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rheinische ART 05/2011

 

Archiv 2011: aus "Berühmte Namen"

Die Poetin Else Lasker-Schüler als Malerin - eine Ausstellung in Berlin

 

 

Bilder poetischer Träume

 

 

Else Lasker-Schüler, Indianerinnen, um 1928, Jüdisches Museum Frankfurt am Main © Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, Berlin 2010

 

Dass sie aus dem Rheinland kam, verhehlte sie nie: „Ich bin in Theben (Ägypten) geboren, wenn ich auch in Elberfeld zur Welt kam im Rheinland…“ Die eigenwillige Dichterin, von Gottfried Benn als die „größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte“ gepriesen, gilt als die herausragende Schriftstellerin des deutschen Literatur-Expressionismus. Lange Zeit in Vergessenheit geraten war die Tatsache, das Else Lasker-Schüler auch eine anerkannte bildende Künstlerin war. Eine Ausstellung der Staatlichen Museen zu Berlin im Hamburger Bahnhof zeigt erstmals das umfassende zeichnerische Werk Lasker-Schülers - darunter bislang unbekannte Blätter.

 

 



ELISABETH („Else“) Lasker-Schüler (1869–1945) wurde als sechstes und letztes Kind einer gutbürgerlich-jüdischen Bankiersfamilie in Wuppertal-Elberfeld geboren. Ihren autobiographischen Aufzeichnungen zufolge quälte sich das Kind Else eher durch die Jahre heimisch-bürgerlichen Lebens an der Wupper („Ich langweile mich so!“). Aus der Provinz Elberfeld nach Berlin entflohen, veröffentliche Lasker-Schüler ab 1899 hier ihre ersten Gedichte, 1902 kam ihr Lyrikband „Styx“ heraus. In rascher Folge verfasste sie neben Gedichten auch Bühnenstücke und Prosa, das populäre Drama „Die Wupper“ erschien 1909.

 

Stern der Berliner Avantgarde

 

In zweiter Ehe war sie von 1903 bis 1912 mit dem Kunstschriftsteller und Galeristen Georg Lewin - dem sie das Pseudonym Herwarth Walden verschaffte - verheiratet, ihre literarischen Werke wurden ab 1910 in dessen Zeitschrift „Der Sturm“ publiziert. In den 1920er Jahren prägte Lasker-Schüler die Berliner Bohème, wurde die exzentrische Poetin zu einem Kristallisationspunkt der Avantgarde der Metropole, zur ungekrönten Königin im berühmten Café des Westens. Sie stand mit Franz Marc, Karl Kraus, Georg Trakl und Gottfried Benn in regem künstlerischem Austausch. Noch 1932 wurde ihr der renommierte Kleist-Preis zugesprochen; der Nationalsozialismus zwang sie zur Emigration - 1933 zunächst nach Zürich und 1939 schließlich nach Palästina, wo sie 1945 im Exil starb und auf dem Ölberg in Jerusalem begraben wurde.

 

Else Lasker-Schüler, Prinz Jussuf von Theben, um 1928, Jüdisches Museum Frankfurt am Main, © Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, Berlin 2010

Zauberhafte Zeichnungen

 

Ihre Lyrik, Prosa, Briefe und Postkarten illustrierte sie zunehmend mit Zeichnungen, Karikaturen und Ornamenten. Sie wurden bald als eigenständiges Parallelwerk der jungen, aufstrebenden und kompromisslosen Dichterin angesehen. Im Berlin der Weimarer Republik erschuf sie ihre berühmte literarische Figur „Jussuf, Prinz von Theben“, der zum Alter Ego der Künstlerin wurde. Mit diesem Fantasienamen unterzeichnete sie fortan ihre Korrespondenz. Immer wieder zeichnete sie „Prinz Jussuf“ und damit sich selbst in strengem Linksprofil, stilistisch angelehnt an die Porträtbilder der altägyptischen Kunst.
  Else Lasker-Schülers Bilder sind gezeichnet, gemalt, collagiert und oft auch beschrieben. Porträtkarikaturen, Strichführung und Farbintensität spiegeln ihre künstlerische Nähe zu den expressionistischen Malern ihrer Zeit wie etwa der „Blauen Reiter“- Gruppe wider. Bereits in ihren Berliner Jahren erfuhren die Zeichnungen viel Beachtung und Würdigung.

 

Die Ausstellung

Die Ausstellung „Else Lasker-Schüler – Die Bilder“ in der Nationalgalerie ist die bislang umfassendste Retrospektive der bildnerischen Werke Lasker-Schülers. Die Kollektion besteht aus 150 Zeichnungen, Collagen, Briefzeichnungen und bemalten Postkarten. Die Schau wird in Kooperation mit dem Jüdischen Museum Frankfurt am Main gezeigt. Sie umfasst die bekannten Motive aus den 1920er und 1930er Jahren sowie einige bislang unbekannte Blätter. Der Katalog der Ausstellung ist zugleich ein umfassendes bebildertes Werkverzeichnis, in dem sämtliche bislang bekannten Zeichnungen der Künstlerin zusammengefasst sind.

Klaus M. Martinetz

 

Else Lasker-Schüler um 1925  © Privatbesitz

 

Die Berliner Nationalgalerie hatte bereits einen sehr frühen Bezug zur Zeichnerin Else Lasker-Schüler. 1920 erhielt das Museum von Freunden der Künstlerin, darunter der Verleger, Galerist und ehemalige Simplicissimus-Mitarbeiter Paul Cassirer, 104 Zeichnungen geschenkt. Im Zuge der nationalsozialistischen Aktion „Entartete Kunst“ wurden bis auf drei Werke alle diese Zeichnungen der Wuppertalerin vernichtet. Im Nachkriegsdeutschland als Dichterin hoch geehrt, rückte das bildnerische Werk in den Hintergrund. Else Lasker-Schüler hingegen sah sich Zeit ihres Lebens nicht nur als Poetin sondern gleichfalls auch als Malerin.

 

 

 

Ausstellung: Else Lasker-Schüler. Die Bilder
Die Ausstellung ist bis zum 1. Mai 2011 zu sehen.
Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart
Invalidenstr. 50/51
D-10557 Berlin
Tel. 030 – 39 78 34 39
Öffnungszeiten:
DI - FR 10 - 18 Uhr
SA 11 - 20 Uhr
SO 11 -18 Uhr

 

Fotoquelle: Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof, Fotonachweis (2): Jüdisches Museum Frankfurt am Main. Ursula Seitz-Gray

                     

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