rheinische ART
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rheinische ART 04/2012

 

ARCHIV 2012

Jan Albers in der Langen Foundation

 

 

Dynamischer Parcours

 

 

Jan Albers, thrEEhundrEdtwEntytwOupanddOwnfrOmdusktiLLdawn, 2012, Graphit & Sprühfarbe auf Holz & Polystyrol, 240 x 150 cm, ©Courtesy VAN HORN, Düsseldorf

 

Unter dem Titel „parcOursmOrtale“ präsentiert die Langen Foundation rund 25 Arbeiten aus den letzten drei Jahren Jan Albers´. Es ist der Auftakt einer Reihe monografischer Ausstellungen zeitgenössischer Künstler im sogenannten „Japanraum“ des Hauses, parallel zur laufenden Hommage an Marianne Langen (mehr).


„ICH BAUE BILDER“ umschrieb Jan Albers einst seine Arbeitsweise. Die von ihm verwendeten Materialien und Arbeitstechniken sind dementsprechend eher im Bereich handwerklicher und industrieller Produktion anzusiedeln, als in einem Künstleratelier. Metallrohre, Kupfer, Keramik, Anstecker, Acrylfarbe, Reißzwecke, Blattgold, Papier und Holz werden zerschnitten, gewoben und gestanzt. Albers erarbeitet sich damit meist rechteckige, oft farbintensive Tableaus, die in Plexiglasboxen umfasst, das Ergebnis seiner Arbeit festhalten. Der oft auf die Werke angewandte Doppel-Begriff „Objekt-Bilder“ charakterisiert ihr Wesen.

   Diese Werke werden flankiert von aggressiv in den Raum hineinragenden Metall-Konstruktionen. Albers` Arbeiten sind raumgreifend. Bei einer Ausstellungsarchitektur wie dem strengen Betonkubus, dem Japanraum Tadao Andos, ergibt dies ein spannendes Aufeinandertreffen.

 

Rhythmisierung des Raumes

 

Den extrem langgestreckten Oberlichtsaal verwandelt Albers in einen dynamischen Parcours. Dabei übernimmt er den abgetönten gestrichenen Putz der vorhandenen Ausstellungswände, unterteilt diese aber in lange, graue Felder. Nur auf diese hervorgehobenen Felder, ausgenommen beim Werk „perfOrieteswOOlegghalluzinOgenpOrtal“, hängt Albers seine Objekt-Bilder. Es entsteht ein Bild-Portal, das die Unterscheidung zwischen Bild und Objekt, Fläche und Raum verwischt und so die Linearität des Raumes unterbricht. Ebenso vermeidet es der Künstler, die einzelnen Werke austariert auf die Wandfläche zu verteilen. Durch eine unterschiedliche Dichte und Weite der Hängung erreicht er eine Rhythmisierung des Raumes.

   Die angestrebte veränderte Wahrnehmung der Räumlichkeit seitens des Besuchers wird verstärkt durch Metall-Konstruktionen, die in den Raum hineinragen. „Belästigungskunst, die sich dem Betrachter in den Weg stellt“, nennt Albers seine Werke. Als Metallskulpturen nähern sich die galvanisierten und pulverbeschichteten Rohre ästhetisch der Minimal Art an. Als Metall-Konstruktionen begrenzen sie jedoch die Bewegungsfreiheit des Besuchers, halten ihn auf Abstand. Es sind die sichtbarsten Eingriffe in die Architektur.

 

Installationsansicht Jan Albers „parcOursmOrtale“ im Japanraum, Foto Langen Foundation

 

Der Künstler betont, dass die Präsentation seiner Arbeiten ihm genauso wichtig ist, wie diese selbst. Beide seien nicht voneinander zu trennen. Die einzelnen Werke können bei ihm sowohl als autonome Einheit betrachtet, als auch in ihrer Wirkung in der Gesamtheit der Raumstruktur erfahren werden. Mit diesem Bildbegriff hat Albers das Feld der Malerei verlassen, ist objekthaft geworden.

 

Abstrakt versus figurativ

Jan Albers, perfOrierteswOOlegghalluzinOgenpOrtal, 2011, Wolle und Sprühfarbe auf Holz, 191 x 136 cm, © Courtesy VAN HORN, Düsseldorf

 

Den Objekte-Bildern unterliegt eine strenge Struktur. Handwerkliche Pixel, vorgegeben durch das additive Rechteckmuster gewobenen Papieres. Auf und mit dieser Struktur setzt Albers weitere Strukturen und freie Bildgegenstände. Die Ordnung kontrastiert er mit freier Gestaltung, einem Mix der Materialien, mit Vielschichtigkeit und Widerspruch. Figurative Assoziationen treffen auf abstrakte Farbkontraste. Konkrete Schriftzeichen und Slogans werden aus der abstrakt additiven Reihung von Quadraten generiert.

   Es ist diese Mehrdeutigkeit in der Wahl der Form, die die Spannung beim Betrachter erzeugt. Am augenfälligsten ist dabei seine Verwendung selbstgestalteter Buttons. Hier erweitert Albers die Mehrdeutigkeit um den Bereich direkt formulierter Inhalte.
   Der oft sehr abstrakten Gestaltung setzt er somit das plakativ konkrete der Piktogramme und Slogans der Buttons „Stop Apartheid Repression!“ entgegen. Mehr als bloß Eyecatcher, ziehen sie den Betrachter in das Bild hinein und fordern ihn auf, Position zu beziehen.

   Das Aufeinandertreffen abstrakter und plakativer Bildmotive erzeugt einen Kontext, der aus abstrakten Bildformen konkrete Darstellungen macht. So werden gebogene, schwarz lackierte Röhren im Kontext von „Apartheid und Nelson Mandela“ zur greifbaren Verbildlichung eines politischen Inhaltes.

 

 

Jan Albers, redrOOster, 2011, Holz, Sprühfarbe und Badges auf Papier, 100 x 70cm, © Courtesy VAN HORN, Düsseldorf

Ästhetische Erfahrung -

politische Reflexionsebene


Diese Dichotomie des Werkes veranlasst Kay Heymer in der gerade erschienenen Monografie zu Jan Albers, dem Künstler ein Wechselspiel „zwischen Nelson Mandela und Ellsworth Kelly“ zuzuschreiben. Erzeugt werde eine Spannung zwischen politischem Engagement und spiritueller Sehnsucht, so Heymer.

   Kunst kann bei Albers beides zugleich sein – eine ästhetische Erfahrung wie auch eine politische Reflexionsebene. In Namibia als Sohn politisch engagierter Missionare aufgewachsen und früh konfrontiert mit politischer Gewalt, greift er damit Fragestellungen der Kunst der 60´er und 70´er Jahre auf. Ihm gelingt die Überwindung festgefügter Gattungen und Zuschreibungen, wobei künstlerischer Erfindungsreichtum und abstrakte ästhetische Entwürfe seine Arbeit auszeichnen. Albers baut Kunst, die den Raum gestaltet - auch den gesellschaftlichen.


Jan Albers, Jahrgang 1971, studierte an der Kunstakademie Düsseldorf. Er lebt und arbeitet in der Landeshauptstadt. 2006 erhielt er den Pollock Krasner Foundation Award. 2007 war er Kaiserringstipendiat der Stadt Goslar. Zur aktuellen Schau erscheint die erste umfassende Monografie, herausgegeben von Christiane Maria Schneider, Langen Foundation.

 

Martin Korbmacher

 

Die Ausstellung "Jan Albers „parcOursmOrtale" ist bis zum 24. Juni 2012 zu sehen.
Langen Foundation
Raketenstation Hombroich1
41472 Neuss
Tel. 02182 / 57 01 15
Öffnungszeiten

Täglich 10 - 18 Uhr

 

 

©www.rheinische-art.de
 

 

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