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rheinische ART 08/2015

Archiv 2015

YDOB EHT NI MRAW SI TI
Nicht zu fassen

 

Danh Võ ist eine globale Marke, ein Liebling der Kunstkritik und der Kuratoren. Mit der ersten deutschen Einzelausstellung des vietnamesisch-dänischen Künstlers beschreitet das Museum Ludwig in Köln folgerichtig den von Direktor und Kurator der Ausstellung Yilmaz Dziewior angekündigten Kurs einer verstärkten Öffnung hin zur außereuropäischen Kunst.

 

Nur ein Bruchstück ... Danh Võ We The People, Armpit, 2011–13, Kupfer, 2220 kg, Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln/ Britta Schlier © Danh Võ

 

Auf die Frage, wo er wohnt und arbeitet, gibt es mehrere Antworten: Mal in Berlin, mal in Mexiko. Er stammt aus Vietnam, besitzt aber einen dänischen Pass. Danh Võ ist nicht zu lokalisieren - was seinen Reiz ausmacht!
      Der Künstler wird seit einigen Jahren zu den aufregendsten Talenten gezählt, was zum einen seiner Biographie, zum anderen aber sicherlich der geistigen wie physischen Dimension seiner Arbeiten zuzurechnen ist. Võ, der im Alter von vier Jahren mit seinen Eltern aus Vietnam floh, in Dänemark Schutz fand und sich an der Kunstakademie Kopenhagen von seinem Professor den Kommentar einfing, er solle die Malerei „besser bleiben lassen“, hat international längst überzeugt: Freiheit, die Identität des Individuums, Religion – mannigfaltig ist das von ihm abgesteckte thematische Terrain.

 

Danh Võ Break my face in, it was the kindest touch you ever gave, 2015, Holz, Spiegel, Gravur von Phùng Võ, dem Vater von Danh Võ, 306 x 517 x 135 cm, Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln/ Britta Schlier © Danh Võ 


Mysterium Den Ratschlag, nicht zu malen, befolgte der Künstler Võ, ließ es sich aber nicht nehmen, seine eigene und sehr persönliche Auffassung von Kunstproduktion zu realisieren. Bei dieser spielt sein Vater, Phùng Võ, eine signifikante Rolle. Der beherrscht die Kalligrafie und wird mit seinen Arbeiten schon mal „Teil“ der Kunst seines Sohnes.
      Die scheinbare Unmöglichkeit einer Lokalisierung seiner Person zieht sich in seinen Arbeiten fort, denn Võ's Werk ist voller Zitate und Anspielungen, was etwa der Titel der Kölner Ausstellung „Ydob eht ni mraw si ti“, ein Zitat aus „Der Exorzist“, unterstreicht. Was zunächst anmutet wie eine außereuropäische Sprache, ist von rechts nach links zu lesen und meint „it is warm in the body“. Eine gewisse Hermetik ist Võ's Vokabular nicht abzusprechen. Bei genauerem Hinsehen sind es allerdings die wiederkehrenden Elemente, deren „Aha“-erlebnishafte Entdeckung den Betrachter nicht nur befriedigt, sondern auch von inhaltlicher Kohärenz seiner Kunst zeugt.

 

Einzelteile Ein immer wiederkehrender Gedanke ist etwa der des Fragmentes. Im Zentrum der Schau steht Vo's bekannte Arbeit „We the people“. Võ ließ 250 Bestandteile der Freiheitsstatue in Originalgröße in Kupfer reproduzieren und stellt sie an verschiedenen Punkten der Welt, in privaten und öffentlichen Sammlungen, verteilt aus. Die Teile werden voraussichtlich nie zusammenfinden, das Ganze bleibt eine Illusion.

 

Danh Võ Shove it up your ass, you faggot, 2013, (im Hintergrund drei Fotografien von Peter Hujar), Charlotte Feng Ford Collection, New York Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln/ Britta Schlier © Danh Võ


An anderer Stelle ist es der Umgang mit antiquarischen Einzelteilen, die nahtlos an einen weiteren Gegenstand angefügt werden. Die künstlerische „Wiederverwertung“ von zum Teil kostbaren Antiken ist ein Markenzeichen der Kunst Danh Võ's. Die in Köln gezeigte Arbeit „Shove it up your ass, you faggot“ verbindet einen treibguthaften Ast mit dem hölzernen Unterleib eines Putto. Eine ähnliche Arbeit zeigte Võ 2014 auf der Parasophia in Kyoto - einer Schau über künstlerische zeitgenössische Positionen weltweit -, wo er einen römischen Torso zum Ausgangspunkt seiner künstlerischen „Umwertung“ machte.

     Danh Võ vertritt Dänemark auf der diesjährigen Biennale in Venedig und erlangte weltweite Bekanntheit durch eine Reihe viel beachteter Einzel- wie Gruppenausstellungen. Als Stein des Anstoßes gilt seine Einzelpräsentation in der Kunsthalle Basel 2009. Seitdem hat er an Biennalen in Berlin, Gwangju und Singapur teilgenommen sowie an Ausstellungen in der Fundacio Joan Miro in Barcelona und im Museum of Modern Art in New York. Viel Beachtung erhielt auch seine große Einzelausstellung in der Kunsthalle Fridericianum in Kassel, dem Art Institute und der Renaissance Society Chicago, dem Kunsthaus Bregenz und dem Musée d'Art moderne de la Ville de Paris.
Robert Woitschützke

 

Die Ausstellung „Danh Võ. Ydob eht ni mraw si ti“ ist bis zum 25. Oktober 2015 zu sehen.
Museum Ludwig
Heinrich-Böll-Platz
50667 Köln
Tel. 0221 / 22126165
Öffnungszeiten
DI – SO 10 – 18 Uhr
jeden 1. DO im Monat 10 – 22 Uhr

 

 

 

 


 

 

  

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