisierten, mobilen, digitalen Gesellschaft?

     Antworten liefern für dieses ganzjährige Projekt 16 internationale Künstler und Architekten, die eingeladen wurden, für das Villen-Duo alternative Wohn- und Lebensmodelle zu entwickeln. Dafür bespielen sie bis Januar 2020 drei Ausstellungen.


Zugleich verwandeln sich Mies van der Rohes Edelhäuser in ein lebendiges Dialogforum für aktive Teilnahme. Als einmaliges Ensemble des modernen Bauens geben die beiden denkmalgeschützten Flachdach-Komplexe den Anstoß für interdisziplinäres Denken und praktisches Gestalten – Ansätze, wie sie das Bauhaus in den 1920er Jahren bekanntlich als gesellschaftliche Vision selbst formuliert hat. Wohnungen und Häuser, soviel ist klar, sagen viel über die Beschaffenheit einer Gesellschaft aus.

 

Der Besucher wird jedoch nicht nur durch eintönige Vitrinengassen und an Holzmodellen vorbeiflanieren müssen. Mixed Reality wird geboten!

     Mit einer Digitalbrille gibt es Einblicke in die Wohnsituation von Haus Lange in den 30er-Jahre, so, wie sie sich der Baumeister Mies (mehr) gedacht hatte. Damit wird sein visionäres Wohnkonzept von damals quasi Wirklichkeit.

     Denn mit den Mitteln der „Augmented Reality“, also einer „erweiterten Realität“ durch die Spezialbrille, füllen sich die leeren Räume mit einer Erzählung über die wechselvolle Geschichte dieser Klassiker der Moderne – ein Wohntraum!
     „Wir schaffen ein Forum, das unsere Besucherinnen und Besucher in ein vielfältiges Geschehen einbindet und jedem die Möglichkeit gibt, sich mit zukünftigen Wohnformen und visionären Lebensmodellen auseinanderzusetzen“, so Museumsdirektorin Katia Baudin.
K2M

 

Die Ausstellung Anders Wohnen ist Teil des nationalen Verbundprojekts Bauhaus 100.


► Ursprüngliche Auftraggeber für die beiden avantgardistischen Wohnhäuser waren die kunstsinnigen Textilfabrikanten Hermann Lange (1874 –1942) und Josef Esters (1886–1969). Ihrem unkonventionellen Denken und Handeln ist zu verdanken, dass ihre Verseidag („Vereinigten Seidenwerberei AG“) in einem Firmengebäude fertigte, das ebenfalls von Mies van der Rohe entworfen wurde. Der Architekt entwarf darüber hinaus Möbel und Arrangements für Messeauftritte der Seidenfabrikanten sowie nicht realisierte Bauten, wie ein Clubhaus für den örtlichen Golfverein (mehr). Heute ist das alte Verseidag-Areal mit dem beinahe vollständig erhaltenen Werksgebäuden der „Mies van der Rohe Businesspark“.

 

Die Ausstellung "Anders Wohnen. Entwürfe für Haus Lange Haus Esters" wird bis zum 26. Januar 2020 gezeigt.
Haus Lange Haus Esters
Wilhelmshofallee 91-97
47800 Krefeld
Tel. 02151 / 97558 137
Öffnungszeiten
Haus Lange und Haus Esters
DI, DO – SO 11 – 17 Uhr
MI 15 – 21 Uhr

 

 

 

 

Die 
rheinische ART.
empfiehlt:

Mit GOOGLE ins Museum.


Das Google Arts & Culture Projekt zeigt Meisterwerke aus den Museen und Sammlungen dieser Welt.

► 
mehr

Und geht der Frage nach: Was ist Contemporary Art?

mehr