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rheinische ART 10/2011

Archiv 2011: aus "Gelesen"

Wie Viersen zum Treffpunkt der europäischen Musik- und Theaterprominenz wurde

Von Simon Hopf

 

Cover des Buches "Viersen schrieb Kulturgeschichte"

 

 

 

Es ist ein Lob der Provinz. Und dies zu Recht! Denn dass in Deutschland Hochkultur auch im Schatten der Metropolen gepflegt wird und bis heute zu finden ist, belegen nicht allein Weimar und Bayreuth, sondern auch Städte wie – Viersen.


Viersen? Jenseits des Niederrheins mögen selbst leidlich Kulturinteressierte wenig bis gar nichts mit der Stadt unweit der niederländischen Grenze anzufangen wissen. Diejenigen aber, die erlebt haben, was nach dem Zweiten Weltkrieg an kulturellen Glanzlichtern ebendort gesetzt wurde, werden es anders sehen: Viersen!

   Dieses Selbstbewusstsein ist denn auch alles andere als übertrieben: „Viersen schrieb Kulturgeschichte“. Ein Buch, das diesen Titel trägt, weckt beim Leser höchste Erwartungen. Zumal dann, wenn den Einband niemand anderes als die Dirigenten-Legende Herbert von Karajan in großer Pose ziert. Kurzum, man darf gespannt sein auf das, was sich in der niederrheinischen Provinzidylle zwischen 1945 und 1970 in kultureller Hinsicht wohl ereignet haben mag …

 

 

Blick in die Festhalle nach dem Zweiten Weltkrieg

 

Schon auf den ersten Seiten entfaltet sich ein Who’s who, das einem die Sprache verschlagen könnte: Von den Berliner Philharmonikern bis zum Royal Philharmonic Orchestra London, von Karajan bis Furtwängler, von Gründgens bis Quadflieg, von Anders bis Prey. Weltbekannte Klangkörper und ebenso berühmte Dirigenten, deutsche Schauspielstars und Sänger – sie alle fanden den Weg nach Viersen.
    Mittelpunkt dieses einzigartigen Défilées war die Viersener Festhalle, die sich aufgrund ihrer herausragenden Akustik internationaler Aufmerksamkeit erfreute – und die auf wundersame Weise die schweren Bombenangriffe auf Viersen während des Krieges nahezu unbeschädigt überstanden hatte. Damit gehörte dieser Konzert- und Theaterbau zu den wenigen Gebäuden seiner Art überhaupt, die in den ersten Nachkriegsjahren den passenden Rahmen für Kulturgenuss der Spitzenklasse bieten konnten. Diese „Pole Position“, wie man Neudeutsch wohl sagen würde, wusste man in Viersen in einem parteiübergreifenden Konsens zu nutzen: trotz oder gerade wegen der Trümmer, in denen die Menschen mühsam in den Alltag zurückfanden. Wo einerseits das Allernotwendigste kaum zu beschaffen war, mochte der Wille, höchstkarätiger Kultur einen Entfaltungsraum zu bieten, zugleich ein Glaubensbekenntnis dafür sein, dass der Wiederaufbau und eine Rückkehr zur Normalität nach Jahren von Diktatur und Barbarei zu schaffen seien.

 

Goldene Jahre


Erschienen ist das Buch als Band 37 der Schriftenreihe des Vereins für Heimatpflege Viersen. Georg Holtmeyer hat in einer akribischen Studie „die goldenen Jahre“ der Festhalle wieder aufleben lassen. Historische Hintergründe und eine ausführliche Rückschau auf Programme und Spielpläne ermöglichen es dem Leser, nachvollziehen zu können, was Viersen in den Nachkriegsjahren in kultureller Hinsicht so einzigartig machte.


ISBN 978-3-9813463-2-9
Verkaufspreis: 17 Euro
www.heimatverein-viersen.de

 

 

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