rheinische ART
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rheinische ART 11/2012

ARCHIV 2012

Pilgern im Rheinland

 

„Erst jetzt erhält mein Leben Sinn“

 

Das spätmittelalterliche Rheinland als wichtiges Zentrum des Pilgerwesens und Ausgangsort von Wallfahrten
Von Simon Hopf

 

 

Buchcover

 

 

Alle Wege führen nach Rom. Das stimmt zweifellos. Doch auch das Rheinland besaß als Zielort frommer Sehnsüchte über Jahrhunderte eine nicht geringe Bedeutung. Die Straßen dorthin führten beispielsweise nach Köln, Aachen, Kornelimünster oder Neuss. Diese Pilgermedaille hat freilich noch eine andere Seite, nämlich jene, dass sich vom Rheinland aus auch zahllose Menschen auf den Weg machten, um andernorts Verehrungsstätten der Christenheit aufzusuchen, darunter natürlich auch Rom. Womit sich der Kreis schließt.

 

DEM HEIMATVEREIN der Erkelenzer Lande gebührt das Verdienst, das Phänomen dieser Pilgerströme ins Rheinland und aus dem Rheinland in die Ferne einer erneuten Betrachtung unterzogen zu haben. Der in der Schriftenreihe des Heimatvereins kürzlich erschienene Band „Wallfahrt und Kulturbegegnung – Das Rheinland als Ausgangspunkt und Ziel spätmittelalterlicher Pilgerreisen“ fasst die Beiträge eines interdisziplinären Symposiums zusammen, das im Oktober 2011 in Erkelenz stattfand und sowohl namhafte Forscher der Universitäten Stuttgart, Heidelberg, Trier und Düsseldorf sowie des Landesarchivs Stuttgart und der mitteldeutschen Museen als auch zahlreiche interessierte Besucher zum Thema Wallfahrts- und Pilgerwesen zusammenbrachte.
    Ein Kompendium wissenschaftlicher Abhandlungen also: Das klingt zunächst einmal recht trocken. Doch sollte auch der Laie bei Begriffen wie Pilgertum und Wallfahrt immer im Blick behalten, dass es sich hierbei um weitaus mehr handelte als „nur“ religiöse Inbrunst und die Sorge um das Seelenheil. Vieles von dem, was die rheinischen Städte auch heute noch als Hort der Kunst und Architektur auszeichnet, wäre ohne das viele Geld, das die frommen Reisenden in die Kassen der Wallfahrtsorte spülten, gar nicht vorstellbar. Kurzum: Die Pilger bildeten einen Wirtschaftsfaktor, und das nicht zu knapp. Wohl der Stadt, deren Reliquienschatz überregionale Anziehungskraft ausübte.


„Wallfahrt und Kulturbegegnung“

 

– der Titel des Buches deutet schon an, dass der Pilgerschaft noch ein weiterer Aspekt zu Eigen war: die Konfrontation mit dem Fremden, insbesondere also dem Orient. Gleich drei Kapitel widmen sich folglich der Pilgerei in den Nahen Osten, nach Jerusalem, zu den biblischen Stätten und auf den Sinai. Passend dazu wird in einem Abschnitt das einst weithin bekannte „Palästinalied“ zitiert: „Erst jetzt erhält mein Leben wirklich Sinn, da mein sündiges Auge das Heilige Land und auch die Erde schaut, die so verehrungswürdig sind. Es hat sich erfüllt, worum ich so sehr gefleht habe, ich bin an die Stätte gekommen, die Gott in menschlicher Gestalt betreten hat.“

 

„Wallfahrt und Kulturbegegnung – Das Rheinland als Ausgangspunkt und Ziel spätmittelalterlicher Pilgerreisen“. Der Band 26 der Schriften des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V. ist im Buchhandel zum Preis von 12,50 Euro erhältlich (ISBN: 978 3 9815182 1 4)

 

 

 

 

 

 

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