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rheinische ART 03/2018

Archiv 2018

PRITZKER-PREIS 
In der Gufa-Grotte


Der renommierte Pritzker-Preis für Architektur wurde diesjährig an den 90-jährigen Inder Balkrishna Doshi vergeben. Er ist der erste Preisträger dieser renommierten Auszeichnung auf dem Subkontinent - und der älteste. Geehrt wird ein Mann mit großem sozialen Engagement.

 

Balkrishna Doshi Unterirdische Galerie Amdavad ni Gufa (1992-1995), Eingang und Außenansicht. Die Mosaikschlange auf den Kuppeln stammt aus der Hindu-Mythologie. Foto © rheinische ART 2018

 

Der Baumeister und Lehrer Balkrishna Doshi (*1927) habe die Ziele des „Pritzker Architecture Prize“ stets in höchstem Maße verkörpert, betonte die vergebende Hyatt Foundation in Chicago in ihrer Begründung.

 

Balkrishna Vithaldas Doshi Architekt und  Pritzker-Preisträger 2018 Foto © Courtesy of VSF (Vastushilpa Foundation), Pritzer Architecture Prize Hyatt Fondation 2018

 

Doshi ist seit über 60 Jahren in der Architektur tätig und mit der Verleihung des Preises würdige die Jury seine außergewöhnliche Baukunst, die sich „in mehr als hundert Gebäuden widerspiegelt“.

     Er habe in all den Jahrzehnten immer eine Architektur geschaffen, „die seriös, nie auffällig oder Trendfolger“ gewesen sei. Die Jury betonte ferner, dass Doshis Bestreben nach Harmonie und innovativer Architektur bei der Städteplanung auch Klima und Umwelt mit einbeziehe.
     Mit einem tiefen Verantwortungsbewusstsein und dem Wunsch, durch qualitativ hochwertige, authentische Architektur seinem Land und seinen Menschen zu dienen, habe Doshi zahlreiche Projekte für öffentliche Verwaltungen, Unternehmen, Bildungs- und Kulturinstitutionen sowie Residenzen für Privatkunden geschaffen.

 

Balkrishna Doshi Amdavad ni Gufa Die Formen der Kuppeln ähneln Schildkrötenpanzern und Seifenblasen. Die Mosaike beziehen Anregungen von den Dächern der Jain-Tempel auf dem Bergstock von Girnar. Foto © rheinische ART 2018



Balkrishna Doshi Amdavad ni Gufa, Innenansicht. Die buddhistischen Höhlen von Ajanta und Ellora inspirierten den Architekten, das Innere mit Kreisen und Ellipsen zu gestalten, während die Wandgemälde des Malers Husain von der altsteinzeitlichen Höhlenkunst inspiriert sind. Die Gewölbe sind durch baumstammähnliche Säulen geteilt, die denen in Stonehenge ähneln. Foto © rheinische ART 2018

 

Gufa-Grotte Ein in Kunstkreisen Asiens bekanntes und höchst interessantes Beispiel ist die von ihm entworfene und von 1992 bis 1995 erbaute unterirdische Kunstgalerie Amdavad ni Gufa (Ahmedabads Höhle) in der Fünf-Millionen-Metropole Ahmedabad, seiner Heimatstadt. Der Bau wird auch unter der Bezeichnung Husain-Doshi ni Gufa geführt.

     Der tiefe Ort beherbergt Kunstwerke des Malers Maqbool Fida Husain (1915-2011) und vereint Architektur und Kunst auf ebenso extravagante wie einzigartige Weise. Das Innere ist klimatisch kühl und wirkt grottenähnlich, mit baumartigen Stützen und Bemalungen in sinusartigen Gewölben.

     Das Dach ist eine Betonkonstruktion aus mehreren miteinander verbundenen Kuppeln, teils mit Fliesenmosaiken bekleidet, der Eingang verdeckt und unauffällig,

 

Sozialer Wohnungsbau Vor allem aber ehrte die Hyatt-Stiftung Doshis beständiges Engagement für sein Land Indien. Seine kostengünstigen Bauten seien der „orientalischen Kultur" verpflichtet und würden zugleich dazu beitragen, „die Lebensqualität in Indien zu verbessern". Tatsächlich reicht sein sozial-orientiertes Bauen bis in die Fünfzigerjahre zurück, als er begann, Wohnungen für einkommensschwache Familien zu entwerfen. Der damals 27-Jährige erklärte 1954, es scheine, dass er einen Eid ablegen und sich ein Leben lang erinnern solle, „der niedrigsten Klasse die richtige Wohnung zu geben". Er sollte Recht behalten. Doshi erfüllte diese Verpflichtung unter anderem in Projekten wie der Co-Operative Middle Income Housing in Ahmedabad 1982 und den berühmt gewordenen Sozialwohnungen der Aranya-Siedlung (Low-Cost Housing) in Indore, 1989, im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh. In diesem durch verschlungene Wege verbundenen Labyrinth aus Häusern und Höfen leben heute etwa 80.000 Menschen.

 

Le Corbusier und Balkrishna Doshi. Photo © Courtesy of VSF (Vastushilpa Foundation)/ Pritzker Architecture Prize 2018


Berühmte Lehrmeister Doshi arbeitete mit zwei berühmten Baumeistern des 20. Jahrhunderts zusammen - Le Corbusier und Louis Kahn. Zumindest hierzulande sind diese beiden Architekturstars, die symbolstarke Bauwerke von nahezu archaischer Schönheit schufen, bekannter als ihr Schüler und Mitarbeiter Balkrishna Doshi. Und zweifellos wurden seine frühen Arbeiten von diesen beiden Giganten der Baukunst beeinflusst, wie sich an den robusten Betonformen erkennen lässt, die auch er einsetzte.

     Der Inder verschrieb sich jedoch später einer anderen Architektursprache. Seine modernistische Bauweise kontrastiert zwar zur traditionellen indischen Architektur, bezieht aber deutlich Elemente der überlieferten Kultur des Landes ein. Damit sei ihm eine „poetische und funktionale“ Formensprache gelungen, wie die Pritzkerpreis-Jury erklärte.

 

Louis Kahn und Balkrishna Doshi entwarfen die Baupläne für das Indian Institute of Management in Ahmedabad (1974). Die Wirtschaftshochschule wurde mit regionalen Baumaterialien erstellt. Foto © rheinische ART 2018


Vita Balkrishna Doshi wurde am 26. August 1927 in Pune, Indien, in einer hinduistischen Familie geboren, die seit zwei Generationen in der Möbelindustrie tätig war. In jungen Jahren zeigte er ein Talent für Kunst und Verständnis für Proportionen und wurde von einem Schullehrer auf die Architektur aufmerksam gemacht. Der junge Doshi begann sein Architekturstudium im Jahr 1947, dem Jahr, in dem Indien seine Unabhängigkeit erlangte, an der Sir J.J. School of Architecture Bombay (Mumbai). Sie gilt als die älteste und eine der führenden Institutionen für Architektur in Indien.

Claus P. Woitschützke


Dass soziales Engagement eines zeitgenössischen Baumeisters mit dem „Nobelpreis der Architektur“ ausgezeichnet wird, ist nicht das erste Mal. Vor vier Jahren erfuhr der japanische Architekt Shigeru Ban diese Ehrung. Der Pritzkerpreis 2014 wurde ihm nicht nur für seine herausragende Baukunst verliehen sondern insbesondere für seinen persönlichen und humanitären Einsatz bei der Errichtung von Notunterkünften in den von Naturkatastrophen heimgesuchten Regionen in Haiti, Ruanda und auf den Philippinen.

 

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