rheinische ART
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rheinische ART 05/2012

 

ARCHIV 2012

Schenkung


Knabenbildnis von Max Ernst

 

 

 

Der portraitierte blonde Knabe blickt mit seinen strahlend blauen Augen, die einer gewissen Traurigkeit nicht ganz entbehren, zum Betrachter auf. Der Hintergrund ist summarisch gefasst, wobei die Farben als grünes Kissen und als Sessel oder Ecke eines Sofas mit rotbraunem Stoff gedeutet werden können. Theo Oberle trägt einen Matrosenanzug mit kurzen Ärmeln. Ihre Enden sind wie der Kragen, der über den Schultern liegt, und wie der Latz über der Brust in einem rostigen Rotton wiedergegeben. Eine dunkelblaue Krawatte ist als Schleife um den Kragen geknotet. Das blaue Hemd und das Inkarnat des Gesichts hat Max Ernst durch farbliche Abstufungen nuancenreich modelliert.

Max Ernst, Knabenbildnis, 1912/1913, Max Ernst Museum Brühl des LVR, Stiftung Max Ernst, © VG Bild-Kunst, Bonn 2012

 


Als Schenkung aus dem Nachlass der Familie Oberle erhielt die Stiftung Max Ernst ein frühes, 31,5 x 22 cm großes Ölgemälde von Max Ernst. Das Knabenbildnis wird die „Schausammlung im Wechsel“ des Max Ernst Museums Brühl bereichern. Damit wird die Präsentation des Hauses mit einem weiteren, für die frühe Zeit des Künstlers charakteristischen Werk dauerhaft erweitert.


Max Ernst (* 2. April 1891 in Brühl, † 1. April 1976 in Paris) fertigte während seines Bonner Studiums einige wenige Porträts von Schulkameraden und Bekannten aus Brühl. Das Knabenbildnis zeigt den 1909 geborenen Theo Oberle, Sohn von Prof. Dr. Wilhelm Oberle, der als Oberlehrer am Städtischen Gymnasium Brühl auch Max Ernst unterrichtet hatte. Es ist davon auszugehen, dass es private Verbindungen zwischen den Familien Ernst und Oberle gab.
   Das Ölgemälde dürfte nach Aussagen des Museums 1912 oder 1913 entstanden sein. Einerseits ist der dargestellte Knabe drei oder vier Jahre alt und andererseits führte Max Ernst das Bild mit einem breiten Pinselstrich aus, wobei die Farben pastos auf den Malkarton aufgetragen wurden. Dieser Malstil lässt sich auf die Auseinandersetzung mit Werken von Vincent van Gogh zurückführen. Einen umfassenden Überblick auf das Schaffen dieses „Vaters der Moderne“ hatte Max Ernst in der internationalen Sonderbund-Ausstellung gesehen, die von Mai bis September 1912 in Köln stattfand und an deren Vorbereitung sein künstlerischer Mentor August Macke mitgewirkt hatte.
   Knapp 60 Jahre später weilte der inzwischen weltberühmte Künstler im Rheinland, um im Mai 1971 sowohl der Aufstellung der großen Bronze „Habakuk“ in Düsseldorf als auch der Einweihung des Max Ernst-Brunnens in seiner Geburtsstadt Brühl beizuwohnen. Während seines Besuchs wurde ihm das frühe Gemälde vom Dargestellten mit der Bitte vorgelegt, es zu signieren. Seitdem trägt der Malkarton auf der Rückseite die Unterschrift von Max Ernst zweifach, in Filzstift und mit Kugelschreiber.
rART


 

 

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