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rheinische ART 08/2018

Archiv 2018

WALTER MITTELHOLZER
Der fliegende Fotograf

 

An Nationalhelden, allgemein bekannten oder weniger populären, mangelt es in der Schweiz nicht. Zu einem Vertreter der zweiten Kategorie zeigt das Zürcher Landesmuseum derzeit eine bemerkenswerte Schau.

 

Walter Mittelholzer Auslieferung einer Swissair-Maschine in Abessinien, dem heutigen Äthiopien. Im Februar 1934, ein Jahr vor dem zweiten italienisch-äthiopischen Krieg, überführte Mittelholzer mit seiner Crew ein ausgedientes Flugzeug nach Addis Abeba und lieferte es an den Kaiser Haile Selassie aus. Das Bild zeigt die Maschine vom Typ Fokker F VIIb-3 m bei einer Zwischenlandung in Kassala/ Sudan. Foto © ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv

 

Es handelt sich um den aus St. Gallen stammenden Flugpionier, Reiseschriftsteller, Unternehmer, Medienstar, Fotografen und Swissair-Mitbegründer Walter Mittelholzer (1894-1937).

     Der Multitalentierte, ein gelernter Fotograf, verkaufte sich und seine Werke ohne „Berührungsängste“, wie es in der Ausstellung heißt. Ohne Zweifel entstanden Dank seines Geschäftssinns und viel Selbstvertrauen nicht nur zahlreiche Bücher, Reportagen und Filme, sondern auch großartige Landschaftsbilder, vorzugweise aus der Vogelperspektive. Die Schau im Zürcher Landesmuseum mit dem Titel „Walter Mittelholzer 1894-1937. Pilot, Fotograf, Unternehmer“ bietet einen Querschnitt seines Schaffens als „fliegender Fotograf“.

     Schon 1919 gründete der Schweizer mit einem Militärkollegen die „Mittelholzer und Co. Luftbildverlagsanstalt und Passagierflüge“. Es war der Start in eine überaus erfolgreiche Karriere als Luftbild-Fotograf und Pilot.

 

Walter Mittelholzer Strassenbrücke in Pérolles, Fribourg, 1926. Der Fotograf dokumentierte bei seinen Inlandflügen hunderte städtische und ländliche Einrichtungen der Infrastruktur. Foto © ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv

 

Selbst in Fachkreisen ist nicht überall hinlänglich bekannt, dass der Ostschweizer 1926 als Erster mit einem Wasserflugzeug einen transkontinentalen Flug von Zürich nach Kapstadt durchführte. 76 Tage war er mit einem einmotorigen Hochdecker der Marke „Merkur“ aus den Dornier-Flugzeugwerken unterwegs.
     Vier Jahre später, am 8. Januar 1930, überquerte Mittelholzer in einem sensationellen Flug den Kilimandscharo in 6.200 Meter Höhe und fertigte Luftbilder – eine Weltpremiere, wie die Ausstellungsmacher betonen.

 

Walter Mittelholzer vor seiner Fokker am 15.12.1929 im Rahmen der Vorbereitungen zu seinem Kilimandscharo-Flug. Der ehemalige Militärpilot und Luftfahrt-Unternehmer wurde berühmt mit abenteuerlichen Expeditionsflügen. Dazu gehörten unter anderem Einsätze in Spitzbergen, Persien und dem Mittelmeerraum. Foto © ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv

 

Walter Mittelholzer Sandformen der Sahara, um 1930. Foto © ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv

 

Besonders auffällig an seinen abenteuerlichem Aktionen: Er dokumentierte alles akribisch und vermarktete es geschickt. Mittelholzer war seiner Zeit fast ein wenig voraus und im besten Sinne ein moderner Reporter und Bildjournalist.

     Denn Fotografien und Texte übermittelte er schon von unterwegs an eidgenössische Zeitungen und Zeitschriften, was seinen Ruf als legendärer Lieferant von Reiseberichten nachhaltig festigte.

     Walter Mittelholzer war darüber hinaus technisch auf der Höhe der Zeit. Dank einer Dunkelkammer in seinem Flugzeug konnte er auf wechselnde Lichtverhältnisse reagieren oder unscharfe Aufnahmen wiederholen.

 

Die Kuratoren der Schau verschweigen nicht, dass die Afrikareisen des Flugpioniers auch koloniale Züge trugen. In seinen Bildern und Reiseberichten unterschied er, wie es heißt, stets zwischen schwarz und weiß, unzivilisiert und zivilisiert und zwischen rückständig und fortschrittlich.

     Mit diesen Denkstrukturen war er nicht alleine, denn „... es war die vorherrschende Meinung Anfang des 20. Jahrhunderts“, so die Ausstellungsmacher. Lediglich die Abessinier, deren Kaiser Haile Selassi er 1934 ein Flugzeug persönlich lieferte, sah der fliegende Fotograf als ebenbürtig an.

 

Endgültig zum Nationalhelden avancierte Mittelholzer 1931 als Mitbegründer der „Swissair Schweizerische Luftverkehr-Aktiengesellschaft“, deren technischer Direktor er war. Mit seinen aufsehenerregenden Auslandsflügen und der multimedialen Vermarktung hatte er die Öffentlichkeit für die zivile Fliegerei sensibilisiert und so die Gründung einer nationalen Fluggesellschaft vorangetrieben.
cpw

 

Walter Mittelholzer kam 1937 mit 43 Jahren bei einem Bergunglück in der Steiermark ums Leben. Sein fotografisches Erbe beträgt über 100.000 Lichtbilder und hat einen großen historischen Wert. Das Bildarchiv der ETH-Bibliothek Zürich, aus dem die Exponate stammen, verwahrt über 18.000 Aufnahmen, die auch über E-Pics Bildarchiv Online frei zugänglich sind.

 

Die Fotografien der Schau „Walter Mittelholzer 1894-1937. Pilot, Fotograf, Unternehmer“ werden bis zum 7. Oktober 2018 ausgestellt.

Schweizerisches Nationalmuseum
Landesmuseum Zürich

Museumstraße 2
Postfach
CH-8021 Zürich
Tel +41 44 218 6511
Öffnungszeiten:
DI – SO 10 – 17 Uhr
DO bis 19 Uhr

 
 

 

 

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