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rheinische ART 05/2022

GALERIE PHILIA
Design und Architektur: Corbus Erbe


Sie ist eine Ikone der Baukunst und wird 70 Jahre alt: Le Corbusiers Wohneinheit „Unité d`Habitation“ in Marseille, auch bekannt als die „Strahlende Stadt“ (La Cité Radieuse).

 

Blick in großzügige Zugangsflure innerhalb der Cité Radieuse in Marseille. Seit 2016 ist die Wohnanlage Weltkulturerbe. Fotoquelle © Galerie Philia / Reiber PR International Arts Communications London 2022

 

Im Herbst 1952 wurde das Gebäude eingeweiht. Und es musste im Laufe der Jahre alles Mögliche über sich ergehen lassen. Es wurde als Meisterwerk eines Weltarchitekten gefeiert und als schnöder, kalter Betonbau verteufelt, als real gewordene Zukunftsvision gelobt und dennoch als Horror-Szenario einer neuzeitlichen Wohnungsmaschine (Machine à Habiter) abgetan.

 

Die farbige Fassade gleicht einem modernen Kunstwerk. Corbusiers Grundgedanke war, auf kleinster Fläche eine kollektive Wohnanlage für eine größere Anzahl von Menschen zu schaffen und gleichzeitig grüne Freiräume zu belassen. Foto © FLC/ADAGP P. Koslowski, Francis Tellier.

 

La Cité Radieuse ist heute als Denkmal klassifiziert und im Juli 2016 zusammen mit weiteren Werken von Le Corbusier in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen worden.

     Zum 70. Jahrestag der Einweihung hat die Galerie Philia eine Designer- und Kunstschau mit dem Titel Héritage (Erbe) an dem prominenten Ort aufgelegt. Sie erstreckt sich über zwei benachbarte Räume in einer der Wohnungen und baut auf dem Modulor-Proportionssystem von Corbusier und auf den Konzepten von „Resonanzen“ und „Dissonanzen“ auf (mehr).

 

Die Ausstellung, so die Veranstalter, soll eine kreative visuelle Antwort auf die modernistischen Theorien von Corbusier bieten, die gleichzeitig in Frage gestellt, gebilligt und kritisiert wurden – daher die Ideen von Resonanz und Dissonanz. Es ist eine Reflektion der Corbusier-Einflüsse auf zeitgenössisches Design und bildende Künste.

Beispiel für von Corbusier inspiriertes Möbeldesign in einer Philia-Exposition andernorts: Bronzetisch und Gefäße von Rick Owens; Onyxsockel von Pietro Franceschini. Foto © Galerie Philia

 

Raum 1 („Resonanzen“) ist aktuellem Möbeldesign als Fortsetzung von Corbusiers historischem Erbe gewidmet. Highlights sind unter anderem eine Vase von Rick Owens, die sich an Corbusiers Formensprache orientiert, ein Sessel von Pietro Franceschini und ein skulpturales Stahl-Sofa von Arno Declerq, einem Material somit, das Corbusier oft verwendete.

     Drei Kunstwerke, die den Stil von Corbusier spiegeln und seine Theorie der Harmonie der Formen verdeutlicht, vervollständigen die Schau. Dazu gehören Werke von Edgar Sarin und Mateo Revillo sowie der Originalstich „Le Chevalier“ (1948) von Pablo Picasso.

Raum 2 („Dissonanzen“) dient der Ausstellung skulpturaler und visueller Arbeiten, die Corbusiers Theorien zur Standardisierung und Regularität kritisch reflektieren. Darunter Arbeiten von Jojo Corväiá, Roxane Lahidji, Jérôme Pereira und Niclas Wolf.

 

Cité Radieuse in Marseille. Trotz des Alters von 70 Jahren schätzen die Bewohner das infrastrukturelle Angebot und die ansprechende planmäßige Gestaltung der Wohnräume. Foto © FLC Paris

 

Le Corbusier am 26. September 1964 im Stedelijk Museum Amsterdam © Creative Commons CCO 1.0 Universal Public Domain Dedication/ gemeinfrei.

 

Gleichzeitig bietet sich für Besucher die Chance, die mittlerweile legendäre „Wohneinheit“ zu besuchen. Planungen und Baubeginn erfolgten in den Vierzigerjahren, kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

     Der gebürtige Schweizer Universalkünstler versah das Betongebäude mit farblichen Akzenten, die damals höchst innovativ waren und als „ultramodern“ galten (mehr). Er integrierte bereits eine Schule, ein Schwimmbad, Geschäftezeilen und ein Kunstzentrum. Ausgelegt wurde La Cité Radieuse für 1600 Bewohner und damit quasi als eigenes Dorf in der Millionenmetropole Marseille.

     Der Baukörper ist bis heute imposant: Er misst 165 Meter in der Länge, 24 Meter in der Breite und ist 56 Meter hoch. Er erinnere an ein „festgemachtes Kreuzfahrtschiff“, wie immer wieder betont wird. Denn wie auf einem Passagierschiff sind in den einzelnen Stockwerken unterschiedliche Funktionen untergebracht. Die Wohneinheit wurde zum Vorbild für mehrere ähnliche Bauten, die Corbusier etwa in Berlin und Rennes realisierte.

 

Die bis heute überaus begehrten und familienfreundlichen Wohnungen zeichnen sich durch eine Fülle an seinerzeit als unerhört empfundene „komfortable“ Details im Innendesign aus.

     Alle Wohnungen bestehen aus zwei Ebenen, sind lichtdurchflutet und optimal belüftet, mit Zentralheizung und fließendem warmem Wasser ausgestattet, haben ein Extrabad für Kinder sowie nebeneinanderliegende Kinderzimmer und eingebaute Wandschränke.
rART/ cpw

 

Die Galerie Philia ist eine internationale Galerie für zeitgenössisches skulpturales Design und Kunst, die aufstrebende und etablierte Designer und Künstler vertritt. Sie hat eine starke internationale Präsenz mit Galerien in Genf, New York und Singapur. Ergänzend zu permanenten Räumen organisiert Philia auch temporäre Gruppenausstellungen weltweit, wie zum Beispiel die aktuelle Héritage-Schau in Marseille .

 

Die Ausstellung Héritage Unité d´Habitation cité Radieuse / Le Corbusier wird vom 7. Mai bis zum 2. Juli 2022 gezeigt.
Unité d`habitation /„La Cité Radieuse“.
280 Boulevard Michelet
13008 Marseille
Anfahrt:
Bus-Linien 21,22, 521, 22S

ab Gare Saint-Charles bis zur Haltestelle "Le Corbusier" im 6-Minuten-Takt, Fahrzeit ca. 20 Min.

 

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