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rheinische ART 05/2022

FOTOGRAFIE
Augenzeugen der Not


Seit fünf Jahrzehnten ist die private Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) in Krisengebieten unterwegs, um Menschen in medizinischer Not zu helfen. 

 

Stuart Franklin SUDAN. Kasala. 6. Januar 1985. Rund 35.000 Menschen verließen zu dem Zeitpunkt die Provinz Tigre in Äthiopiens und flüchteten in den Sudan. Ihr Ziel war das Camp Takalabab (bei Kassala) im Osten des Landes. Foto © Stuart Franklin / Magnum Photo. Bildquelle © Photobastei Zürich 2022.

 

Gegründet wurde Ärzte ohne Grenzen 1971, die deutsche Sektion nahm am 9. Juni 1993 ihre Arbeit auf und wird damit im kommenden Jahr 30 Jahre alt. Anlässlich des Gründungsjubiläums erinnert derzeit eine Fotoschau in der Zürcher Photobastei an die Arbeit der Mediziner. Es sind Fotografien berühmter Reporter und Bildjournalisten der international renommierten und unabhängigen Fotoagentur Magnum, die bereits 1947 gegründet worden war.

 

Das Herzstück der Ausstellung bilden Fotografien von sieben Magnum-Fotografen und Fotografinnen, die aktuelle Krisensituationen beleuchten – Gebiete in Ländern wie Honduras, Griechenland oder der Demokratischen Republik Kongo, in denen MSF derzeit im Einsatz ist.

     Ergänzt wird die Bildreihe durch Werke aus dem Fotoarchiv der Agentur Magnum. Die Archivmaterialien dokumentieren die humanitären Krisen, die die Welt von 1971 bis heute heimgesucht haben. Es sind Fotografien aus Afghanistan und dem Libanon, vom Völkermord in Ruanda, dem Massaker von Srebrenica, dem Erdbeben in Haiti, sowie den Dramen fliehender Menschen und ihr Sterben im Mittelmeer.

 

Chris Steele-Perkins ÄTHIOPIEN. Ernährungszentrum für Menschen, die durch Hungersnot vertrieben wurden, 1983. Foto © Chris Steele-Perkins / Magnum Photos. Bildquelle © Photobastei Zürich 2022.


Die Ausstellung geht mehreren Fragen nach. Wie hat sich die medizinische Nothilfe im Laufe der Zeit verändert? Welchen Herausforderungen musste sie sich früher und welchen heute stellen und was konnte die Privatorganisation MSF mit Hauptsitz in Genf (Schweiz) in einem halben Jahrhundert bewirken?

     Die Grundlage für diese Ausstellung über die Hilfseinrichtung bieten ein Fundus aus 50 Jahren archivarischer Arbeiten der Agentur Magnum Photos sowie ergänzend jene aktuellen Bilddokumente, die speziell für das Jubiläum erstellt wurden.

 

Abbas Attar NIGERIA (ex-Biafra) 1971. Ein Jahr nach dem Krieg. Schulkinder versammeln sich in ihrem Hof. Foto © Abbas Attar / Magnum Photos

 

Dabei stehe nicht die Zelebrierung des 50-jährigen Bestehens von MFS im Fokus, wie die Aussteller betonen. Vielmehr nutze man die Gelegenheit, daran zu erinnern, was MSF und Magnum verbindet: die unabhängige Berichterstattung über medizinische Krisen.

     Mit Fotojournalisten als Augenzeugen hinter den Kameras sorge man nach wie vor dafür, dass Menschen in Not nicht vergessen werden. Dass dafür die Bildberichterstattung ein besonders geeignetes Instrument ist, steht ohne Zweifel fest.

     Die Fotodokumente machen ferner eindringlich klar, worin die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen besteht. Nämlich dort medizinische Hilfe zu leisten, wo immer Menschenleben bedroht sind. Gründe für die Einsätze sind vor allem bewaffnete Konflikte, aber auch Epidemien, Pandemien und Naturkatastrophen oder die Ausgrenzung aus dem Gesundheitswesen.

     Mit der medizinischen Arbeit untrennbar verbunden ist seit der Gründung von MSF eben auch die Berichterstattung. Immer wieder hat die Hilfsorganisation öffentlich das Wort ergriffen, um auf nicht beachtete Krisen oder Machtmissbräuche aufmerksam zu machen.

     Für ihre selbstlose Arbeit wurde ihr 1999 der Friedensnobelpreis verliehen. Weltweit arbeiten rund 45.000 Menschen aus mehr als 130 Ländern für die unparteiische und unabhängige Organisation.

 

Enri Canaj GRIECHENLAND. Lesbos, 09. September 2020. Lager Moria. Am Tag, nachdem ein Feuer den Großteil des Flüchtlingslagers zerstört hatte, vernichtete ein weiteres Feuer den Rest des Lagers. Foto © Enri Canaj / Magnum Photos. Bildquelle © Photobastei Zürich 2022.


Die aktuelle Kriegssituation in Osteuropa hat in erschütternder Weise deutlich gemacht, dass sich humanitäre Notsituationen nicht nur in abgelegenen Regionen der Welt ereignen. Und die Fotoausstellung ist ein nachdenklich machendes Zeugnis der Krisen der vergangenen Jahrzehnte – gesehen durch die Augen renommierter Fotografen, die sowohl die Notleidenden als auch die MSF-Freiwilligen vor Ort in den Blickwinkel rücken.

     Durch die Verschmelzung von menschlichen Geschichten und medizinischer Hilfe in der Fotografie spricht die Ausstellung verschiedene Publika in den Bereichen Fotografie, Medizin, Kultur oder humanitäre Angelegenheiten an.
rART/K2M


Die Ausstellung zeigt Fotografien unter anderen von Abbas Attar, Chris Steele-Perkins, Cristina Garcia Rodero, Enri Canaj, Gilles Peress, Hiroji Kubota, Jerome Sessini, Lorenzo Meloni, Moises Saman, Paolo Pellegrin, Raymond Depardon, Stuart Franklin, Thomas Dworzak.

 

► Magnum Photos Inc. wurde in New York am 27. April 1947 gegründet und am 22. Mai dort als Gesellschaft (mit beschränkter Haftung) in das Handelsregister eingetragen. Gründer waren die Fotografen Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, David „Chim“ Seymour und George Rodger. Der Nibus des Kollektivs als Hort namhafter Kriegsfotografen führte zu geschäftlichen Erfolgen, Prestige und Bekanntheit. Zu den wichtigen Projekten gehörte unter anderen die Dokumentation über den Niedergang von Kodak in Rochester und das Ende der analogen Fotografie (mehr). Auch die Beteiligung von Magnum-Mitgliedern an der weltweiten Wanderausstellung The Familiy of Man (mehr) von Edward Steichen führte zu hohem Image. 


Die Ausstellung Ärzte ohne Grenzen und Magnum: 50 Jahre im Einsatz wird vom 5. Mai bis zum 29. Mai 2022 gezeigt.
Photobastei
Sihlquai 125
Kabinett 3. Stock
CH-8005 Zürich
Tel +41 44 240 22 00
Öffnungszeiten:
MI, SO 12.00 – 18.00 Uhr
DO, FR, SA 12.00 – 21.00 Uhr

 

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