rheinische ART
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rheinische ART 02/2018

LEBENDES MUSEUM

Mit Freak-Führung durch die Sukkulenten


Wie bekommt man mehr junges Publikum in die Museen? Und: Kann eine Museumsführung auch einmal von fachfremden „Tour-Guides“ besorgt werden, die mit einem anderen Blick frischen Wind in diese Sache bringen?

 

Die Zürcher Sukkulenten-Sammlung zeigt die faszinierende Artenvielfalt der saftreichen Pflanzen. Kakteen gehören zu den bekanntesten unter ihnen. Foto © Stadt Zürich, Tiefbau- und Entsorgungsdepartement

 

In Zürich und Bern wird diese ungewöhnliche, wenngleich auch nicht ganz neue Form der Museumpräsentation derzeit ausprobiert.

     Einer der Übungsorte ist die von der Stadt Zürich unterhaltene Sukkulenten-Sammlung. Diese gewächskundliche Schausammlung ist sozusagen ein lebendes Museum, in dem Kakteen, Aloen, Algaven und andere Pflanzen aus den Halbwüsten und Steppen der Welt in sieben Gewächshäusern, Frühbeetkästen und einem Steingarten versammelt sind.

 

Exponat Aloe helenae Foto © Förderverein der Sukkulenten-Sammlung Zürich

 

Exponat Agave isthmensis Foto © Förderverein der Sukkulenten-Sammlung Zürich

 

Es ist keine gewöhnliche Kollektion, die den Besuchern kostenlos und ständig zur Verfügung steht. Seit 1931 - also seit fast 90 Jahren - gilt sie als eine der bedeutendsten dokumentierten Spezialsammlungen sukkulenter Pflanzen. Die Zürcher Sammlung wird eigenen Angaben zufolge gar als die „artenreichste Sukkulenten-Sammlung der Welt“ angesehen.


Zur Pflanzengruppe der Sukkulenten gehören alle saftreichen und wasserspeichernden Gewächse der ariden und semiariden Regionen, die in den kargen Regenzeiten Wasser aufnehmen, um in den Trockenzeiten wachsen und blühen zu können.

     Rund 25.000 Pflanzen aus über 6.000 Arten und 77 unterschiedlichen Pflanzenfamilien beherbergt das Zürcher Sammlungshaus. Damit ermöglicht es einen Blick auf rund die Hälfte aller bekannten derartigen Pflanzen weltweit, das ist schon rekordverdächtig.


Als der Kakteenzüchter Jakob Gasser eine von ihm initiierte Pflanzensammlung 1929 an den Warenhausbesitzer Jules Brann verkaufte und dieser sie der Stadt Zürich schenkte, war nicht vorauszusehen, dass sich das „lebende Konvolut“ zur einer derart spektakulären Gewächssammlung ausweiten würde.

     Aus der einstigen Schausammlung wurde ein „lebendes Museum“, das sowohl „die Vielfalt der Sukkulenten als auch die Anpassungsfähigkeit der Pflanzen an ihre speziellen Lebensräume zeigt“, wie der Förderverein des Hauses heute betont. Daneben hat sich die Pflanzensammlung zu einem Kompetenzzentrum für alle Aspekte sukkulenter Gewächse entwickelt und gibt ihr Wissen auf vielfältige Weise an Besucher, Liebhaber und Wissenschaftler weiter.

 

Museumseingang Foto © Förderverein der Sukkulenten-Sammlung Zürich

 

Exponat Haagespotoa sp Foto © Förderverein der Sukkulenten-Sammlung Zürich

 

Die „vielfältige Weise“ des Wissenstransfers umfasst neuerdings eben auch Führungen durch die Sukkulentenwelt mit unkonventionellen „Tour-Guides“ und ebensolchen Programmen.   

     Die kleinen Besuchergruppen von maximal zehn Personen werden von Idealisten, Museumsfreaks oder Kunstfreunden geführt, allesamt keine Experten aber sachlich Interessierte, die einen anderen - in der Regel weniger intellektuellen - Zugang zu den musealen Beständen haben.

     Unterhaltung, Humor und Kurzweil sind die obersten Ziele dieser anderen und lockeren Art der Museumsführung. Die „Guides“ mit ihren Anekdoten und Geschichten sind die eigentlichen Protagonisten und die Fachinformation steht eher hintan.


Hinter diesem doch gewöhnungsbedürftigen Konzept verbirgt sich ein privates unabhängiges Kulturprojekt mit der Bezeichnung „Let´s Museeum“ (#letsmuseeum), das aktuell in zwei Häusern in Bern sowie in Zürich im dortigen renommierten Kunsthaus (mehr), im Museum Rietberg und in der städtischen Sukkulenten-Sammlung umgesetzt wird. Mit den eher schrägen „Freak-Führungen“ sollen dem Besucher neue Eindrücke und Inspirationen vermittelt und der etablierten Museumswelt ein kräftiger Schuss frischer Wind verpasst werden.

 

Blick in das Gartenhaus für amerikanische Sukkulenten (Amerikahaus). Foto © Stadt Zürich, Tiefbau- und Entsorgungsdepartment

 

Das Infotainment für die unkonventionellen Rundgänge wird von den Hobby-Guides selbst entwickelt und gestaltet. In den fünf Museen haben sie lediglich Gastrecht. „#letsmuseeum ist für alle, die sich gerne kurz aus dem Alltag beamen wollen“, sagte die Projekt-Gründerin Rea Eggli der Zeitung Tagesanzeiger im letzten Herbst. „Eine Inspirationsreise mit schnellen Schritten und bester Unterhaltung.“ Die einzelnen Touren, ob in einem der Kunstmuseen oder in der Pflanzensammlung, seien so unterschiedlich wie die Charaktere der Guides.
     Die Idee zu den ungewohnten Präsentationen in den Schweizer Museen entstammt dem New Yorker Format „Museum Hack“, einem 2013 gegründeten Unternehmen. Spezielle Führungen der genannten Art richten sich dort gegen die traditionelle Museumsmentalität, allzu akademisch gefärbte Rundgänge werden vermieden und so auch notorische Museumsskeptiker als Besucher neu gewonnen.
rART/Bra

 

Unterstützt wird Let´s Museeum in der Schweiz für drei Jahre vom Förderfonds Migros Engagement.

 

Sukkulenten-Sammlung Zürich
Mythenquai 88
CH-8002 Zürich, Schweiz
Tel. +41 44 412 12 80
Öffnungszeiten
Täglich 9.00 – 16.30 Uhr
Der Eintritt ist frei. Die Teilnahme an „Let´s Museeum-Führungen“ ist kostenpflichtig.

 

 

 

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