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rheinische ART 11/2015

Archiv 2015

ART IN UNDERGROUND

Die Kunst-Linie

 

In Düsseldorf gibt es Kunst nicht nur in Museen oder in der Akademie, sondern auch unter der Erde. In wenigen Wochen, am 20. Februar 2016, geht die neue U-Bahn-Strecke „Wehrhahn-Linie“ in Betrieb. Künstlerisch und architektonisch eine weitere Visitenkarte der Landeshauptstadt.

 

Wandgestaltung Kontinuum Bei der Gestaltung der U-Bahnhöfe der Wehrhahn-Linie kommt der Idee eines „unterirdischen Kontinuum“ eine besondere Rolle zu. Ein Ornament in der Betonwand in Form einer sich wiederholenden, reliefartigen Netzstruktur schlängelt sich durch alle Stationen. Das Konzept wurde von der Düsseldorfer Künstlerin Heike Klussmann und dem Darmstädter Architektenteam netzwerkarchitekten erarbeitet. Grafik/Foto © Heike Klussmann und netzwerkarchitekten

 

Es waren neue planerische und gestalterische Wege, die von Düsseldorfs Stadtoberen mit viel Mut vor 15 Jahren eingeschlagen wurden.

     „Kunst am Bau“ durch Kooperation von Künstlern, Architekten und Ingenieuren, in einem innerstädtischen U-Bahn-Netz? Ein ambitionierter Wunsch, den die Stadt 2001 da formulierte und als Architekturwettbewerb EU-weit ausschrieb. Und für die Gilde der Baumeister eine Herausforderung der besonderen Art (mehr).

 

U-Bahnhof Schadowstraße Turnstile Der überragende Akzent der eleganten, blauen Station wird durch eine riesige LED-Wand gesetzt. Die Bildänderungen werden über ein Computerprogramm durch die Fußgänger ausgelöst, die den Platz vor dem Schauspielhaus überqueren. Künstlerin: Ursula Damm (Berlin, Weimar)  Grafik/Foto © Animation Stadt Düsseldorf

 

U-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee Drei Modellräume Die Station schließt an den bereits bestehenden U-Bahnhof an. Es gibt drei neue Zugänge, die sowohl visuell als auch akustisch gestaltet sind und in denen Sprache und Klang zur Aufführung kommen. Künstler Ralf Brög Grafik/Foto ©  Animation Stadt Düsseldorf

 

U-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee Blick auf die Baustelle unter Tage, letzte Arbeiten an den Rolltreppen. Demnächst wird der Fahrgast an den neuen Zugängen Teil einer experimentellen, ungewöhnlichen Aufführung.  Foto © rART 2015

 

Architektur und Kunst sollten bei der Gestaltung der neuen Tunnels und der unterirdischen Verkehrsknoten nicht etwa locker sondern von „vornherein untrennbar“ miteinander verbunden werden. Es galt, die neuen U-Bahnhöfe passend zur Kunststadt Düsseldorf zu kreieren, wie es Verkehrsdezernent Stephan Keller formulierte: „Weltoffen, innovativ, anspruchsvoll und kreativ.“ Eine erste Begehung zeigt: das ist gelungen!

 

Sechs neue Untergrund-Stationen und eine neue unterirdische Strecke von 3,4 Kilometern Länge gehen nach acht Jahren Bauzeit der Vollendung entgegen. Alles war ausnahmslos in einer hoch verdichteten Innenstadt zu realisieren. Und jeder Bahnhof ist als individuelles Baukunstwerk ausgestaltet worden, jeder Bahnhof ist das Werk eines anderen Künstlers. Allen Kreativen gemein ist, dass sie einmal an der Kunstakademie studierten oder noch dort tätig sind.

     Bahnhöfe und Tunnelstrecken tragen den Namen Wehrhahn-Linie. Die U-Bahn-Strecke hat das Potenzial, sich zu einem weiteren Markenzeichen, zu einer der neuen Kunst-Attraktionen der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt zu entwickeln, wie Kulturdezernent Hans-Georg Lohe erklärte.


Großprojekte Die Wehrhahn-Linie ist neben der unterirdischen Verlegung des Individualverkehrs am Kö-Bogen das zweite Großprojekt, mit dem Düsseldorf das Herz seiner City neu gestaltet hat. Oberbürgermeister Geisel: „Die Düsseldorfer und die Gäste dürfen sich nach mehrjähriger Bauaktivitäten, die vielerlei Beeinträchtigungen mit sich gebracht haben, auf eine neue attraktive City freuen und können ihre Stadt wieder mehr und mehr ´zurückerobern´“.


Art in underground Bei der neuen „Kunst-Linie“ waren die Architekten wie nie zuvor aufgefordert, ihre Entwürfe in enger Kooperation mit einem Künstler oder einer Künstlerin zu erarbeiten. Das Ziel: Künstlerische Gestaltung und Architektur sollten wechselseitig aufeinander eingehen, sich befruchten und gemeinschaftlich einen Raumeindruck prägen. Bis zu dieser Entscheidung war es mehr oder weniger üblich, Kreative erst dann in neue Bauvorhaben einzubinden, wenn die Architektur bereits stand und die Kunst als gestalterischer I-Punkt das Bauwerk krönen sollte.

 

U-Bahnhof Benrather Straße Himmel oben, Himmel unten Der Künstler Thomas Stricker hat "seinen" Bahnhof in ein fliegendes Raumschiff verwandelt. Zahlreiche Monitorwände übertragen eine 3D-Weltraum-Animation, die den Betrachter gedanklich in das Weltall versetzt. Die mit Edelstahl bekleideten Wände, die Farbigkeit der Materialien sowie die leichte Schräglage der Stützen suggerieren dem Fahrgast, nicht unter, sondern leicht und schwebend über die Erde zu gleiten. Grafik/Foto © Animation Stadt Düsseldorf

 

Beim Projektstart im Jahre 2001 hatte das Büro netzwerkarchitekten, Darmstadt, zusammen mit der Künstlerin Heike Klussmann den Architekturwettbewerb gewonnen. Ein Jahr später begann das Team, sechs Bahnhöfe mit jeweils einem Künstler oder einer Künstlerin zu entwickeln. Die Auswahl der sechs Künstler wurde seinerzeit aus einem umfangreichen Pool getroffen, der sich aus der Fachkompetenz der Düsseldorfer Kulturinstitute, wie der Kunsthalle, des Kunstvereins, des Museum Kunstpalast und des Kulturamtes, gebildete hatte.

     Jeder der sechs Bahnhöfe der „Wehrhahn-Linie“ ist durch eine besondere künstlerische Handschrift geprägt. Es entstanden Schriftspuren, Klang- und Videoarbeiten, konzeptuelle, malerische und computergesteuerte Bilder. 

 

U-Bahnhof Kirchplatz Spur X In der hellen Station bilden geschmiedete und leuchtend farbig gefasste Stahlstränge Linien, die sich schwebend zu Wörtern und Texten verbinden. Teilweise verdichten sie sich vor den weißen Fliesen zu einem plastischen Wörterknäuel oder begleiten in ruhigen Linien den Fahrgast zu den U-Bahnen. Künstlerin: Enne Haehnle (Leipzig) Grafik/Foto © Animation Stadt Düsseldorf

 

Kontinuum  Ein besonders markantes Element, das entscheidend zur Qualität der Underground-Kunst-Linie beiträgt, stellt das Kontinuum dar, dass sich in allen Bahnhöfen findet. Poetisch betrachtet ist es so etwas wie eine unterirdische, eigenständige Parallelwelt.

     Das besondere Flair dieser "Welt" erzeugt eine helle, reliefartige Netzstruktur an den Betonwänden, die sich - im Gegensatz zu den Farbräumen der Auf- und Abgänge in den Bahnhöfen - aus den jeweiligen Licht- und Schattenverhältnissen bildet. Diese wandfüllende, präzise Beton-Zeichnung wirkt hochwertig und erinnert in ihrer Struktur an die bei Reisepässen oder Ausweisen verwendeten Sicherheitsmuster. Optisch führt die Netzstruktur zu einer sich weitenden oder stauchenden Wellenstruktur. Das Kontinuum zieht sich auf den Bahnsteigen elegant durch alle Stationen. 

cpw

 

Daten und Fakten zur Wehrhahn-Linie
Länge: 3,4 Kilometer
Baubeginn: Ende 2007
Kosten: 843,6 Millionen Euro
Fertigstellung: 2015
Fahrgäste pro Werktag: 53.100
Haltestellen oberirdisch: Wehrhahn S, Bilk S,
Bahnhöfe unterirdisch: Jacobistraße/Pempelforter Straße, Schadowstraße, Heinrich-Heine-Allee, Benrather Straße, Graf-Adolf-Platz und Kirchplatz

 

 

 

 


 

 

 

 

 

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