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rheinische ART 02/2018

Archiv 2018

FOTOGRAFIE
Bürgerrechtler und Blumenkinder

 

Als zwei farbige US-Athleten bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko während der Siegerehrung ihre schwarzbehandschuhten Fäuste in die Luft reckten, wusste auch im letzten Winkel der Welt jeder: Amerika hat immer noch ein Problem. Und das hieß Rassendiskriminierung.

 

Black Power Pirkle Jones Kathleen Cleaver und Black Panthers (Befreit-Huey-Kundgebung, Bobby Hutton Memorial Park, Oakland, CA, 22.9.1968, aus: Black Panther), 1968–1969 Schenkung Pirkle Jones Foundation © Pirkle Jones Foundation

 

Tommie Smith und John Carlos hießen die beiden afroamerikanischen Sprinter, die so höchst öffentlichkeitswirksam für Menschenrechte und gegen Rassismus demonstrierten. Ob bewusst oder unbewusst: Genau 50 Jahre nach diesem denkwürdigen Vorgang zeigt das Kölner Museum Ludwig unter dem Titel „Black Power – Flower Power“ eine Fotoschau, die sich der Thematik Bürgerrechte, Black Power und Hippie-Bewegung in den Sechzigerjahren der Vereinigten Staaten widmet.

 

Flower Power Ruth-Marion Baruch “Jesus" verkauft das Oracle, Haight-Ashbury, aus: Haight Ashbury, 1967 Schenkung Pirkle Jones Foundation © Pirkle Jones Foundation

 

Black Power Ruth-Marion Baruch Ohne Titel (Stand der Black Panthers beim Black Festival, Marin City, CA, aus einem Foto-Essay über die Black Panthers), 1968 Schenkung Pirkle Jones Foundation © Pirkle Jones Foundation

 

Die Exponate, allesamt Schwarz-Weiß-Fotografien, stammen von dem Fotografenpaar Pirkle Jones und Ruth-Marion Baruch, die „mit Sympathie und beobachtender Distanz“, so die Kuratoren, die damals in San Francisco erlebbare Erprobung neuer Lebens- und Arbeitsformen unkonventioneller junger Leute dokumentierten.

     Die ausgestellten Zeitdokumente gingen 2013 im Rahmen einer aus 52 Fotografien bestehenden Schenkung der Pirkle Jones Foundation an das Museum Ludwig. Jetzt werden erstmals Baruch und Jones gemeinsam in einer Studioausstellung im Fotoraum des Museums präsentiert. Eine Spotify-Playlist ermöglicht den Besuchern ein individuelles audiovisuelles Erlebnis zum Einfinden in den damaligen Zeitgeist.


Es sind Fotozeugnisse
aus einer Zeit gesellschaftlichen Umbruchs, in der vor allem an der US-Westküste – namentlich in San Francisco – die verschiedenen Strömungen von Bürgerrechtsbewegung und Counter Culture auf besondere Weise verdichtet waren. Neben einem anarchischem Hedonismus und den agitativen Plakaten der Black Panther-Bewegung waren überall auch psychedelische Poster der Hippiekultur im Stadtbild zu finden.

 

Black Power Pirkle Jones Ohne Titel (Black-Panther-Demonstration, Alameda County Courthouse, Oakland, CA, während des Huey-Newton-Prozesses), 30. Juli 1968, Abzug 2010 Schenkung Pirkle Jones Foundation © Pirkle Jones Foundation

 

Die Politisierung und Radikalisierung nach der Ermordung des charismatischen Bürgerrechtlers Malcolm X 1964 hatte ein Jahr später gewaltige Rassenunruhen zu Folge.

     Ihr Zentrum war der Stadtteil Watts von Los Angeles. In dem Viertel, das fast ausschließlich von Afroamerikanern bewohnt war, führte die Niederschlagung des sogenannten Watts-Aufruhrs durch die US-Nationalgarde zu über 30 Toten und tausend Verletzten.

 

Die Fotografen Die gebürtige Berlinerin Ruth-Marion Baruch (1922–1997), die 1927 mit ihrer Familie nach New York emigriert war, und der Fotojournalist Pirkle Jones (1914–2009) lernten sich 1946 an der California School of Fine Arts kennen. Drei Jahre später heirateten sie. Nach einem anfänglichen Studium der Anglistik und des Journalismus gelangte Baruch schließlich zur Fotografie.

     Jones wiederum war in seiner Heimat Louisiana und in anderen Bundesstaaten früh Zeuge von Gewalt und Rassismus geworden. So verband beide ein geschärftes gesellschaftliches Bewusstsein, was in ihren Arbeiten sichtbar wird, wie es im Museum Ludwig heißt.

 

Flower Power Pirkle Jones Trampende Mutter mit Kind, #75, Gate Five, Sausalito, CA, 1971, aus: Gate Five, 1969–1971), 1971 Schenkung Pirkle Jones Foundation © Pirkle Jones Foundation

 

Für die Blumenkinder-Bewegung, deren Gegenkultur sich vor ihrer Haustür formierte, brachte das kreative Fotografenpaar großes Interesse auf: Baruch besuchte im Jahr 1967 immer wieder den Stadtteil Haight-Ashbury in San Francisco, Ursprung und Hochburg der alternativen Flower Power-Szene.

     Das Programm der Hippies konnte dort seinerzeit an jeder Straßenecke fotografiert werden: Freie Liebe und Drogenkonsum, friedliches und blumenreiches Leben in der Gemeinschaft und die Selbstverwirklichung des Individuums abseits vom Leistungsdruck der kapitalistischen Gesellschaft.

     Jones interessierte sich für die Hausboot-Community Gate Five in Sausalito, eine Kommune von männlichen und weiblichen Freigeistern, Künstlern und Aussteigern, die er über mehr als zwei Jahre konstant begleitete.

 

Flower Power Pirkle Jones Wayne mit seinem Papagei (Normal-Norman Carlin, Michael Scott in der Mitte und unbekanntem Mann rechts, #10, Gate Five, Sausalito, CA, aus: Gate Five, 1969–1971), 1970 Schenkung Pirkle Jones Foundation © Pirkle Jones Foundation

 

Es war Baruchs Anliegen, nach diesen Projekten auch die Black Panther Party abzulichten, die sich von der gewaltfreien Bürgerrechtsbewegung Martin Luther Kings abgrenzte. Obwohl seit 1964 die Rassentrennung offiziell abgeschafft worden war, sah die Realität anders aus. Durch Vermittlung der Insiderin Kathleen Cleaver konnten die beiden Fotografen im inneren Zirkel der Black Panther-Bewegung die Entwicklungen dokumentieren und einen Foto-Essay erstellen, der 1970 veröffentlicht wurde.

     Mit ihrem Zehn-Punkte-Programm kämpften die Black Panther weiterhin gegen gesellschaftliche Unterdrückung und Ausbeutung. Sie forderten gleichberechtigten Zugang zu Bildung, Arbeit und menschwürdigem Wohnen, faire Gerichtsprozesse und das Ende der willkürlichen Polizeigewalt.

     Die Presse zeichnete von der Bewegung ein stark negatives Bild. Mit dem Ziel, dieser eindimensionalen Sicht entgegenzuwirken, hatte Baruch die Fotoreihe geplant, die schließlich als Kooperationsarbeit mit Pirkle Jones entstand.
cpw


Die Schau „Black Power - Flower Power: Fotografien von Pirkle Jones und Ruth-Marion Baruch“ wird bis zum 3. Juni 2018 gezeigt.

Museum Ludwig
Heinrich-Böll-Platz
50667 Köln
Telefon 0221 / 221-26165
Öffnungszeiten:
DI – SO 10 – 18 Uhr
jeden ersten DO 10 – 22 Uhr

 

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