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rheinische ART 09/2021

HARALD DEILMANN
Lebendige Architektur

 

Sein Name ist nicht jedem bekannt. Aber viele seiner Bauwerke sind Hingucker und Wahrzeichen. Zum Beispiel der Düsseldorfer Fernsehturm.

 

Fernsehturm Düsseldorf (1978-1982) von Harald Deilmann und Gehrys expressive „schiefe Häuser“ am Neuen Zollhof im Düsseldorfer Medienhafen (mehr) stehen für den Strukturwandel des alten Hafenareals. Foto: Stefan Rethfeld Bildquelle © Baukunstarchiv NRW 2021

 

Harald Deilmann (1920–2008) war einer der bedeutendsten Architekten der Nachkriegsmoderne. Aus Anlass seines 100. Geburtstags widmet ihm das Museum für Baukultur eine Einzelausstellung im Baukunstarchiv NRW in Dortmund.

     Die Frage des Wohnens erforschte er grundlegend und entwarf neuartige Wohnformen, die in der Bonner Republik für Furore sorgten. Und dies nicht nur für andere, sondern auch für sich und die Seinen.
Sein privates Eigenheim in Münster, das er für die fünfköpfige Familie baute, war so neuartig, dass die Nachbarschaft geringschätzig von einem „Lok-Schuppen“ sprach, wie sich Sohn Thomas Deilmann (*1950) in einem Feature erinnert.

 

Portrait von Harald Deilmann (2005). Foto Wiechmann Aiette-Shagal. Bildquelle © Baukunstarchiv NRW 2021

 

Was damals so manche über das moderne, neuzeitliche Refugium der Deilmanns denken mochten? Vermutlich: „Mein Gott, gut dass wir so nicht leben müssen wie diese Leute“, so Thomas Deilmann, heute ebenfalls renommierter Baumeister und Stadtplaner. Dem Nachwuchs hat es also nicht geschadet, ganz im Gegenteil.

 

West LB Düsseldorf (1974-1978). Harald Deilmann war beeinflusst vom finnischen Baumeister Alvar Aalto und dessen organischen Bauens. Deilmann vertrat „Offenheit als Prinzip“, sein Interesse an neuartiger Raumkonzeption kennzeichnen das Gebäude. Foto: Stefan Rethfeld Bildquelle © Baukunstarchiv NRW 2021

 

Aggertalklinik, Fachklinik in Engelskirchen (1957-1961). Die Tageszeitung DIE WELT 1961 zur Eröffnung der damaligen Lungenheilstätte: "Gebaut mit Sachlichkeit und Phantasie“. Foto: Stefan Rethfeld Bildquelle © Baukunstarchiv NRW 2021

 

Die Ausstellung „Harald Deilmann – Lebendige Architektur“ stellt erstmals einer breiten Öffentlichkeit das umfangreiche architektonische Lebenswerk des gebürtigen Gladbeckers vor.

     Deilmanns Wirken als Architekt und Stadtplaner, als langjähriger Hochschullehrer, als Preisrichter, Berater und Kunstförderer war vielfältig, die Auseinandersetzung mit nahezu allen Bereichen der Architektur blieb für ihn charakteristisch.

     Sein Werkverzeichnis umfasst rund 1.700 Projekte. Deilmanns Büros – neben Münster unterhielt er zeitweise Niederlassungen in Stuttgart, Dortmund und Düsseldorf – nahmen an über 700 Wettbewerben teil. Er erhielt über 150 Auszeichnungen, darunter 70 erste Preise.

 

Zu den bekanntesten Bauwerken von Deilmann zählen das Stadttheater Münster (1956, mit M. von Hausen, O. Rave und W. Ruhnau), die Kurklinik Bad Salzuflen (1957), die WestLotto-Bauten in Münster (1960, 1978) sowie die beeindruckenden Gebäude der Westdeutschen Landesbank in Münster (1975), Dortmund (1978), Luxemburg (1978) und Düsseldorf (1982).

     Als sich ab 1964 die bildungspolitischen Debatten um die Krise im Schulwesen drehten und unablässig von Bildungskatastrophe und Bildungsnotstand die Rede war, setzte der Baumeister aus Münster mit wegweisenden Schulgebäuden etwa in Dorsten und Lemgo, einer Berufssschule in Gelsenkirchen (1968) sowie der John F. Kennedy-Schule in Berlin neue Maßstäbe im Bildungsbau.

     Und mit seinen Rathäusern in Gronau und Minden erprobte Deilmann letztlich auch in den 1970er-Jahren urbane Nutzungskonzepte, wie sie auch in anderen Städten zu der Zeit realisiert wurden.

 

Deilmanns höchstes Projekt: Der Rheinturm in Düsseldorf mit 260,5 Metern, gleichzeitig höchstes Bauwerk der Stadt und ausgestattet mit einer Lichtskulptur, die als größte digitale Uhr der Welt gilt. Der 1982 fertiggestellte Fernsehturm ist mit den benachbarten Gehry-Bauten längst zu einem Symbol moderner Architektur im Rheinland und zu einem Wahrzeichen der Landeshauptstadt geworden.

 

Unvollendet: Harald Deilmanns Gebäude des Clemens-Sels-Museum Neuss (1963-1975).Foto: Stefan Rethfeld Bildquelle © Baukunstarchiv NRW 2021

 

Anders ist es da auf der gegenüberliegenden Rheinseite. Das dortige Neusser Clemens-Sels-Museum mit seiner farbig-markanten Verschachtelung wurde nie wirklich fertiggestellt. Was allerdings dem Besucher nicht zwingend ins Auge fällt, eher dem  Architekturkenner. Harald Deilmanns Entwürfe integrierten zwar 1975 das historische Obertor in den Museumkomplex, doch eine temporäre Schwäche der Stadtkasse verhinderte eine zweite Bauphase und damit eine sinnvolle Expansion.


Die Ausstellung thematisiert auch die Frage nach dem heutigen Umgang mit den Werken Deilmanns: Einzelne Bauten, wie etwa das Neusser Kunst- und Heimatmuseum, stehen bereits unter Denkmalschutz oder werden saniert; andere wurden abgerissen; wieder andere harren noch ihrer Wiederentdeckung.

cpw


Die Ausstellung „Harald Deilmann - Lebendige Architektur“ ist ein Partnerprojekt des Baukunstarchivs NRW, des Museums der Baukultur Nordrhein-Westfalen und der Technischen Universität Dortmund. Die Ausstellung wird gefördert durch die LWL-Kulturstiftung und die Andreas Deilmann Familienstiftung.

 
Die Ausstellung Harald Deilmann – Lebendige Architektur ist bis zum 7. November 2021 geöffnet.

Baukunstarchiv NRW
Ostwall 7
44135 Dortmund
Tel. 0231 / 22250150
Öffnungszeiten
DI – SO 14 – 17 Uhr
DO 14 – 20 Uhr


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