rheinische ART
Start | | Über uns | Impressum | Kontakt | Datenschutz

rheinische ART 08/2012

 

ARCHIV 2012

Malerei, Zeichnung, Skulptur, Fotografie, Screenshot, Video

 

h o r i z o n t a l

 

 

Die Horizontale ist wie ihr Gegenteil, die Vertikale, eine Richtungsangabe, und beschreibt eine waagerechte Ausdehnung. In der Mathematik beziehungsweise für das rationale Denken ist sie von ebenso grundlegender Bedeutung wie für die körperliche Erfahrung von Welt, dominiert sie doch mit Orientierung, Fortbewegung und Kommunikation essentielle Fähigkeiten des Menschen.

 

Einladung horizontal

 

Als künstlerisches Sujet lässt die Horizontale aber auch die Abstraktion, das Rationale wie das Emotionale zu. Die Werke von zwölf internationalen Künstlern, die sich diesem Thema widmen, sind in den Räumen der Gesellschaft für Kunst und Gestaltung gkg in Bonn beispielhaft ausgestellt.

 

Ausstellung horizontal

   Besonders nahe liegt der Bezug zu Landschaft. Malte Spohrs aus horizontalen Linien geschichtete Zeichnungen organischer Formen lassen sich als karthografisch abstrahierter Blick auf eine Landschaft lesen, die sich in Christiane Baumgartners Film ‚Speed’, bei schneller Fahrt in endlose horizontale Linien zerlegt. Etwas von dieser horizontalen Dynamik der Geschwindigkeit findet sich in den polychromen Bildern von Nicholas Bodde wieder. Sie können, obwohl ausschließlich aus unterschiedlich breiten Farbstreifen zusammengefügt, immer auch als Blick auf eine rasch vorbeiziehende Landschaft gesehen werden.
   Im Gegensatz dazu offenbart die duochrome Malerei von Christoph Gesing die der Horizontalen wesentliche Qualität der kontemplativen Ruhe, wenn sie als Begrenzung und Übergang zweier Farbflächen zum Horizont wird. Räumliche Angaben fehlen hier ebenso wie in Nina Brauhausers Fotoarbeiten aus der Serie ‚Five minute architecture’, denen einfache Modelle aus Karton und Papier zugrunde liegen, die unerkannt zu imaginären Landschaften mutieren.
   Eine andere essentielle Raumerfahrung liegt José Heerkens’ Arbeiten zugrunde. Sie hat das Gehen durch eine von Vertikalen geprägte Stadt in einen horizontalen Farbformrhythmus auf Wand und Boden übertragen. Die Amerikanerin Max Cole wiederum konzentriert sich auf fein differenzierte Kontraste, wenn sie horizontale Bahnen in Weiß, in Schwarz oder aus kurzen senkrechten Linien malt, die sich wie das im Rhythmus des Herzschlags atmende Durchschreiten einer Landschaft ausdehnen.

 

Blick in die Ausstellung horizontal


Der Rhythmus, der die feinen horizontalen, auf Schwarzweißnuancen und wenige Farben reduzierten Linien der Zeichnungen von Günter Walter zu bestimmen scheint, ist in seiner leisen, verhaltenen Dynamik wiederum ein eher musikalischer. Christiane Schlossers Zeichnungen liegt die Horizontalität des Schreibens als eines (Be)-Zeichnens und der Entscheidung für oder gegen eine Aussage, ein Innehalten oder Atemholen zugrunde. Die Aufzeichnungen von Echos politisch bedeutender Sätze in Sinuskurven, die Björn Drenkwitz als Screenshots präsentiert, veranschaulichen die horizontale Ausbreitung und Übertragung von Schall und sind in ihrer jeweils spezifischen Prägung auch als Portraits zu verstehen.
    Als reale horizontale Setzungen im Raum dehnen sich die plastischen Arbeiten von Wolfgang Nestler in diesen aus, verleihen dem Raumkörper eine neue Balance. Im Gegensatz dazu geht es in der Videoarbeit ‚Horizontal Standing’ der isrealitischen Künstlerin Hilla Ben Ari um körperliche Balance im engeren und die Bedeutung des Horizontalen bei der Fortbewegung des Menschen im weiteren Sinne. Hier findet sich das Thema nochmals mit einer auf das Wesentliche konzentrierten Punktgenauigkeit veranschaulicht.
bra

 

Die Ausstellung „Horizontal“ ist bis zum 9. September 2012 zu sehen.
Gesellschaft für Kunst und Gestaltung gkg
Hochstadenring 22
53119 Bonn
Tel.: 0228 / 69 41 44

Öffnungszeiten
MI - FR 15 – 18 Uhr
SA 14 – 17 Uhr
SO 11 – 14 Uhr

Leihgaben kommen von den Galerien Olschewsky & Behm, Frankfurt und Werner Klein, Köln sowie der Sammlung Frederick.

 

Die Gesellschaft für Kunst und Gestaltung gkg wurde im Dezember 1982 als gemeinnütziger Verein gegründet mit dem Ziel, auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene Aktivitäten zur Thematik 'Kunst und Gestaltung' unter besonderer Berücksichtigung konstruktiv-konkreter, rationaler Aspekte zu entwickeln, durchzuführen und zu fördern. Seit Anfang 1987 ist die Gesellschaft am Hochstadenring / August Macke-Platz zwischen Bonner Kunstverein und Künstlerforum beheimatet.

 

 

©Fotos gkg, Bonn

 

 

 

 

Die 
rheinische ART.
empfiehlt:

Mit GOOGLE ins Museum.


Das Google Arts & Culture Projekt zeigt Meisterwerke aus den Museen und Sammlungen dieser Welt.

► 
mehr

Und geht der Frage nach: Was ist Contemporary Art?

mehr