rheinische ART
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rheinische ART 12/2011

 

 

Archiv 2011: aus "Besuchenswert"

Rembrandt - Meisterwerke der Radierung

 

Gespiegelt und neu gesehen

 

 

Sein Name steht für die Alten Meister der Niederlande wie kaum ein zweiter: Rembrandt Harmensz. van Rijn (1606-1669). Doch nicht nur als Maler und Zeichner hat dieser Künstler Großes hinterlassen. Fast 300 Radierungen von ihm sind bekannt und die Möglichkeit der seriellen Vervielfältigung dieser grafischen Technik haben schon zu seinen Lebzeiten mit dazu beigetragen, seinen Ruf als Künstler in Europa zu festigen. Es heißt, dass Rembrandt seine Bilder selbst auf die Radierplatte brachte.

 

 

Selbstporträt, an eine Balustrade gelehnt, 1639, Radierung und Kaltnadel, Zustand II und gespiegelte Reproduktion

 

Das Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen widmet diesen selten gezeigten Arbeiten Rembrandts mit Begleitung des Rembrandt Research Projects, dass sich seit den 1970er Jahren mit der wissenschaftlichen Untersuchung von Rembrandt-Werken beschäftigt, eine kompakte Übersichtsausstellung.

 

DEM KÜNSTLER gelang es, seinen lockeren, freien Zeichenstil auch in der Druckgrafik beizubehalten. Ein Vergleich verschiedener Druckgänge lässt aber immer wieder neue und teils drastische Überarbeitungen erkennen und somit den Schluss zu, dass Rembrandt sich dieser Technik als Autodidakt näherte. Das Radieren war für den Künstler eine intensive und spontane Arbeit, in der er sein ganzes bildsprachliches Spektrum einfließen lies. Neben religiösen und mythologischen Szenen, Selbstbildnissen und Porträts schuf er auch Landschaften und Figurenstudien von Bauern und Bettlern.


Gespiegelte Wiedergabe

 

Niederländische Landschaft: Drei Bäume, 1643, Radierung, Kaltnadel und Grabstichel, einziger Zustand

Rembrandt verkörpert wie kein zweiter das Goldene Zeitalter des Barocks in der niederländischen Kunst. Sein Gespür für die Dramaturgie des Lichts setzte er nicht nur in den Gemälden, sondern auch in der Druckgrafik mit starken Hell-Dunkel-Kontrasten um. Die Ausstellung im Suermondt-Ludwig-Museum zeigt die Entwürfe des Meisters in ihrer ursprünglichen Form, so wie er sie bei der Arbeit vor Augen hatte. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass das gedruckte Werk stets die gespiegelte Wiedergabe der ursprünglichen Komposition auf der Kupferplatte ist. Nicht selten verändert sich dadurch die Wirkung entscheidend.
    Rembrandts Bildthemen beruhen bei den Radierungen nur in Ausnahmen auf seinen Gemälden. Meist sind es eigenständige Erfindungen, die bisweilen nach Vorstudien, doch immer wieder auch frei auf der Radierplatte entstanden. In den Abzügen sind zuweilen „Fehler“ auszumachen, so etwa wenn in einer Ansicht Amsterdams die Abfolge der Gebäude von West nach Ost vertauscht wird oder ein exotisches Schneckenhaus sozusagen wider die Naturgesetze, also gegen den Uhrzeigersinn, gewachsen erscheint.

 

Das Schneckenhaus (‚Conus Marmoreus’), 1650, Radierung, Kaltnadel und Grabstichel, Zustand II und gespiegelte Reproduktion


Wahrnehmung


Besonders augenfällig wird der Effekt, wenn man eine ganze Komposition mit ihrem gespiegelten Gegenstück vergleicht. So wirkt die Bewegung Christi bei der Vertreibung der Geldwechsler aus dem Tempel im Originalentwurf dynamischer als in der gedruckten Radierung. Begründet liegen solche Unterschiede in den Sehgewohnheiten. Denn der abendländische Mensch neigt dazu, auch Bilder von links nach rechts zu „lesen“ und misst dem, was links zu sehen ist, größere Bedeutung bei. Eine Bewegung nach links wird als rückwärts und eine nach rechts als vorwärts empfunden.
    Die Ausstellung präsentiert eine Auswahl von 54 Radierungen Rembrandts aus unterschiedlichen Themenbereichen und stellt sie den gespiegelten fotografischen Reproduktionen gegenüber. Einige originale Kupferplatten vermitteln einen zusätzlichen Eindruck vom Entstehungsprozess.

 

Das Museum Het Rembrandthuis hat die Ausstellung „Rembrandt gespiegelt“ bereits in den Jahren 2009/2010 mit großem Erfolg gezeigt. Das Museum in Amsterdam besitzt eine Reihe der schönsten Rembrandt-Radierungen.
Zur Ausstellung ist im Thouet-Verlag ein 80-seitiger Katalog erschienen. In ihm sind die Abbildungen aller Radierungen und ihrer Spiegelungen kurz kommentiert.
Franziska Bradel

 

Die Ausstellung „Rembrandt gespiegelt“ ist bis zum 5. Februar 2012 zu sehen.
Suermondt-Ludwig-Museum Aachen
Wilhelmstraße 18
52070 Aachen
Tel. 0241 / 479 800

Öffnungszeiten:
DI – FR 12 - 18 Uhr
MI 12 - 20 Uhr
SA + SO 11 - 18 Uhr

 

©Fotos: Museum Het Rembrandthuis, Amsterdam

 

 

 

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