rheinische ART
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rheinische ART 11/2022

GELESEN: IRAN
The hidden beauty

 

Angesicht der Unruhen, die sich längst in ganz Iran ausgebreitet und die gesamte Gesellschaft erfasst haben, fragen sich viele: Ist dieses farbenfrohe Land, das alte Persien, mit seinem Charme aus 1001 Nacht, nur noch ein düsterer Schurkenstaat?

 

Teheran Der Freiheitsturm (Borj-e Azadi) zu Beginn eines Sandsturms (ehemals Shahyad, Denkmal des Schahs). Foto © Berger, Mehran. Edition Bildperlen 2022

 

Die Islamische Republik Iran, deren Bevölkerung eine weltoffene Hochkultur geprägt hat und traditionell mit ihrer herzerwärmenden Gastfreundschaft jeden Fremden empfängt, steht vor einem Umbruch. Mutige Frauen führen den Aufstand an und protestieren gegen den religiösen Fundamentalismus.

     Das hat Auswirkungen bis in die Kunstszene. Denn Kulturaustausche mit Künstlern, Kreativen und Intellektuellen, die über Jahre funktionierten, müssen aufgrund der angespannten Lage abgesagt werden. Davon sind auch deutsch-iranische Veranstaltungen mit rheinischen Kunstvertretern betroffen.

 

Isfahan Picknick an der Sio-se Pol (Dreiunddreissig-Bögen-Brücke). Foto © Berger, Mehran. Edition Bildperlen 2022


Wie also ist der Iran wirklich? Auf der Suche nach Antworten reisten der Kölner Fotograf Thorge Berger und sein iranischer Freund Mehran Khadem-Awal 4000 Kilometer durch das Land.
     Sie besuchten bekannte und geschichtsträchtige Städte wie Isfahan, Persepolis und Shiraz und nationale Erbestätten wie die Caravansarai Shah Abbasi in Bisotun. Es zog sie auch in abgelegene Bergdörfer im kurdisch geprägten Norden. Sie durchquerten die Wüsten Kavir und Lut, die zu den heißesten und trockensten Plätzen der Erde gerechnet werden.

     Und sie berichten von der Insel Qeshm an der Straße von Hormus, wo weitab „vom strengen Auge eines Regimes“ magische Nächte mit Tanz und Musik das Eiland zu einem beliebten Ausflugsziel machen.

 

Buchcover Bilder aus dem Iran. Zwei Freunde. Zwei Kulturen. Eine Entdeckung, Foto © Edition Bildperlen 2022

 

Verarbeitet haben sie ihre Erlebnisse und Erfahrungen in einer großartigen Publikation mit dem Titel „Bilder aus dem Iran“. Der jetzt erschienene, über 200 Seiten starke Band ist weit mehr als ein Fotobuch, wie der Titel suggerieren könnte.

     „Bilder aus dem Iran“ ist ein streckenweise amüsanter, stets interessanter, facettenreicher und spannender Querschnitt von Fotografien, Erlebnissen und Eindrücken über dieses widersprüchliche wie faszinierende Land.

     Es ist eine Art moderne Landeskunde. Berger/ Mehran stellen in einer knappen Übersicht den Iran in seiner historischen Entwicklung dar, vom Altertum um 4100 v.Chr. über die vorislamische Zeit bis in die Neuzeit mit der Qajaren-Dynastie, dem Sturz des Schahs 1979 und der beginnenden Islamischen Revolution unter der Herrschaft von Khomeini und den Revolutionsgarden.

 

Wüste Lut Autor Mehran in der Wüste Lut. Foto © Berger, Mehran. Edition Bildperlen 2022


Das Autorenduo zeigt und berichtet über die „endlose Stadt“ Teheran, die dortigen letzten Spuren der Monarchie und über die urbane Wandlung der 10-Millionen-Metropole zu einem „modernen Hotspot für Entrepreneure“. Es sind die kurzweiligen Augenzeugenberichte sowie die informativen „Exkurse“ über ökonomische, kulturelle wie gesellschaftliche Einflüsse, Einwicklungen und Tendenzen, die den besonderen Reiz dieses mit brillanten Fotografien ausgestatteten Werkes ausmachen.

 

Isfahan: Eine Stadt wie ein Kunstwerk.Traditionelles Restaurant im Bazar. Foto © Berger, Mehran. Edition Bildperlen 2022

 

Und Shiraz, die Stadt der Blumen, Poeten und Genießer? Man könne in Iran durchaus den Eindruck gewinnen, das Wohlbefinden der Menschen hinge „hauptsächlich von gutem Essen in großen Mengen ab“, wie Autor Mehran erklärt.

     Aber in Shiraz legte man mindestens ebenso viel Wert auf geistige Nahrung. Immerhin kommen zwei große iranische Dichter und Denker aus der Stadt: der Mystiker Da Saadi (1210–1292) und der weltbekannte Philosoph Hafez (1325–1390). Dessen Dichtung hatte schon Goethe zu seinem "West-Östlichen Divan" inspiriert. Der Deutsche war jedoch nie in dieser Stadt, in der ein Tag „mehr als 24 Stunden zu haben scheint“. Er wäre aber gerne dem Rufe seines Inspirators gefolgt. Der schrieb damals:


„Komm nach Shiraz!
Des heiligen Geistes Gaben

Sind bei den Söhnen
Dieser Stadt zu haben.
Hier lockt dich aller Zauber
Irdischen Lebens,
und ihm zu widersteh
suchst du vergebens.“

 

Wer dem Zauber dieses Landes bislang wenig abgewinnen konnte, dem könnte es nach der Lektüre des Buches anders ergehen.
rART/cpw


Das Autorenduo:


► Thorge Berger (*1966) ist Fotograf und unter anderem mit seiner Reisefotografie bekannt geworden. Zahlreiche Fotos von ihm wurden ausgezeichnet, in Ausstellungen gezeigt und in namhaften Magazinen publiziert. Als Autor schreibt Berger über Fotografie und Reisethemen.


► Mehran Khadem-Awal (*1970) verbrachte seine Kindheit in Teheran und arbeitet in der IT-Branche in Frankfurt/ Main. Er organisiert Fotoreisen in sein Geburtsland und fotografiert. Sein publizistisches Ziel ist, anderen Menschen sein Land zu zeigen und zu verdeutlichen, dass „der Iran … mehr zu bieten hat als nur düstere Nachrichten“.


Literaturhinweis Thorge Berger, Mehran Khadem-Awal: Bilder aus dem Iran. Zwei Freunde. Zwei Kulturen. Eine Entdeckung. 208 Seiten, Hardcover. Edition Bildperlen, Münster. 1. Auflage 2022. ISBN 978-3-96546-012-6. Preis 40 EUR

 


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