rheinische ART
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rheinische ART 08/2022

JUBILÄUM
Villa Kunterbunt

 

Die gemeinnützige Stiftung Peter und Irene Ludwig feiert ihr 25-jähriges Bestehen. Dafür wurde das Haus des berühmten Sammlerpaares in ein grelles, bonbonfarbiges Zauberwerk verwandelt. Mutig und überraschend!

 

Das Haus Ludwig, eine solide kleine Villa aus dem Jahr 1953, als Gesamtkunstwerk: Projekt „Vor Ort“ von Andreas Schmitten, 2022, Aachen, Foto: Carl Brunn. © Andreas Schmitten und Peter und Irene Ludwig Stiftung. 

 

Es ist der Stiftungssitz in Aachen, der anlässlich des Geburtstages so hergerichtet wurde, dass mancher Betrachter schlucken muss. Die künstlerische Intervention, denn eine solche ist sie, umfasst unter dem Titel „Vor Ort“ die gesamte Außenfassade der Villa inklusive diverse skulpturale Elemente und verwandelt das Gebäude damit in ein Gesamtkunstwerk. Der Schöpfer ist der Künstler Andreas Schmitten.


Die geschäftsführende Vorständin der Stiftung, Carla Cugini, erklärte zu dem Projekt: „Als wir Andreas Schmitten eingeladen haben, sich mit unserem Stiftungssitz auseinanderzusetzen, haben wir ihm quasi eine „carte blanche“ gegeben. Wir waren dann wirklich überrascht von Schmittens Vorschlag, der uns sofort überzeugte, aber – um ehrlich zu sein – auch ein bisschen Mut gekostet hat. Von seinem Projekt geht eine echte Signalwirkung aus, den Stiftungssitz verstärkt als Ort zu betrachten, von dem Impulse für die Auseinandersetzung mit Kunst gesendet werden. Darüber sind wir sehr glücklich.“

     Der 42-jährige Bildhauer Schmitten ist für seine unkonventionellen Eingriffe in der Kunstwelt bekannt. 2013 hatte er im Auftrag der Kunstsammlung NRW den Cocktailbar-Bereich – Chapeau! – und den Vortragsraum im Düsseldorfer Schmela-Haus (mehr) in der Mutter-Ey-Straße gekonnt und funktionsfähig neugestaltet und mit den für ihn charakteristischen Mitteln eine „Atmosphäre der Verdichtung und der geleiteten Aufmerksamkeit“ geschaffen, wie es heißt.

 

Das Haus Ludwig, Eingangsbereich, als Gesamtkunstwerk: Projekt „Vor Ort“ von Andreas Schmitten, 2022, Aachen, Foto: Carl Brunn. © Andreas Schmitten und Peter und Irene Ludwig Stiftung. 


Um geleitete Aufmerksamkeit handelt es sich in Aachen auch. Und interpretieren kann jedermann in das poppige Haus, was er will. Das HANDELBLATT fragte in einem Artikel, ist das ein „Puppenhaus oder Bordell“? Die Frankfurter Allgemeine stand nicht nach und titelte „Die Schoko-Villa wird zur Barbie-Bude“. Wie auch immer: Alles passt zu den eigenwilligen, alles sammelnden ehemaligen Aachener Schokoladenfabrikanten und ihrem kolossalen, breit angelegten Kunstbestand.

 

Peter und Irene Ludwig haben die Welt der Kunst verändert. Das Ehepaar als Wachsfiguren 1975 im Mumok - Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien. Foto: Jean Olivier Hucleux/VBK Wien. Bildquelle © Peter und Irene Ludwig Stiftung. Aachen

 

Ihre Sammlung von mehr als 14.000 Objekten haben die Ludwigs seit den 1950er Jahren aufgebaut. Sie ist heute auf 26 öffentliche Museen in drei Kontinenten verteilt. Zwölf Institutionen tragen den Namen Ludwig und wurden mit großzügigen Schenkungen bedacht.

     Die Perspektive auf Kunst als einzigartiges menschliches Ausdrucksprinzip, das Nationengrenzen überwindet und weltoffen operiert, wie die Stiftung erklärt, motivierte das Sammlerpaar und bestimmt die Tätigkeit der Peter und Irene Ludwig Stiftung bis heute.

 

Nun zum Künstler Andreas Schmitten. Seine multidisziplinären Kunstwerke bewegen sich zwischen Zeichnung, Skulptur und Installation. Sie beziehen Techniken der Attraktion aus Religion, Theater und Warenwelt mit ein, wie in Aachen betont wird.

     Schmitten beschäftige sich mit Fragen über den Menschen, mit seiner Geschichte, den scheinbar profanen, funktionalen Objekten, die der Mensch schafft und den kulturellen Strukturen, die sich aus seinem Handeln ergeben.

 

Portrait Andreas Schmitten (*1980) Foto © Andreas Schmitten

 

Einzelausstellung hatte der gebürtige Mönchengladbacher im Kunstpalais Erlangen, im Museum Kurhaus Kleve, in der Kunsthalle Bremerhaven sowie in Gruppenausstellungen in Paris, New York, London, Brüssel, Tokio und Los Angeles.

     Seine Werke sind in mehreren öffentlichen Sammlungen vertreten. Andreas Schmitten schloss sein Studium der Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf 2012 ab und wurde mehrfach ausgezeichnet.

     Dass er sich als Einzelkind in häuslichen Modellbauten und -landschaften verlor und sie in seinem Zimmer, in der Küche, im Schulkeller und sonst wo zusammenbastelte, mag einiges erklären. Die Faszination des Modellbauens sei ihm nie abhandengekommen, wird er zitiert. Und Besuche im Museum Abteiberg in seiner Heimatstadt taten ein Übriges: „Das war sehr prägend – wie ein Spielplatz“, betonte er in einem Interview. Heute sind es eben traumhafte oder albtraumhafte Inszenierungen in Museen und Galerien, und nunmehr temporär auch in der vor fast 70 Jahren gebauten Ludwig-Villa.


Nun ist es hinlänglich bekannt, dass Kunst individuell und einzigartig ist und die Deutung im Auge des Betrachters liegt. Daher kann der Besucher, so er denn Zutritt zu der Aachener Villa erhält, vor dieser Installation Schmittens stehen, sie auf Ästhetik oder Assoziationen hin durchdenken und dann zu sich selbst sagen: „Ja, das ist auch ein Gesamtkunstwerk!“
rART/K2M


Die pink leuchtende Villa soll schrittweise für das staunende Publikum geöffnet werden. Aktuell sind Besichtigungen nur auf Anfrage möglich.


Peter und Irene Ludwig Stiftung
Eupener Strasse 281
52076 Aachen
Tel +49 241 / 89498-0

 


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