rheinische ART
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rheinische ART 08/2012

 

ARCHIV 2012

Summer 2012 - Part 2 in der Galerie Voss

 

 

Vom Spektakulären im Unspektakulären,

 

von Perücken und von Rittern

 

 

Im zweiten Teil ihrer Sommerausstellung präsentiert die Düsseldorfer Galerie Voss sechs internationale Künstler, die in Sujet und Technik unterschiedlicher nicht sein könnten, aber das Spektrum des Hauses im Bereich „Zeitgenössische Kunst – Neue Tendenzen“ außerordentlich aufzeigen. Künstler der Schau sind Masaharu Sato, Frank Bauer, Davide La Rocca, Mihoko Ogaki, Justin Richel und Frank Sämmer.

 

Masaharu Sato, Bind Drive, Malerei Video Still 2011

 

Ausgebildet in klassischer Ölmalerei, beschäftigt sich der japanische Künstler Masaharu Sato mit den digitalen Techniken. Als Grundlage seiner Malereien und Videos dienen Fotografien, die mittels eines sogenannten digitalen Stifts am Computer exakt nachgezeichnet werden. Die ursprüngliche Fotografie wird aus dem Hintergrund gelöscht, sodass nun nur noch das digital gezeichnete Bild existiert. Tatsächlich sind in der digitalen Malerei keinerlei Pinselstriche und andere bekannte malerischen Charakteristika zu erkennen. Damit wird eine klare Trennung von Fotografie und Malerei hinfällig, was in der Absicht des Künstlers liegt.

 

Frank Bauer, Spüle mit Austern, Öl auf Leinwand, 100 x 135 cm, 2012

Als Absolvent der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf und ehemaliger Meisterschüler von Gerhard Richter befasst sich Frank Bauer mit der fotorealistischen Malerei. Dabei verwertet Bauer keine vorgefertigten Bilder aus den Massenmedien, sondern vermittelt emotionale Alltagsmomente und -situationen und der Betrachter erfährt: das Spektakel liegt im Unspektakulären, im Kontrast der Schärfe zur Verwischung und die Faszination im Moment. Trotz der hyperrealistischen Technik steht nicht der optische Effekt im Vordergrund. Vielmehr verweist Frank Bauer auf seine eigene Existenz, ist Bestandteil einer Umgebung, bestehend aus Überfluss, Langeweile, Schnelllebigkeit, Sehnsüchten und Hoffnungen. Die von ihm eingefangenen Szenen werden weder verändert noch beschönigt. Tiefen- wie Unschärfe werden belassen, erreichen in den Gemälden substanzielle Dichte und Aussage.

 

Davide La Rocca, Irene, Öl auf Leinwand, 80 x 140 cm, 2011

Aktuell befassen sich die Malereien des italienischen Künstlers Davide La Rocca mit dem Science-Fiction-Film "GATTACA" von Andrew Niccol. Neben den bekannten Malereien des Künstlers, deren Grauschattierungen er vom Computer errechnen lässt und die er pixelartig in dicken Farbklecksen nebeneinander auf die Leinwand übertragt, zeigt er hier Arbeiten, die sich stark an dem Prinzip der Op Art orientieren. Diese Bilder sind konsequent Schwarz auf Weiß oder Weiß auf Schwarz gemalt und kombinieren abstrakte, optische Gemälde mit Portraits von Menschen in alltäglichen Situationen.

 

Mihoko Ogaki, Star Tales - Kois, pencil, water-colors on chalk panel, 60 x 84 cm, 2011

Im Gegensatz zum Werkzyklus "Vor dem Anfang - nach dem Ende", den die japanische Künstlerin Mihoko Ogaki Ende 2006 abgeschlossen hat, geht es in der neuen Serie mit dem Titel "Milky Ways" nicht um Geburt und Tod, sondern um das Leben und das lebende Individuum samt seiner Emotionen wie Trauer, Freude, Vergnügen oder auch der Eifersucht. Die Ausstellung zeigt einen Querschnitt des zeichnerischen Werkes der Künstlerin und eine Plastik. Sind in den Zeichnungen die menschlichen Figuren Bestandteil des Universums, so wird in den Plastiken wiederum das Universum auf den Körper projiziert. Die Kunststoffkugel im Schoß der Plastiken offenbart eine Zeichnung, die auf den Bauch der Figurinen gemalt ist. Ein Sternenhimmel auf irisierendem Hintergrund wird von der Kugel reflektiert und scheint aus der Figur herauszustrahlen. Nach der japanischen Auffassung ist die Seele, der Sitz der Emotionen, in der Bauchregion des Menschen zu finden.

 

Justin Richel, Fungos Among Us, Gouache auf Papier, 105 x 82 cm

Der Amerikaner Justin Richel zeigt neue Arbeiten aus seiner Big-Wigs-Serie. Pompöse Männer mit Perücken, die kippen, wabern und wogen: Diese Perücken sind wie ein Federkleid, das dazu dient, Eindruck zu machen und vielleicht sogar einzuschüchtern; ein Beweis von Macht und Reichtum, Statussymbol und Beispiel für unvergleichliches Konsumverhalten. Richel bedient sich der Symbolik der historischen Portraitkunst und spricht der Perücke die Rolle eines Indikators für den sozialen und politischen Status im frühen Amerika zu. Aber gleichzeitig verspottet und dekonstruiert er dieses Symbol. Wir sehen Männer und ihre Perücken, die von Bienen umschwärmt, von Vögeln als Nest genutzt oder sonst wie skulptural verformt werden. Mal sind sie um einen kunstvoll geschnitzten Stuhl gewunden, mal stehen sie lodernd in Flammen. Was auch immer mit den Perücken passiert, nie scheinen ihre Träger die Haltung zu verlieren, immer wirken sie unberührt angesichts der drohenden Gefahr. Es sind Männer, die mutwillig das ignorieren, was um sie herum geschieht und nur damit beschäftigt sind, Haltung und vielleicht sogar auch ihren Platz in der Geschichte zu bewahren.

 

Frank Sämmer, Lichtenstein, Öl auf Leinwand, 180 x 130 cm, 2010

Die neuen Malereien von Frank Sämmer befassen sich mit auf den ersten Blick wenig zeitgenössisch anmutenden Themen, wie - Rittern und Burgen. Es gibt in seinen Bildern durchaus eine barocke Pracht hinsichtlich Komposition, Ästhetik, Farb- und Formenreichtum. Aber von den alten Meistern unterscheidet er sich durch eine neue anverwandte Disziplin: im Disegno, dem zeichnerischen Umriss und durch eine unterkühlte Farbigkeit. Frank Sämmers Farben setzen sich bewusst vom "natürlichen" Farberlebnis ab, sie schaffen eine Distanz zur alltäglichen Erfahrung, die mit ästhetischem Erleben überbrückt werden muss. Es entsteht so auch ein eigener Charakter der Bilderwelt, die zu erforschen der Künstler den Betrachter einlädt. Geradezu aufrührerisch sind die von ihm gewählten Motive und deren Kombinationen. Farbe, Form und Intention generieren eine fast schon erschreckend faszinierende Bildwelt. Der Künstler rekonstruiert hier die damit verbundenen, heute zumeist hochidealisierten, romantisierenden Assoziations- und Emotionskomplexe.
bra

 

Die Ausstellung „Summer 2012 – Part 2“ ist bis zum 1. September 2012 zu sehen.
GALERIE VOSS
Mühlengasse 3
D-40213 Düsseldorf
Tel. 0211 / 13 49 82
Öffnungszeiten in der Sommerzeit
Di - Fr 13 - 18 Uhr
Sa geschlossen

 



© Fotos: die Künstler Frank Bauer - Davide La Rocca - Mihoko Ogaki - Justin Richel - Frank Sämmer - Masaharu Sato / Galerie Voss

 

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