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rheinische ART 04/2018

Gerhard Marcks Albertus Magnus (Modell II), Bronze 1955 / 1970, Höhe 85 cm, © Kunsthaus Lempertz, Photo: Helmut Buchen / VG Bild-Kunst Bonn 2018

 

Archiv 2018
GERHARD MARCKS
Der rastlose Bildhauer

 

Wer sich heute mit dem Werk von Gerhard Marcks befasst, ist ebenso erstaunt wie beeindruckt. Denn der Künstler hinterließ vermutlich bis zu 85.000 Zeichnungen.

 

Warum das so ist, zeigt eine interessante Ausstellung im Kölner Käthe Kollwitz Museum.

     Es war eine Eigenart von Marcks, seine Bildwerke nicht nach der Natur zu modellieren, wie es die meisten seiner Kollegen taten. Er verwendete ausschließlich seine Skizzen und Zeichnungen. Im gleichen Maß, wie ihm die Zeichnung zur Aneignung der Natur diente, wurden sie ihm zum Mittel, um sich bei der plastischen Arbeit vom konkreten Vorbild zu distanzieren: Nicht das Abbilden der Natur war sein Ziel, sondern das Finden einer neuen Form. Die Kollwitz-Schau „Gerhard Marcks – Der Bildhauer denkt! Von der Zeichnung zur Plastik“ unterstreicht mit eindrucksvollen direkten Vergleichen von Zeichnungen und bildhauerischen Arbeiten dieses Vorgehen.

 

Gerhard Marcks „Hockender Araber“, Bronze, 1981, vor der Bleistiftskizze „Sitzender“, 1955
© Gerhard-Marcks-Stiftung, Bremen. Bildmontage KKMK 2018. VG Bild-Kunst Bonn 2018

 

Der Bildhauer Gerhard Marcks (1889–1981) war einer der Großen seiner Zeit. Für drei Jahrzehnte – nämlich zwischen 1930 und 1960 – war er ohne Zweifel der zentrale Akteur der modernen figürlichen Tradition in Deutschland. Und das Zeichnen war für ihn die wichtigste Methode, um Formen zu entwickeln: das Studium des Modells als wesentlicher Schritt vor der freien Gestaltung einer Skulptur.
 

Gerhard Marcks, Ende 1940er Jahre © Gerhard-Marcks-Stiftung, Bremen,
VG Bild-Kunst Bonn 2018

 

Gerhard Marcks in seinem Kölner Atelier bei der Arbeit am Gipsmodell
zur »Trauernden«, um 1948 © Gerhard-Marcks-Stiftung, Bremen, VG Bild-Kunst, Bonn 2018

 

Seine Vita ist beeindruckend. Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete der gebürtige Berliner in den brandenburgischen Steingutfabriken Velten-Vordamm, in der Kunst-, Bau- und Gebrauchskeramik produziert wurde. Die namhafte Fabrik war ein Treffpunkt zahlreicher Kreativer, wie etwa der Bauhauskeramiker Theodor Bogler und Werner Burrisowie.

     Marcks fertigte dort farbig glasierte Tierplastiken. Bereits 1919 wurde er an das Bauhaus nach Weimar berufen (mehr) und leitete schon ein Jahr später die Bauhaus-Töpferei in Dornburg an der Saale.

     Es war der Maler Lyonel Feininger (mehr), der Gerhard Marcks anregte, sich auch mit dem Holzschnitt zu befassen. Bei dem Umzug des Bauhauses von Weimar nach Dessau wurde die Töpferei jedoch nicht übernommen. Marcks wechselte als Lehrer der Bildhauerklasse an die Kunstschule Burg Giebichenstein, deren zeitweiser Rektor er wurde.

     1933 entließ das NS-Regime den Bildhauer aus dieser Position, da er sich für den Verbleib jüdischer Lehrkräfte an seiner Schule eingesetzt hatte. Fünf Jahre später diffamierten die Nationalsozialisten zahlreiche seiner Werke und präsentierten fünf von ihnen in der Ausstellung „Entartete Kunst“. Marcks selbst erhielt Ausstellungsverbot. Nach dem Zweiten Weltkriegs, dessen Ende er auf der Ostseehalbinsel Darß nahe der Künstlerkolonie Ahrenshoop erlebte, begann für ihn eine neue Zeit. Marcks wurde an die Landeskunstschule in Hamburg berufen.


Auf Einladung von Josef Haubrich (mehr) arbeitete Marcks schließlich ab 1950 an bedeutenden Aufträgen in Köln, wo ihm der Stadtrat ein vom Architekten Wilhelm Riphahn erbautes Atelierhaus im Stadtteil Müngersdorf zur Verfügung stellte. Hier blieb er bis zu seinem Tod 1981. Sieben seiner Bildwerke sind heute in der Domstadt zu sehen. Zu den Exponaten der Ausstellung im Kollwitz-Museum zählen deshalb auch das Gipsmodell der »Trauernden«, 1946-49, dem Mahnmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs im Lichthof der romanischen Kirche St. Maria im Kapitol, und zwei in Bronze gegossene Versionen des »Albertus Magnus«, dessen überlebensgroße Ausführung von 1956 heute vor dem Haupteingang der Universität zu Köln steht.

cpw

 

Die Ausstellung "Gerhard Marcks - Der Bildhauer denkt! Von der Zeichnung zur Plastik" ist bis zum 3. Juni 2018 zu sehen.

Käthe Kollwitz Museum
Neumarkt 18.24
Neumarkt Passage
50667 Köln
Tel. 0221 / 227 2899
Öffnungszeiten
DI – FR 10 - 18 Uhr
SA, SO 11 - 18 Uhr

 

 

 

 

 

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