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rheinische ART 12/2015

Raymond Voinquel Edith Piaf, 1947 | © Ministère de la Culture - Médiathèque du Patrimoine, Dist. RMN-Grand Palais/ Raymond Voinquel /Bibliothèque nationale de France (BNF)

 

Archiv 2015 

GEBURTSTAG EINES NATIONALSYMBOLS

Édith immortal

 

Ihre außergewöhnliche Stimme hat sie unsterblich gemacht. Ganz Frankreich feiert über das Jahr den 100. Geburtstag von Édith Piaf. Eine große Schau zu Ehren der Chanson-Sängerin war in der französischen Nationalbibliothek in Paris zu sehen.

 

Mehr als sonst hat sich das Land in diesem Jahr dem „Spatz von Paris“ gewidmet, mehr als sonst sind ihre einzigartigen Chansons zu hören. Ob "Non, rien de rien..." oder "Allez, venez Milord...", selbst der des Französischen nicht mächtige Hörer weiß die Musikstücke zuzuordnen, kann sich dem Zauber der Klänge kaum verschließen.

     Die Ausstellung in der Nationalbibliothek, eine von mehreren zwischen Lille und Marseille, bot allerhand auf. Hunderte von Exponaten, darunter viele bislang nicht gezeigte, dokumentierten den Weg der 1,47 Meter kleinen ehemaligen Straßensängerin, die auszog, ein Star zu werden und eine internationalen Ikone der Musikszene wurde.

 

Gaston Girbal: Werbungplakat Édith Piaf disques Columbia. 1951 | © D.R , Bibliothèque nationale de France (BNF), Estampes et photographie

 

Mythos Die Exponate waren gleichzeitig Zeugnisse eines bewegenden und aufregenden aber recht kurzen Lebens, eines ausschweifenden Lebenswandels und eines tragischen Endes. Sie beleuchteten den Mythos Édith Piaf (1915-1963) unter verschiedenen Gesichtspunkten.

     Wie konnte aus dem Gossen- und Zirkuskind ein Idol des Volkes werden? Wie lässt sich ihre bis heute andauernde Popularität erklären? Wie wurde aus der Boulevard-Sängerin eine der berühmtesten Musikerinnen des 20. Jahrhunderts?

      Plakate, Briefe, Zeitungsartikel, Fotografien, Programme, Texte, Melodien und vieles andere belegten den Einfluss der Piaf auf die französische Musik und vermittelten eindrucksvoll die Stationen ihres Lebens und Schaffens. Auch fehlte eines der berühmtesten Merkmale ihrer Bühnenarbeit nicht: das kleine Schwarze.


Édith Piaf, am 19. Dezember 1915 als Édith Giovanna Gassion im Pariser Arbeitervorort Belleville geboren, war die Tochter einer Rummelplatz-Sängerin und eines Straßenakrobaten. Sie wuchs in ärmsten Verhältnissen auf. Die ersten Sprechübungen soll sie der Legende nach im Bordell ihrer Großmama gemacht haben.

     Die kleine Édith trat mit dem Vater im Wanderzirkus auf und mit zehn begann sie zu singen. Fünf Jahre später schlug sie sich als laute Göre auf den Straßen der Stadt als Sängerin durch. Später, als sie schon ein Star war, bekannte sie stets offen, dass das Singen für sie eine Flucht aus der Armut war.

 

Édith Piaf und Robert Juel, ihr erster Begleiter auf dem Akkordeon und zeitweiser Leibwächter, Paris 1936 | © PhotoStarpress, D.R/ Bibliothèque nationale de France (BNF) Estampes et photographie

 

Ein Variéte-Betreiber namens Louis Leplée erkannte das Talent der zierlichen Sängerin und ließ sie in seinem „Le Gerny’s“ mit ihren Liedern auftreten. Nicht ohne ihr vorher einen zugkräftigen Künstlernamen zu verpassen: „la môme piaf“, was soviel wie „Spatzengöre“ bedeutet. Das war der Karrierestart einer der schillerndsten Künstlerexistenzen des 20. Jahrhunderts.

     Eine Kombination aus umfangreichem Repertoire, sympathischer Persönlichkeit, einzigartiger Stimme und Temperament garantierten die Erfolge. „Jedes Mal, wenn sie singt,“ so einst der Künstler, Verehrer und Landsmann Jean Cocetau (mehr), „meint man, sie risse sich endgültig die Seele aus dem Leib.“


Liebeslieder
 Édith Piafs Kernthema auf der Bühne und vor dem Mikrophon: die Liebe. Sie besang sie, ja beweinte sie fast, ließ sie meist traurig enden und rührte damit das Publikum zu Tränen. Es waren sentimentale Texte, die durch ihre kräftige, rauchige, brüchige aber oft auch bittersüße Stimme zu wahren Hymnen der Liebenden erhöht wurden und das ganze Elend der Welt ausdrückten.


Charles Kiffer: Werbeplakat für die Polydor-Platten von Edith Piaf | © ADAGP, Paris 2014/ Bibliothèque nationale de France (BNF), Estampes et photographie

 

Katastrophen und Karriere  Die zierliche und kleine Chanteuse ließ nichts aus und lebte exzessiv. Sie war abhängig von Alkohol und krankheitsbedingt von Morphium. Sie hatte leidenschaftliche Affären mit allen möglichen Kino- und Showgrößen. Zu ihrem Männerkonsum gehörten nachweislich Eddie Constantine, Yves Montand, George Moustaki und Charles Aznavour, deren Karrieren sie aber auch alle aktiv und generös förderte.

     Édith Piaf, die kranke und schwierige Diva, die mit 43 Jahren nur noch 36 Kilogramm wog, fasste alles einfach im berühmten und trotzigen Chanson-Satz zusammen: „Non, je ne regrette rien!“ (Nein, ich bereue nichts!). Und wenn sie, bereits todkrank, dieses Bekenntnis in einen Saal schmetterte, so wie Ende 1960 in der Pariser Konzerthalle „Olympia“, in der sie sieben Jahre lang die größten Triumphe feierte und ihren Weltruhm begründete, dann raste die Fan-Gemeinde.
      Ihre offenbar wahre, jedenfalls extrem glorifizierte Liebe, der Boxer Marcel Cerdan, starb 1949 bei einem Flugzeugabsturz. Sie heiratete - zum zweiten Mal - noch kurz vor ihrem Tode einen zwanzig Jahre jüngeren Mann, den Friseur und Sänger Théo Sarapo. Als sie schwer erkrankt mit 47 Jahren verstarb, war sie bereits Legende und ihre Beerdigung geriet zu einem Volkstrauertag.

Claus P. Woitschützke

 

 

Literaturhinweis
Jens Rosteck
Édith Piaf
Hymne an das Leben
Biographie
Propyläen Verlag, Berlin 2013
464 Seiten
ISBN 978-3-549-07419-0

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

  

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