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rheinische ART 11/2022

FOTOGRAFIE
Vogel, Walter *1932


Er gehört zu den bedeutendsten Vertretern der klassischen Bildreportage in Deutschland. Jetzt feiert der gebürtige Düsseldorfer, der unter anderem als „Fotograf von Pina und Beuys“ zu Ruhm kam, seinen 90. Geburtstag.

 

Walter Vogel Zeitungsstand in Genua 2013 Foto © Walter Vogel Düsseldorf

 

Seine Heimatstadt richtet dem Jubilar derzeit im Stadtmuseum eine Exposition aus, die eine Werkgruppe von Vogel zeigt, die dem Publikum weniger vertraut sein dürfte als seine früheren Arbeiten, so die Ausstellungsmacher.

 

Walter Vogel bei der Preisverleihung 2012 Foto © rheinische ART 

 

In der Schau „Walter Vogel – fotografische Objekte“ werden jene Bildwerke von ihm präsentiert, die in den letzten Jahren entstanden und von „ungebrochener Kreativität und Offenheit für Neues“ zeugen.

     Vogel arbeitet auch in hohem Alter weiterhin fotobasiert, erweitert sein Werk um Bildmontagen und in die Dritte Dimension. Immer wieder, so heißt es, scheine sein Humor durch. Etwa bei einem Vergleich eines Kircheninnenraums mit einer U-Bahnröhre, oder wenn er den schiefen Turm von Pisa einmal, fotografisch, geraderückt.


Walter Vogel lebt und arbeitet seit 20 Jahren wieder fest in der Landeshauptstadt. Die Düsseldorfer Künstlerschaft hatte ihn 2012 mit dem Kunstpreis der Großen Kunstausstellung NRW Düsseldorf geehrt und damit ihre Anerkennung für das eindrucksvolle Lebenswerk des Fotografen ausgedrückt.
     Ein Blick zurück zeigt die ungewöhnliche Karriere dieses brillanten Lichtbildners.

 

Walter Vogel Paris 1975 Foto © Walter Vogel Düsseldorf

 

Als gelernter Maschinenschlosser und studierter Ingenieur kam Vogel erst spät zur Fotografie. Er wurde mit seinem technischen Wissen und seinem Blick für industrielle Details und Fertigungsprozesse bereits in frühen Jahren zu einen begehrten Industrie- und Werbefotografen mit Starkult-Charakter.

     1964 erhielt er den renommierten World Press Photo Award. Die Medien und die Werbewirtschaft waren in jenen Jahren seine Auftraggeber für großartige Kampagnen.

     Jahrelang fotografierte er dann weltweit als Bildjournalist für diverse Magazine wie etwa dem des Hamburger ZEIT-Verlags. Seine Aufträge dauerten immer so lange, wie er wollte – oder die anderen ihn wollten, wie er einmal formulierte.

 

Buchcover Walter Vogel Pina, Bildquelle © Bergischer Verlag Remscheid

 

Ab 1963 war Vogel Schüler in der Fotoklasse von Otto Steinert und Absolvent der Essener Folkwangschule. Und genau dort lernte er die später weltberühmte Tänzerin Pina Bausch kennen, die ihm menschlich verbunden auch gestattete, sie in Portraitserien abzulichten.

     Vogel erinnerte sich einmal an die erste Begegnung mit ihr 1965: „Als mir Pina das erst Mal auf dem Schulhof begegnete und ich ihr verstohlene Blicke nachwarf, war sie wie stets in Gedanken versunken. Ihre Erscheinung passte so gar nicht in das übliche Bild der Schar von Studentinnen.“

     Vogels Fotografien trugen zum legendären Ruf der Tänzerin bei und ließen den Schöpfer der Bildserien in die damalige Kunstszene der Düsseldorfer Altstadt eintauchen. Es folgten Portraits von Künstlern aus dem Dunstkreis der Düsseldorfer Galerie Schmela, wie etwa Otto Piene und Daniel Spoerri, wie auch des späteren Kunstidols Joseph Beuys.

 

Walter Vogel Cover Italienische Caffè-Bars. Immerwährender Monumentalkalender, 2008 Bildquelle © Ars Vivendi Verlag GmbH

 

Legendär sind ferner Vogels bestechende schwarz-weiße  Dokumentarfotografien der europäischen Kaffeehausszene, insbesondere der italienischen Barlandschaften mit ihren Caffè all´italiana (mehr). Sie wurden in mehreren opulenten Bildbänden publiziert. 

     Wie kein anderer Fotograf hielt er zwischen Como und Neapel das Caffè-Leben fest, dass diese Orte als Zufluchtsstätten der Besinnung und der Sehnsucht, des Rückzugs und der lauten Geschäftigkeit zeigen. Übrigens: Eine verführerisch duftende Tasse Espresso servierte der Meisterfotograf stets, wenn man ihn besuchte. Das hat bei ihm Tradition!
     Auf zahlreichen Europareisen wurde er ferner zum fotografischen Chronisten über die Zerstörung von alten urbanen Strukturen in Städten wie Genua und Lüttich sowie über den Abriss der Pariser „Les Halles“. 

 

Zeitreise durch europäische Lebenskultur. Walter Vogel Bar in Lüttich 1975 Foto © Walter Vogel Düsseldorf


Ein „Alleinstellungsmerkmal“ des großen Fotografen ist nachhaltig und bleibt nach wie vor beeindruckend: Sein Blick für die sogenannten „Kleinen Leute“ in aller Welt, für das „Heer der Namenlosen“, wie er sie nennt. Jene Millionen in den Slums der Entwicklungsländer wie auch jene in den brodelnden, gewaltigen Industriemetropolen, zu denen auch das Ruhrgebiet zu zählen ist.

     Über sie vermerkte der Jubilar einmal: „Sie erweisen sich als die wahren Ikonen meiner Fotografie, die Handwerker in Marais, die Hühnchenrupfer in den Katakomben des Crawford Marktes in Bombay, der Fischhändler in Neapel, deren Konterfeis ich mit der gleichen Sorgfalt ausarbeite wie das eines Joseph Beuys.“ Gratulation und Chapeau Walter Vogel!
cpw


 Aufgrund enger Verbundenheit mit dem Stadtmuseum schenkte Walter Vogel einige dieser Objekte der Fotografischen Sammlung. Sie werden anlässlich seines runden Geburtstags erstmals in einer Ausstellung gezeigt.


Die Ausstellung Walter Vogel – fotografische Objekte ist bis zum 2. Januar 2023 zu sehen.
Stadtmuseum Düsseldorf
Berger Allee 2
40213 Düsseldorf
Tel. 0211 /8996170
Öffnungszeiten
DI - SO 11 - 18 Uhr


Zitierquelle: Folkwang Hochschule Essen, Festprogramm zur Umbenennung, Pina Bausch Theater, 12. Okt. 2009, S. 04

 

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