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rheinische ART 06/2018

Archiv 2018

NS-DOK KÖLN

Arbeitsscheu und Asozial?


Während der NS-Zeit wurden in Deutschland schätzungsweise weit über 10.000 Bettler, Obdachlose und Nichtsesshafte in Konzentrationslagern interniert und für Zwangsarbeiten eingesetzt.

 

Disziplinierungsmaßnahme der lokalen Polizei, Foto © Stadtarchiv Ludwigsburg; NS-DOK Köln 2018

 

In einer sehr speziellen Ausstellung widmet sich das Kölner NS-Dokumentationszentrum (NS-Dok) dem Schicksal dieser randständigen Bevölkerungsgruppe zur Zeit des Nationalsozialismus. „Wohnungslose im Nationalsozialismus“, so der Titel, behandelt die Gründe der Wohnungslosigkeit, zumal vor dem Hintergrund der seit Ende der 1920er-Jahre herrschenden Weltwirtschaftskrise.

 

Nichtsesshafte im „Zentralwanderhof“ Herzogsägmühle in den bayerisch-schwäbischen Voralpen Foto © Der Nichtsesshafte Mensch, München 1938; NS-DOK Köln 2018

 

Und sie schildert zentrale Stationen der Verfolgung: die „Bettlerrazzia“ von 1933, die Einweisung in Arbeitshäuser, die Massenverhaftungen in der „Aktion Arbeitsscheu Reich“ 1938 sowie die anschließenden Deportationen von sogenannten „Asozialen“ in Konzentrationslager.

     Indem die Ausstellung die zeitgenössischen Vorstellungen von „Rassenhygiene“, die Diskriminierung „asozialer Großfamilien“ und die Zwangssterilisation von obdachlosen Frauen und Männern thematisiert, zeichnet sie eindringlich das rassistische Menschenbild der Nationalsozialisten nach.

     Die Betroffenen wurden von behördlichen und polizeilichen Instanzen listenmäßig erfasst und vielfältigen staatlichen Restriktionen und Repressionsmaßnahmen ausgesetzt, die letztendlich bis zur Zwangssterilisation und Inhaftierung in Konzentrationslagern reichten.

 

Schlafsaal in einem Kölner Obdachlosenasyl, undatiert. Foto © Kölnisches Stadtmuseum, NS-DOK Köln 2018

 

Überlebende Häftlinge aus der Kategorie der sogenannten „Asozialen“ blieben in der Nachkriegszeit sowohl in Ost- als auch Westdeutschland lange Zeit von Wiedergutmachungen und Entschädigungszahlungen ausgeschlossen. Erst in den letzten Jahren wurde Unterstützung über Härtefallregelungen gewährt. Für die Betroffenen dürfte dies in der Regel zu spät gewesen sein, wie das NS-Dok in der Ausstellung betont.

     Die Bezeichnung „Aktion ‚Arbeitsscheu Reich’“ (ASR) stammt als Sammelbegriff ursprünglich aus dem Konzentrationslager Buchenwald und wurde für jene Inhaftierte verwendet, die als „Arbeitszwangshäftlinge Reich“ verschleppt und eingewiesen wurden.

     Nach Einschätzung des Kasseler Historikers Wolfgang Ayaß (*1954), der den Begleitband zur Ausstellung verfasste, war nicht die angebliche Gefährlichkeit des einzelnen „Asozialen“ das ausschlaggebende Kriterium für eine Verhaftung, sondern die Arbeitsfähigkeit des Betroffenen. In vielen Konzentrationslagern bildete die mit einem Schwarzen Winkel gekennzeichnete Häftlingsgruppe der „Asozialen“ bis Kriegsbeginn die Mehrheit.
cpw


Die Ausstellung „Wohnungslose im Nationalsozialismus“ kann noch bis zum 8. Juli 2018 besucht werden.
NS-Dokumentationszentrum
EL DE – Haus
 
Appellhofplatz 23-25
50667 Köln
0221/2212-6332
Öffnungszeiten
DI-FR 10-18 Uhr
SA, SO 11-18 Uhr

 

 

 

 

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