rheinische ART
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rheinische ART 01/2020

EXPO-STANDORT OSAKA

Völkerkunde im Park
 

Japan, die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, ist „in“! Im Sommer präsentiert es sich in Tokyo als futuristischer Gastgeber seiner zweiten Olympischen Spiele und der Paralympics. Und 2025 will es in Osaka mit einer Neuauflage der Weltausstellung glänzen, diesmal zeitgerecht mit dem Motto „Designing Future Society for Our Lives“. Doch was ist dort eigentlich aus dem ehemaligen „Expo 70-Gelände“ geworden? Ein Besuch.

 

Der „Turm der Sonne“, eine Monumental-Skulptur des japanischen Künstlers Tarô Okamoto (1911–1996) ist das letzte Überbleibsel im Expo-Park von 1970 in Osaka. Foto © rheinische ART 2019

 

Die rheinischen Kreativen Karlheinz Stockhausen und Otto Piene waren 1970 hier und zelebrierten in ihrem Kugelauditorium die erste wirkliche dreidimensionale Musik. Fast ein halbes Jahrhundert ist das her. Von diesem musikalisch-künstlerischen Highlight des Komponisten Stockhausen und des Licht- und Feuerkünstlers und ZERO-Mitbegründers Piene auf der Universalschau in Japan ist nichts geblieben.

 

Aus dem großen Gelände im Norden Osakas, im Vorort Suita, wurde nach der Expo ein Freizeit- und Gedenkpark mit dem Namen Bampaku-koen – eine Art grüne Lunge für die Bewohner von Japans drittgrößter Metropole. Ein Areal mit allerlei Aktivitäten für Groß und Klein, mit Sport und Spiel und einem riesigen japanischen Garten. Lediglich der Pavillon „Expo ´70“ bietet gegenwärtig einen modellgestützten Rückblick auf die einst gewaltige Schau, die 64 Millionen Besucher zählte.

     Erhaben über allem erstrahlt das größte erhaltene Relikt, die monumentale Skulptur „Turm der Sonne“. Sie signalisiert schon von weitem eindrucksvoll: Hier trafen sich einmal die Kulturen der Welt.

 

Über vier Jahrzehnte ein Spiegelbild der Kulturen der Welt: Das Nationale Museum für Ethnologie in Osaka, inmitten des Parks der Weltausstellung von 1970. Foto © rheinische ART 2019


Die wirkliche Attraktion ist jedoch heute eine andere Einrichtung. Gleichwohl mit einem ähnlichem Charakter. Es ist das nach Ende der Weltschau in den Freizeitpark hineingebaute Nationalmuseum für Ethnologie (National Museum of Ethnology). Baumeister war der japanische Metabolist Kisho Kurokawa (1934–2007).
     Mit annähernd 41.000 Quadratmetern Museumsgelände und über 52.000 Quadratmetern Geschossfläche ist es eines der größten völkerkundlichen Museen der Welt. Schlicht, klar und modern in seinem Gebäudestil fügt es sich harmonisch in das Parkgelände ein.

 

Future Ruin, der zentrale Innenhof, der für Ausstellungen genutzt wird, bietet einen großartigen Blick auf die architektonischen Merkmale des von Kisho Kurokawa entworfenen Gebäudes. Sie greifen die Formensprache der indischen Treppenbrunnen auf. Foto © rheinische ART 2019

 

Metabolistisch Bienenstockartige Infozellen (rechts) zum Hören und Betrachten von Audio- und Videomaterial. Foto © Japan Visit 2019

 

Abteilung Europa: Exponat Deutsches Pumpernickel. Foto © rheinische ART 2019

 

Dem Besucher bietet sich über mehrere Etagen und Gebäudeblöcke verteilt eine kolossale Vielfalt an Schaustücken zu allen Kulturbereichen. Der Sammlungsbestand wird mit annähernd einer Million Objekten angegeben, ergänzt um eine Bibliothek mit fast 700.000 Publikationen.

     Gegliedert nach Kontinenten und geografischen Gebieten werden Gewohnheiten und Bräuche, Skurriles und Erstaunliches präsentiert, ein Besuch damit zu einer kurzweilige Expedition in alle Regionen der Welt. An interaktiven Kiosken können Musikliebhaber den Klängen der verschiedensten Instrumente lauschen. Audioguides für die Ausstellungsräume sind gratis.

     Ob Kostüme, Werkzeuge, Münzen, indonesische Boote, Bali-Puppen, chinesische Sänften, Inuit-Kunsthandwerk, die Vita einer Berliner Schneiderin oder deutsches Pumpernickel – die Breite der Objekte und die Möglichkeiten der thematischen Vertiefung mittels audio-visueller Hilfen ist einzigartig.

 

 

Abteilung Europa: Exponat Französische Krippe. Foto © rheinische ART 2019

 

Kuratorisch gezielt und gut aufbereitet wird eine enorme Fülle an Materialien, Farben, Klängen und Formen präsentiert und erinnert damit an den unendlichen Reichtum der Kulturen, die die Erde bevölkern. 

     Das Museum bietet somit eine regelrechte „Lektion der Menschlichkeit“ wie es heißt.
     

Das Nationalmuseum wurde 1974 von Kurokawa entworfen und im November 1977 eröffnet. Es trägt die allgemein genutzte Kurzbezeichnung „Minpaku“ (国立 民族 博物館 Kokuritsu Minzoku-gaku Hakubutsukan) und gilt als eines der wichtigsten Museen in Japan. Gleichzeitig ist es das größte Forschungsinstitut des Inselstaates in den akademischen Disziplinen der Geistes- und Sozialwissenschaften.

     Die Gründungssammlung war die Attic Collection, eine ethnologische Sammlung aus dem frühen 20. Jahrhundert, die hauptsächlich japanische Objekte enthielt, darunter einige bedeutende Funde von archäologischen Artefakten der Jômon-Kultur, einer bis zu 14.000 Jahre v. Chr. zurückreichenden frühgeschichtlichen Phase Japans. 
Claus P. Woitschützke

 

► Nach 1945 kam in Japan der Metabolismus-Baustil auf, der sich die Natur zum Vorbild nahm und eine der letzten großen Architektur-Bewegungen bildete. Protagonisten waren neben anderen Kenzo Tange wie auch Kisho Kurokawa. Sie versuchten, den Lebenszyklus von Geburt, Wachstum, Zerfall und Wiederaufbau auf den Stadt- und Wohnraum zu übertragen. Sie wollten nach Bedarf flexible und schnelle „Veränderung“ für Millionen Menschen und nannten sich folgerichtig nach dem griechischen „metabolé“ Metabolisten. Kurokawa entwarf unter anderem die Helix-City (Tokyo 1961), Wohnkapseln (Nakagin Capsule Tower, Tokyo 1970) und das beschriebene Ethnologiemuseum in Osaka.

2025 wird Osaka erneut eine sogeannte  „Große Weltausstellung“ ausrichten. Motto: Eine Zukunftsgesellschaft für unser Leben gestalten. Große Weltausstellungen finden alle fünf Jahre statt und dauern sechs Monate. Die ausstellenden Staaten bauen dafür ihre eigenen Pavillons.

 

Nationalmuseum für Ethnologie
10-1 Senribanpakukoen, Suita-shi
Osaka 565-8511 / Japan
Tel 06 6876 2151
Öffnungszeiten
Täglich 10 – 17 Uhr
Mittwochs geschlossen

 

 

 

 

 

 

 

 

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