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rheinische ART 10/2022

RÜCKBLICK
Kölns goldene Achtziger


…oder „Immer feste druff…“ so titelt eine Ausstellung über die Kunstszene in der Domstadt vor der Wende. Zu sehen im Haus Mödrath anhand einer rheinischen Privatsammlung.

 

Installationsansicht aus dem Raum ISA GENZKEN © Isa Genzken, VG Bild-Kunst, Bonn 2022. Bildquelle © Haus Mödrath

 

Köln vor der Wende? Was war da los? Eine Menge! Man muss fast vier Jahrzehnte zurückblicken, um sich der Bedeutung Kölns als aktiven und inspirierenden Hort einer Kunstszene ins Bewusstsein zu rufen.

     1986 öffnete das Kölner Museum Ludwig, zudem befand sich am Josef-Haubrich-Hof seinerzeit die Kunsthalle und die Buchhandlung von Walther König wurde zur Anlaufstation für den gesamten Kunstbetrieb.

  

Plakat zur Ausstellung Bildquelle © Haus Mödrath

 

Köln fand dadurch eine breite Aufmerksamkeit in der internationalen Kunstwelt. Als drei Jahre später die Mauer fiel und am 20. Juni 1991 schließlich in Bonn der Deutsche Bundestag mit dem „Hauptstadtbeschluss“ seinen Sitz vom Rhein an die Spree verlegte, hatte dies auch beträchtliche Auswirkungen auf die Kunstmetropole Köln.

     Analog zu der Erkenntnis des damaligen Präsidenten der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“, beeilten sich zahlreiche Kölner Galerien und Künstler, ihren Standort ebenfalls in die neue Hauptstadt zu verlegen. Und 1998 hatte sich Berlin mit seiner Biennale als neues Kraftzentrum für Kunst im wiedervereinten Deutschland etablierte.

     Mit der Ausstellung „Immer feste druff“ im Haus Mödrath wird das Porträt einer umfangreichen rheinischen Privatsammlung präsentiert, die seit Mitte der 1980er Jahre entstanden war. Mit dem Namen „Slg. Wilhelm Otto Nachf.“ erinnert der Kölner Unternehmer, der als Sammler ungenannt bleiben möchte, an seine beiden Großväter Wilhelm und Otto.

 
Das Interessante
an dieser Kunstkollektion: Sie ist bestückt mit Werken von heute so renommierten Kreativen wie Isa Genzken, Marcel Odenbach, Rosemarie Trockel, um nur wenige auf der großen Liste zu nennen. Es sind durchweg Arbeiten von Künstlern, die in den 1960er und 1970er Jahren geboren wurden und ein Vierteljahrhundert später am Beginn ihrer zum Teil internationalen Karrieren standen, und die begannen in Köln.

 

THOMAS ZIPP World health. Mental health, 2008 und Ilsatin, 2009 © Thomas Zipp. Bildquelle © Haus Mödrath


„Immer feste druff“, so das Haus Mödrath, hätte ein gutes Leitmotiv für das Köln der 80er- und 90er-Jahre sein können. Denn in der damaligen gesamten Kölner Kunstszene, in zahllosen Ausstellungen, in den vielen jungen Galerien, den Abenden im Café Central und in den ausgelassenen Nächten in der Bar  Sixpack oder dem Nachtclub Roxy, ließ man es krachen.

     Wie es in jener Zeit und bereits Jahre zuvor zuging, ist mit Namen verbunden wie Mary Bauermeister, bekannt als die Grande Dame des Fluxus (mehr), Dorothy Iannone mit ihrer Erosmalerei (mehr), aber auch bekannteren Figuren wie etwa Josef Beuys und Nam June Paik (mehr)

     Ergänzt wird die Ausstellung um Künstler und Kunstwerke, die sich diesem Kölner Zeitabschnitt unmittelbar anschlossen und einen wichtigen Schwerpunkt der heutigen Sammlung bilden. Dazu zählen Kai Althoff, John Bock, Gregor Schneider und Thomas Zipp. Über die Jahre formte sich in der Kollektion „Slg. Wilhelm Otto Nachf.“ bis heute ein subjektiver Abdruck der damaligen Kölner Kunstlandschaft, welche nun erstmalig in dieser Form zu sehen ist, wie das Haus Mödrath betont.

     Die Ablösung Kölns als Kunstmetropole zugunsten Berlins und die Verlagerungen von Galerien und Künstlern spiegeln sich auch in der Sammlung „Slg.Wilhelm Otto Nachf.“ Die ausgestellten Werke umfassen neben Malerei, Skulptur, Zeichnung auch Installationen.

 

Gartenansicht Herrenhauses Mödrath mit Ausstellungsräumen für Kunst Foto © Sollich Architekten Berlin 2017

 

Das ausstellende Haus weist darauf hin, dass im Kölnischen Kunstverein seinerzeit unvergessliche Einzelpräsentationen stattgefunden hatten.

     Darunter mit Anna und Bernhard Blume (Trautes Heim. Fotos aus dem wirklichen Leben), Georg Herold (Geld spielt keine Rolle) oder Martin Kippenberger (Heavy Burschi), sowie weitere unter Udo Kittelmann wie Antony Gormley (Total Strangers), Carsten Höller (GLÜCK) und Thomas Grünfeld gemeinsam mit Rei Kawakubo (Déformation Professionelle).

     Zu einer Art Volksfest avancierte 1991 die Eröffnung von Jeff Koons „Made in Heaven“, dass zu großer internationaler Resonanz führte. Insgesamt stellt die Schau einen Querschnitt der Sammlung dar, die nicht nur an die Kölner Szene erinnert, sondern den Besucher auch in die Folgejahre in Berlin führt.
rART/ruwoi

 

► KÜNSTLERLISTE: Albert Oehlen, Andreas Schulze, Anna und Bernhard Blume, Antony Gormley, Blalla W. Hallmann, Christopher Wool, Fischli/Weiss, Georg Herold, Gregor Schneider, Günther Förg, Hiroshi Sugimoto, Isa Genzken, Jochen Lempert, John Bock, Jürgen Klauke, Kai Althoff, Katharina Sieverding, Marcel Odenbach, Peter Duka, Rob Scholte, Roman Signer, Rosemarie Trockel, Siegfried Anzinger, Sigmar Polke, Thomas Zipp, Walter Dahn


Die Ausstellung „Immer feste druff“ mit Werken der 80/90er Jahre aus der „Slg. Wilhelm Otto Nachf.“ wird bis zum 19. März 2023 gezeigt.
Haus Mödrath
Räume für Kunst
An Burg Mödrath 1
50171 Kerpen
Tel. 02237 / 6036428
Öffnungszeiten
SA + SO sowie an ausgewählten Feiertagen
12 – 18 Uhr

 

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