rheinische ART
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rheinische ART 11/2022

NRW FORUM
Street Art im Schauhaus


Alle Jahre wieder erinnern sich Museen und Ausstellungshallen an die Streetartkunst. Und holen sie in ihre Häuser. Derzeit präsentiert das NRW-Form in Düsseldorf regelrechte „Wunderwände“.

 

Banksy Trolley Hunters, Courtesy Collection Selim Varol. Bildquelle © NRW Forum Düsseldorf 2022

 

So heißt auch die sehenswerte Schau. Wonderwalls Art & Toys, so der Titel, ist ein Stelldichein von Pop und Street Art. Wer sich in die Ausstellung begibt, bekommt allerhand zu sehen.

     Nämlich 2000 Werke (so die Ausstellungsmacher) der Fotografie und des Grafikdesign sowie Graffitis, Skulpturen und Designer Toys von namhaften Figuren der Szene. Der nach wie vor geheimnisvolle Bansky ist vertreten und Kreative wie Shepard Fairey, Swoon und JR, allesamt den Kennern dieser Kunstform wohlvertraut, verbinden sich zu einem bunten Gesamtkunstwerk – schrill, grell, frech, unkonventionell, provokant, frivol und amüsant. Ein wirkliches Vergnügen für Kids aller Altersgruppen bis hin zu ihren staunenden Großeltern.

 

Ausstellungsansicht Wonderwalls. Art & Toys, NRW-Forum Düsseldorf, Foto Andreas Endermann. Bildquelle © NRW Forum Düsseldorf 2022. Die Plakatwand zeigt Prints des Künstlers Shepard Fairey (Streetwear Marke Obey).


Derartige Ausstellungen sind, obwohl die Street Art mit ihren Interventionen im öffentlichen Raum schon lange für Furore sorgt, eher selten. Eine der letzten bemerkenswerten Street Art-Schauen im rheinischen Raum bot die Wuppertaler Kunsthalle Barmen 2011 (mehr).

 

Swoon/Caledonia Curry, Zahra, Brooklyn, 2008, image courtesy of Swoon Studio. Bildquelle © NRW Forum Düsseldorf 2022

 

Street Art ist aus Protestkultur, zivilem Ungehorsam und gegenkulturellen Strömungen der 1960er und 1970er Jahre hervorgegangen, wie es im NRW-Forum heißt.

     In den USA sprühten die jungen Graffiti-Künstler ihre Namen oder einfache Zeichen auf Häuser und U-Bahn-Waggons. Später entstanden daraus immer anspruchsvollere Bilder, die ganze Hauswände überzogen. Die gesamte Stadt wurde zur Galerie, zum Ort für Kommunikation und Aushandlung sozialer Fragen.

     Die Pioniere der Street Art nahmen bekanntlich hohe Risiken auf sich. Erinnert sei an den populären Schweizer Graffitikünstler Harald Naegeli, bekannt als der „Sprayer von Zürich“. Ihn verurteilte die Schweizer Justiz für seine illegalen Sprayzeichnungen 1984 zu vier Monate Hochsicherheitstrakt in Winterthur, zwei Monate offenen Vollzug und einer Geldstrafe. Daher bleiben bis heute viele Street Art-Aktivisten lieber im Anonymen.


Trotzdem haben es manche zu großer Bekanntheit gebracht, wie der französische Künstler JR, der seine bürgerliche Identität ebenfalls nicht in die Öffentlichkeit trägt. Er platziert seine Arbeiten als großformatige Plakate an Hauswänden, Treppen und Mauern.

     Seine meist extremen Nahaufnahmen menschlicher Gesichter machen auf soziale und politische Themen aufmerksam, wie die in der Ausstellung präsentierte Serie Portrait d’une Generation (2004), die sich mit Jugendkriminalität in den Subkulturen der Banlieues beschäftigt.

     

Es sind die Street Art-Künstler, die seit Jahrzehnten die fundamentalen gesellschaftlichen und medialen Entwicklungen beobachten und diese oft kritisch in ihre zeitgenössische Bildsprache, eben in die gesprayten, gemalten - und um im Wortschatz des ausstellenden Hauses zu bleiben - „Wunderwände“, überführen.


Der Brite Bansky ist aufgrund seiner grandiosen Öffentlichkeitsarbeit selbst Kunstunkundigen mittlerweile vom Namen her bekannt. Dazu mag beitragen, dass Banksy das Pseudonym eines Künstlers, Aktivisten und Filmregisseurs ist, dessen Identität ebenfalls unbestätigt ist. Seine Werke sind politische und soziale Kommentare, die auf Straßen, Mauern und Brücken in der ganzen Welt zu sehen sind. Er ist bekannt für seinen dunklen Humor und die unverwechselbare Schablonentechnik, ein Kapitalismus- und Kunstmarktkritiker der reinsten Sorte (siehe Bild oben).

 

Shepard Fairey OBAMA HOPE, Canvas, courtesy the artist & Collection Selim Varol. Bildquelle © NRW Forum Düsseldorf 2022

 

Wer sich in der Ausstellung die mit hunderten Plakaten bestückte Wand des Künstlers und Designers Shepard Fairey ansieht, kann eine Ahnung davon bekommen, welche kreativen Leistungen die Protagonisten der Street Art erzeugen können.

     Shepard Fairey begann mit Zeichnungen auf T-Shirts und Skateboards, wurde weltberühmt, als er für den ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama das „Hope“-Wahlkampfplakat entwarf. Mit mehr als 250 Editionen präsentiert die Forum-Ausstellung eine große Auswahl an Prints des US-Amerikaners, der auch für seine kapitalismuskritische Streetwear Marke Obey bekannt ist.


Inzwischen ist Street Art so populär, dass viele Künstler international von großen Galerien vertreten und für Werke etwa von Banksy oder KAWS auf Kunstauktionen Millionen gezahlt werden. Brian Donnelly, besser bekannt unter dem Künstlernamen KAWS, ist sowohl mit Bildern und Skulpturen als auch mit Designer Toys erfolgreich. In den 1990er Jahren machte er sich als Graffiti-Künstler einen Namen, indem er Werbeplakate im öffentlichen Raum mit seinen eigenen Motiven übermalte und ironisch umdeutete.

Daniel & Geo Fuchs - TOYGIANTS - „Kaws Family“, 2006, Courtesy Collection Selim Varol. Bildquelle © NRW Forum Düsseldorf 2022

 

Daniel & Geo Fuchs - TOYGIANTS - „Astroboy“ - 2004 - Courtesy Collection Selim Varol. Bildquelle © NRW Forum Düsseldorf 2022

 

Das NRW-Forum zeigt ferner die PVC-Mangafigur Astroboy (No more Heroes) des Spaniers Javier Calleja, die von der Niedlichkeitsästhetik Kawaii (jap.: liebenswert, süß oder niedlich) inspiriert ist.

     In vielen japanischen Toys verschmelzen die New Yorker Straßenkultur von Hip-Hop, Breakdance und Graffiti mit der Manga-Kultur, wodurch ein eigener Markt und visueller Kosmos entstanden ist. Designer Toys gelten als hybride Wesen: Zwischen Kinderspielzeug und Sammlerstück, entstammen sie einerseits der Logik des Spiels und der Massenproduktion und sind andererseits durch die Protest- und Gegenkulturen der Street Art geprägt.

     

Sämtliche Arbeiten im NRW-Forum stammen aus der Sammlung des Düsseldorfer Unternehmers Selim Varol, der seit über 30 Jahren sammelt und – nach Angaben der Aussteller – mit mehr als 10.000 Werken eine der wohl umfangreichsten Konvolute urbaner Kunst und Designer Toys in Europa zusammengetragen hat.
cpw


Die Ausstellung WONDERWALLS Art & Toys ist bis zum 5. Februar 2023 geöffnet.
NRW-FORUM DÜSSELDORF
Ehrenhof 2
40479 Düsseldorf
Tel. 0211 / 566 42 749
Öffnungszeiten
DI – SO 11 - 18 Uhr
DO 11 – 21 Uhr

 

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