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rheinische ART 12/2018

BAUHAUS-JAHR
"Ein Gott, eine Gemeinde, ein Raum"

 

Das 100-jährige Bauhaus-Jubiläum in 2019 ist ein bundesweites Kulturereignis mit internationaler Strahlkraft. Mit der Informationsreihe „bauhaus in deiner nähe“ zeigt das Land NRW, dass die Bauhaus-Idee auch auf die Region zwischen Rhein und Weser ausstrahlte. Markantes Beispiel: die moderne Kirchenarchitektur.

 

Die Kirche St. Engelbert in Köln-Riehl von Dominikus Böhm. Foto ©: J. Gregori, Fotoquelle LVR 2018

 

Auch wenn Kirchenarchitektur am profan ausgerichteten Dessauer Bauhaus selbst keine Rolle spielte, veränderten die dort entwickelten geometrische Formen und neuen Materialien in den 1920er Jahren den Kirchenbau nachhaltig.

     Traditionelle Gestaltungselemente wichen einer formal dynamischen und experimentierfreudigen Architektur. Gebäude-Zeugnisse in Anlehnung an die weltberühmte Bauhaus-Schule für Architektur und Design (mehr) finden sich im gesamten heutigen Bundesland Nordrhein-Westfalen.

 

Köln Der katholische Kirchenbaumeister Dominikus Böhm schuf mit der Kirche St. Engelbert in Köln-Riehl (1930-32) sein wahrscheinlich kühnstes Werk. Gemäß seiner Formel „Ein Gott, eine Gemeinde, ein Raum“ erdachte Böhm eine Kirche, deren Wände aus acht parabellförmigen Backsteinelementen bestanden. Sie bilden einen zeltartigen Überbau, der den Gemeinderaum hervorhebt. Im Volksmund wurde dieses Gebäude bald „Zitronenpresse“ genannt.

 

Die Nicolaikirche der Architekten Karl Pinno und Peter Grund in Dortmund. Foto © F. Baumgarten, Fotoquelle LVR 2018

 

Die Auferstehungskirche in Essen, eine expressionistische sternförmige Kirche in Stahlskelettbauweise aus Kruppstahl. Der Rundbau fasst rund 700 Personen. Foto Wikipedia

 

Johan Thorn Prikker Vierteiliges Ornamentfenster, um 1923, Glasmalerei, Antikglas, Blei, Schwarzlot, Metall; Schenkung Jan Thorn Prikker, Bonn, © Clemens Sels Museum Neuss Foto: Carsten Gliese, Köln

 

Dortmund Nur ein Jahr vorher entwarfen die Architekten Karl Pinno und Peter Grund die erste Kirche Deutschlands in Betonbauweise: die evangelische Nicolaikirche in Dortmund.

     Sie besteht aus Glas, Stahl und Beton und wurde als eine „moderne Kirche in der Großstadt“ im Stil des sogenannten „Neuen Bauens“ errichtet. Im Innenraum werden Licht und Transparenz zum vorherrschenden Gestaltungsprinzip. Zunächst stießen die Pläne auf Ablehnung bei der Kirchenleitung, letztendlich konnte sich die Gemeinde jedoch durchsetzen.


Essen Die evangelische Auferstehungskirche in Essen von Otto Bartning (gebaut 1929/30) griff die Forderungen der sogenannten Liturgischen Bewegung auf: Die Gemeinde sollte aktiv an der Messe teilnehmen, indem sie sich um den Altar herum gruppierte anstatt dem Gottesdienst frontal nur andächtig beizuwohnen.

     Beide christlichen Konfessionen setzten diese Idee in moderne und experimentierfreudige Architektur um. Wegen seines neuartigen kreisförmigen Grundrisses wurde das Essener Gebäude in der Bevölkerung ironisch „Zirkus“ oder „Tortenkirche“ genannt.

     Die Fenster der Auferstehungskirche stammen von Jan Thorn Prikker (mehr), dem Begründer der modernen Glasmalerei. Mehrere seiner großartigen modernen Kirchenfenster finden sich heute vor allem in der Dreikönigen-Kirche in Neuss. Barting selbst wurde in der Nachkriegszeit berühmt für seine evangelischen Notkirchen.


Neviges Für den Geist des Aufbruchs nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil steht exemplarisch der Nevigeser Wallfahrtsdom in Velbert. Erbaut zwischen 1966 und 1968 von Gottfried Böhm, dem Sohn von Dominikus Böhm, im Stile des Brutalismus, also dem roh belassen Sichtbeton, rückt die Gemeinde buchstäblich in den Altarraum hinein. Ein niedriges Podium ermöglicht die enge Kommunikation zwischen Gemeinde und Priester.

 

Innenraum von St. Fronleichnam in Aachen mit Kanzel und Orgel. Die „Werkgemeinschaft“ aus Lehrern und Schülern der Kunstgewerbeschule gestaltete das Innere. Foto © Norbert Schnitzler, Fotoquelle Wikipedia CCBY 3.0

 

Aachen Als ein Meilenstein in der Kirchenbaukunst gilt St. Fronleichnam in Aachen. Entworfen und gebaut 1929/1930 von Rudolf Schwarz. Das Innere des Gotteshauses wurde von Lehrern und Schülern der Aachener Kunstgewerbeschule gestaltet und nutzt im Sinne einer „Sakralen Moderne“ lediglich die Farben Schwarz und Weiß.

     Die Schule brachte, in Abgrenzung zum profanen Bauhaus, unter der Leitung von Rudolf Schwarz zwischen 1927 und 1934 insbesondere auf dem Gebiet der sakralen Kunst und Architektur herausragende Werke hervor. Die Kirche selbst gilt als bedeutendstes Gesamtkunstwerk der Aachener Schule.
rART


Ab dem 21. Juli 2019 wird im LVR-Freilichtmuseum Kommern eine wiederaufgebaute Notkirche aus Overath/Rheinisch Bergischer Kreis gezeigt, flankiert durch die Ausstellung „Otto Bartning (1883 –1959). Architekt einer sozialen Moderne“. Angesichts der Kriegszerstörungen und des Bedarfs an Seelsorge mussten nach 1945 schnell Kirchenräume errichtet werden. Bartnings Tragwerkkonstruktion aus Holz wurde in Serie produziert und den Gemeinden geliefert, diese wiederum bauten das Fundament und das Mauerwerk.


► Für Nordrhein-Westfalen hat das Ministerium für Kultur und Wissenschaft gemeinsam mit den Landschaftsverbänden Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL) die Projektkoordination für „100 jahre bauhaus im westen“ übernommen. Schirmherrin des Projekts ist Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen

 

► Weitere Infos unter www.bauhaus100-im-westen.de

 

 

 

 

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