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rheinische ART 01/2018

Archiv 2018

GEORG BASELITZ
Der Umkehrer


Er provozierte, eckte an, sorgte für Aufsehen und malte schreiende Verrücktheiten und monströse Bilder. Sein letzter Aufschrei richtete sich gegen das geplante Kulturgutschutzgesetz vor drei Jahren. Der Maler zog alle seine Leihgaben aus deutschen Museen ab. Georg Baselitz feiert nun seinen 80. Geburtstag.

 

Georg Baselitz in der Fondation Beyeler, 2018 © Fondation Beyeler, Foto: Matthias Willi

 

Das alles ist Anlass genug, dem unbequemen „Berserker der Malergilde“, wie ihn das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung einmal nannte, Ausstellungen zu widmen.

 

Georg Baselitz Oberon (1. Orthodoxer Salon 64 – E. Neijsvestnij), 1964, Öl auf Leinwand, 250 x 200 cm, Städel Museum, Frankfurt am Main, Fotoquelle Fondation Beyeler Riehen © Georg Baselitz, 2018 Foto © Städel Museum – ARTOTHEK

 

Georg Baselitz Fingermalerei – Adler, 1972, Öl auf Leinwand, 250 x 180 cm, Bayerische Staatsgemäldesammlung, Pinakothek der Moderne, Wittelsbacher Ausgleichsfonds, München, Fotoquelle Fondation Beyeler Riehen © Georg Baselitz, 2018 Foto: Bayer & Mitko – ARTHOTEK

 

Ausstellungen In Deutschland zeigen Museen in München, Berlin und Leverkusen Schauen mit Baselitz-Werken aus ihren Beständen. Wer einige seiner bekanntesten Schlüsselwerke sehen will, muss jedoch in die Schweiz reisen.

     Dort widmet die Fondation Beyeler in Riehen dem deutschen Maler, Grafiker und Bildhauer eine große retrospektive Werkschau, die in enger Kooperation mit dem Künstler konzipiert wurde.
     Das Kupferstichkabinett des benachbarten Kunstmuseums Basel beleuchtet eine andere Seite seines Könnens und ehrt den „bedeutendsten Protagonisten der deutschen Nachkriegskunst“ parallel mit einer Zeichnungsretrospektive. Hundert großformatige und farbige Blätter geben dort Einblick in Baselitz´ sechzigjährige intensive zeichnerische Tätigkeit.


In der Beyeler-Schau sind viele der wichtigsten Gemälde und Skulpturen, die Baselitz in den letzten sechs Jahrzehnten geschaffen hat, vereint. Dazu haben die Kuratoren neue Werke gehängt, die noch nicht öffentlich gezeigt wurden. Insgesamt wird mit kraftvollen und spannungsgeladenen Arbeiten aus allen Schaffensperioden die überragende Spannweite dieses großen Künstlers deutlich, wie das Haus mitteilt.


Georg Baselitz (*1938) zählt zu den bedeutendsten Künstlern der Gegenwart und zu den wenigen zeitgenössischen Kreativen, die tief in der Geschichte der europäischen und amerikanischen Malerei verwurzelt sind.
     Der gebürtige Sachse, der eigentlich Georg Kern heißt und sich 1961 nach seinem Wechsel von Ost- nach Westdeutschland nach seinem Geburtsort Deutschbaselitz in "Baselitz" umbenannte, begann 1956 sein Studium der Malerei an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Ostberlin, das er nach zwei Semestern an der Kunsthochschule in Westberlin fortführte und 1963 als Meisterschüler abschloss.

     Seine erste Einzelausstellung fand im selben Jahr in der Galerie Werner & Katz in Berlin statt. Baselitz ist Commandeur de l’Ordre des Arts et des Lettres und Ehrenprofessor der Royal Academy of Arts in London. Er lebt und arbeitet in Basel, am bayerischen Ammersee und in Imperia an der Ligurischen Riviera

 

Georg Baselitz Schlafzimmer, 1975, Öl und Kohle auf Leinwand, 250 x 200 cm, Privatbesitz, Fotoquelle Fondation Beyeler Riehen © Georg Baselitz, 2018 Foto: Jochen Littkemann, Berlin

 

Georg Baselitz Porträt Elke I, 1969, Dispersionsfarbe auf Leinwand, 162 x 130 cm, Privatbesitz, Fotoquelle Fondation Beyeler Riehen © Georg Baselitz, 2018 Foto: Jochen Littkemann, Berlin

 

Bildsprache Baselitz gilt als Erfinder einer figurativen Bildsprache, die aus einem reichen Repertoire an ikonografischen und stilistischen Elementen schöpft. In seinen Bildfindungen erlangen diese, wie die Ausstellungsmacher in Riehen betonen, jedoch widersprüchliche und ambivalente Bedeutung. So funktioniert Baselitz’ Malereikosmos wie ein Spiegelkabinett, in dem eigene, erinnerte und imaginierte Bilder mit kunsthistorischen Vor-Bildern zu neuen Bildkompositionen verschmelzen.

     Vor allem sucht er immer wieder neue expressive Ausdrucksformen. Neben seinen Schlüsselwerken der Sechzigerjahre wie die Helden- und Fraktur-Bilder wird dies vor allem an den auf dem Kopf gestellten Motiven deutlich, mit denen er in den Siebziger- und Achtzigerjahren berühmt wurde.

     Der forsche Maler, der das Akademische nie schätzte, erntete auch stets Gegenwind. Der irritierende Trick mit der Bild-Umkehrung, also alles auf den Kopf zu stellen, wie auch das Unterfangen, seine wichtigsten Gemälde in einer Art Light-Version noch einmal zu malen und sie dann schlicht als Remix-Serie zu veräußern, wurde von manchen Kritikern und Kunstkennern als nichts anderes gesehen, als dass der sensible Meister damit seine mangelnde Phantasie kaschieren wolle.
     Die Werkschau in der Fondation Beyeler zeigt ferner großformatige Holzskulpturen, darunter die erste von Baselitz aus Holz gehauene und bemalte Arbeit, die 1980 auf der Biennale von Venedig einen kulturpolitischen Skandal auslöste. Gemälde aus der Remix-Serie sowie erst kürzlich entstandene Arbeiten vervollständigen den Blick auf einen der eigensinnigsten Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts.

 

Georg Baselitz Spaziergang, 2004, Aquatinta (Zuckertusche) auf Somerset white satin, 84,5 × 65,5 cm © Georg Baselitz, 2017 Foto: Jochen Littkemann, Berlin, Fotoquelle Museum Morsbroich Leverkusen

 

Wer im Rheinland bleiben will, findet im Leverkusener Museum Morsbroich eine interessante und sehenswerte Schau, die Baselitz als experimentierfreudigen Grafikkünstler vorstellt. Weniger bekannt ist, dass er die technischen und gestalterischen Möglichkeiten der Druckgrafik konsequent ausnutzte und zum Wegbereiter einer Renaissance des Holzschnitts in den 1980er Jahren wurde.

     Durch seine häufigen Rückgriffe auf Motive seiner Zeichnungen und Gemälde entstand so ein enorm vielfältiges und eigenständiges druckgrafisches Œuvre. Für die Ausstellung wurden die herausragenden Eigenbestände des Museum Morsbroich, bestehend aus Werken der 1960er bis 1990er Jahre, durch jüngere und aktuelle Druckgrafiken ergänzt, die zusammen mit dem Künstler ausgewählt wurden.
cpw


Retrospektive
Die Ausstellung „Georg Baselitz: Retrospektive Werkschau“ wird bis zum 29. April 2018 gezeigt.
Fondation Beyeler
Baselstrasse 101
CH-4125 Riehen / Basel
Tel. +41 - (0)61 - 645 97 00
Öffnungszeiten
MO - SO 10 – 18 Uhr
MI 10 – 20 Uhr

 

Zeichnungen
Die Ausstellung „Georg Baselitz. Werke auf Papier“ endet ebenfalls am 29. April 2018.
Kunstmuseum Basel
St. Alban-Graben 16
CH-4010 Basel
TEL. +41 61 206 62 62
Öffnungszeiten
DI - MI 10 - 18 Uhr
DO 10 - 20 Uhr
FR - SO 10 - 18 Uhr


Druckgrafik
Die Ausstellung „Georg Baselitz. Heulende Hunde. Druckgrafik 1964 – 2017“ kann bis zum 4. März 2018 besucht werden.
Museum Morsbroich
Gustav-Heinemann-Straße 80
51377 Leverkusen
Tel. 0214 / 85556-0
Öffnungszeiten
DI - SO 11 - 17 Uhr
DO 11 - 21 Uhr

 

 

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