rheinische ART
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rheinische ART 03/2019

FAKE VIEWS

Kaleidoskop der Verwirrung

 

Wenn Künstler auf amüsante Weise die Sicht verändern, den Betrachter ihrer Werke verwirren, verblüffen, austricksen, etwas vorgaukeln und necken, und wenn dies in einem Museumsparcours passiert, dann wird das Schauhaus zu einer Wunderkammer.

 

Akihiko Taniguchi Something Like Me / About Seeing Things, 2018, Seamless Loop, Virtual Reality/HTC Vive/Audio Strap/Sensor/Kabelmanagement, Besitz des Künstlers © Akihiko Taniguchi

 

Eine derartige „Boîte à miracle“ ist derzeit das Aachener Ludwig Forum für internationale Kunst. Dort widmet sich die Ausstellung „Lust der Täuschung. Von antiker Kunst bis zur Virtual Reality“ einem weit gefassten Panorama unterschiedlichster ästhetischer Spielformen von Schein, Illusion und Simulation.

 

Georges Méliès Bildnis eines Mannes, um 1883, 63,5 x 52 cm, Öl/Leinwand, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln, © Rheinisches Bildarchiv Köln, rba_d031940, Foto © Sabrina Walz

 

Will die Welt betrogen werden? Ja, will sie! Schließlich kann es durchaus ein Vergnügen sein, auf einen Trick hereinzufallen. Doch besser: ihn zu durchschauen! Dann setzt End-Täuschung ein und der Ausstellungsbesucher ist glücklich. Denn er stellt fest: Sein Auge wurde getäuscht, nicht aber sein Verstand!
     Rund 100 Werke aus vier Jahrtausenden bietet das Ludwig Forum zu diesem Zweck auf. Ein wahres Kaleidoskop der Verwirrung, Verirrung und optischen Flunkerei.

     Eine große und unterhaltsame Ausstellung mit beeindruckenden Beispielen aus der Abteilung „Lug und Trug“: unter anderem mit Arbeiten aus Malerei, Fotografie, Video, immersiver und interaktiver Medienkunst (mehr), sogenannter „erweiterter Realität“ (Augmented) und Virtual Reality (VR). Somit ein Rundumschlag durch die Historie von Schein und Illusion.

     In Zeiten von Fake News, alternativen Realitäten und einer allgemeinen Verunsicherung unserer Vorstellung von Wirklichkeit, so die Kuratoren in Aachen, rege die Ausstellung zu einem höchst aktuellen Diskurs an.

 

Toast VR (Richard Eastes, Toni Eastes, Daniel Todorov) Richie’s Plank Experience, 2017, Virtual Reality/Unity3D/HTC Vive/Sensor/Kabelmanagement/Holzplanke, Besitz der Künstler © Toast VR

 

Dabei bleibt es nicht nur beim Staunen. Mit virtueller Brille durch den Aachener Dom zu gehen, lässt manchen Nutzer schwanken. Und einen besonderen Nervenkitzel können Besucher erleben, wenn sie sich etwa auf Richie’s Plank Experience der Gruppe ToastVR einlassen. Mit dem Aufsetzen der VR-Brille sieht man sich unversehens an den Rand eines Abgrundes in einer Hochhausschlucht gestellt. Schwindelerregend! Soll man auf die Planke gehen? Und wenn ja, wie kommt man zurück? Eine Frage, die selbst Museumsdirektor und Kurator Andreas Beitin bei der Vorstellung der Schau ein Schaudern abrang.

     Virtual Reality, diese jüngste Variante der Täuschung, ist für viele Besucher eine neue Erfahrung. Zahlreiche weitere Werke der zeitgenössischen Kunst erzeugen in der Schau weniger Schweißausbrüche, ergänzen gleichwohl das so abwechslungsreiche wie tiefsinnigen Flanieren durch die Welt der Irrungen und Wirrungen.

 

Tim Berresheim Aspettatori bugged out I (Auge & Welt), 2014, 240 cm x 180 cm, Diasec, Ludwig Forum für Internationale Kunst Aachen, Leihgabe der Peter und Irene Ludwig Stiftung © Tim Berresheim und SNA – Studios New Amerika GmbH, Foto © Carl Brunn

 

Melchior d'Hondecoeter Trompe- l’œil mit Krammetsvögeln, ca. 1670, 84 x 66 cm, Öl auf Leinwand, Suermondt-Ludwig-Museum Aachen, Foto © Anne Gold

 

Schon immer spielte die Kunst gerne mit der Wahrnehmung und führt dem Betrachter vor Augen, wie einfach er doch zu täuschen sei. Neue Materialien und digitale Bildbearbeitung sind heute so perfekt, dass genaues Hinsehen nicht ausreicht, um zu wissen, womit man es zu tun hat. Also: Fakt oder Fiktion? Dies ist dann die Frage!
     All das ist allerdings kein neues Phänomen. Seit der Antike nutzen Künstler die Techniken ihrer Zeit, um die Wahrnehmung zu irritieren, die Betrachter zu verwirren, zu verwundern und sprachlos im Raum stehen zu lassen. Vor allem aber, um ihre große Kunstfertigkeit zu beweisen.

     Und so lassen sich im Ludwig Forum denn auch zahlreiche Kreative und wahrliche Meister entdecken, die sich in dem Genre tummelten oder noch tummeln, darunter: Cornelis Gijsbrechts, Viktor & Rolf, Laurie Anderson, Jean Paul Gaultier, Thomas Demand, Gerhard Richter oder auch Andy Warhol.

     Ein besonderer Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf zeitgenössischen Kunstwerken sowie auf Medienkunst. Daher finden sich zahlreiche hyperrealistische Werke aus der eigenen Sammlung von Peter und Irene Ludwig (mehr).

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Die Ausstellung wurde gemeinsam mit der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in München erarbeitet, wo sie 280.000 Besucher in ihren Bann zog. Beide Präsentationen unterscheiden sich jedoch durch ihren jeweils eigenen Zuschnitt.

 

Die Ausstellung „Lust der Täuschung Von antiker Kunst bis zur Virtual Reality“ endet am 30. Juni 2019.

Ludwig Forum für Internationale Kunst
Jülicher Straße 91-102
52070 Aachen
Tel 0241 1807-104
Öffnungszeiten
DI, MI, FR, SA, SO 10.00 – 17.00 Uhr
DO 10.00 – 20.00 Uhr

 

 

 

 

 

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