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rheinische ART 01/2018

Archiv 2018

SCHLOSS MORSBROICH
Lösung in Sicht?

 

Ein einmal liquidiertes Kulturgut ist kaum zu revitalisieren. Diese Einsicht mögen sich manche Entscheider vor Augen gehalten haben, angesichts der drohenden Schließung des Museums Morsbroich in Leverkusen.

 

Schöne Fassade, aber zu teuer? Schloss und Museum Morsbroich, Leverkusen Foto: klaes-images/Holger Klaes

 

Jetzt hat der Museumsverein Morsbroich e.V. auf eigene Kosten und mit Hilfe externer Experten ein umfangreiches „Standortkonzept für die Zukunftssicherung von Schloss Morsbroich in Leverkusen" vorgelegt.

     Ein insofern bemerkenswerter Vorgang, als der Förderverein im Sinne eines bürgerschaftlichen Engagements - und nicht die verantwortliche lokale Politik - hier Haltung und Verantwortung für das Gemeinwohl, kulturinfrastrukturelles Denken und Traditionsbewusstsein vorführte.

 

Übergabe des Standortkonzepts durch den Museumsverein Morsbroich e.V. an Leverkusens Oberbürgermeister Uwe Richrath Foto © Museum Morsbroich 2018

 

Zur Erinnerung: Im Jahre 2016 hatten Wirtschaftsprüfer der Gesellschaft KPMG unter dem Titel „Optimierungspotenziale der KulturStadtLev" ein Gutachten vorgelegt, dessen Empfehlung darin gipfelte, das „defizitäre“ städtische Museum im Barockschloss Morsbroich zu schließen und die zugehörige hochkarätige Kunstsammlung aufzulösen. Im Klartext: die Kunst meistbietend zu verkaufen.

     Mit dem radikalen Schnitt sollte die hochklamme und auf Einsparungen angewiesene Kommune Leverkusen von ihren jährlichen Subventionierungen für das Museum in Höhe von fast 800.000 Euro befreit werden.

 

Die betriebswirtschaftlich akribische Rechnung der Unternehmensberater, die eine Kostendeckung des Museums von lediglich 15 Prozent ermittelt hatten und die Auflösung der Kultureinrichtung empfahlen, sorgte für Kopfschütteln allerorten. Zahlreiche Kreative, darunter auch der Weltstar Gerhard Richter, intervenierten. Kostendenken und Kulturdenken prallten aufeinander.

     Bundesweit gab es einen Aufschrei der Entrüstung. War doch erst im Jahr zuvor die skandalöse Veräußerung zweier Warhol-Kunstwerke aus dem Eigentum des Landes NRW zum Entsetzen vieler Kunstexperten über die Bühne gegangen (mehr).

 

Gerhard Richter Tiger 1965 Fotoverwischung, Öl auf Leinwand, 140 x 150 cm Foto © Museum Morsbroich 2018

Das vergleichsweise kleine aber bekannte Museum Morsbroich ist ein Nachkriegskind, eröffnet 1951.

     Beharrlich hat es sich unter diversen Museumsleitungen und einem engagierten Kunstverein zu einem der renommiertesten Museen für zeitgenössische Kunst in Nordrhein-Westfalen entwickelt. Bedeutende Ausstellungen internationaler Künstler wie Yves Klein, Lucio Fontana, Louise Nevelson, Andy Warhol oder Robert Motherwell wurden gezeigt.

     Parallel zu seiner regen Ausstellungstätigkeit bemühte sich das Haus um die Erweiterung seiner Sammlung durch Ankäufe exemplarischer Werke der Gegenwartskunst und trug so im Lauf von 50 Jahren eine beeindruckende Sammlung von circa 400 Gemälden und Skulpturen sowie 5000 druckgrafischen Werken zusammen. Darunter Erstklassiges von Gerhard Richter wie etwa das millionenschwere „Tiger“-Bild, Arbeiten von Joseph Beuys, Georg Baselitz, Rosemarie Trockel, Blinky Palermo (mehr) und Sigmar Polke (mehr).

 

Schloss Morsbroich mit Positionierung des Erweiterungsbaus (Machbarkeitsstudie: Architekturbüro Hermann Kaufmann ZT), Vogelperspektive der Gesamtanlage aus etwa Osten © archprodesign, Düsseldorf

 

Der Museumsverein Morsbroich e.V. bot daraufhin an, ein Entwicklungskonzept für das Schloss und Museum Morsbroich zu verfassen. Der Rat der Stadt nahm das Angebot an. Gleichzeitig sprach er ein „Moratorium" aus, also das heikle Thema bis zur Vorlage des Konzepts ruhen zu lassen. Das nun öffentlich vorgestellte 150 Seiten starke Gutachten „Zukunftssicherung von Schloss Morsbroich“ enthält eine Situationsanalyse, Verbesserungsvorschläge, Vorschläge zur Umsetzung und zur Finanzierung. Über das Konzept soll der „Betriebsausschuss Kultur" im Kürze und der Rat im Sommer beraten und entscheiden, teilte die Stadt nun mit.

 

Dreigeschossiger Erweiterungsbau (Animation) Perspektive vom Schlossvorplatz nach etwa Norden. Foto © archprodesign, Düsseldorf

 

Als planerische Eckpunkte stellt der Verein unter anderem heraus: Museum, Schloss und Park gehören zusammen und sind als eine Einheit anzusehen, und Schloss und Museum sollen in städtischer Hand bleiben. Eine höhere Attraktivität und eine Revitalisierung solle durch Vermietungen des Erdgeschosses, eine erneuerte Gastronomie, Ausrichtung von Märkten und Events im Schlosspark und durch eine hochwertige gärtnerische Aufwertung des Parks erreicht werden.

     Ins Auge fällt die größte und wohl mutigste Innovation: der Bau eines Museumsanbaus neben dem Schloss für fast 10 Millionen Euro. Der Verein sieht in diesem „Zubau" mit 1050 Quadratmeter Ausstellungsfläche die Chance, dort Wechselausstellungen und Kunst zu präsentieren, die bislang nicht gezeigt werden können.

     Zur Finanzierung der Vorschläge wurde seitens des Vereins festgestellt, dass es belastbare Kontakte zu Investoren und privaten Förderern gebe. Außerdem könnten staatliche Fördertöpfe zum Tragen kommen. Welche namentlichen Sponsoren mit ihren Geldern nun Licht an das Ende des Tunnels bringen wollen, war noch nicht zu erfahren.
rART/K2M

 

Museum Morsbroich
Gustav-Heinemann-Straße 80
51377 Leverkusen
Tel. 0214 / 85556-0
Öffnungszeiten
DI - SO 11 - 17 Uhr
DO 11 - 21 Uhr

 

 

 

 

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