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rheinische ART 10/2011

 

Archiv 2011: aus "Architektur"

Kunst und Architektur in U-Bahnschächten


 

 

 

Düsseldorfs

 

neue Unterwelt

 

 

Die Idee ist bestechend, der technisch-künstlerische Arbeitsprozess spannend und das Resultat vermutlich eine atemberaubende neue unterirdische Welt. Die sechs neuen U-Bahnhöfe der Düsseldorfer „Wehrhahn-Linie“ (geplante Fertigstellung 2012/13) werden von Künstlern nach ihren jeweils kreativen und architektonischen Konzepten gestaltet. Diese Kunst im öffentlichen Raum folgt neuen Wegen, denn Kunst und Architektur fixieren von Anfang an die Rahmendaten mit.

 

ZWAR sind gestaltete, bisweilen prunkvolle Bahnhöfe in der Tiefe nicht ungewöhnlich. Man denke nur an die Metrostationen der berühmten Petersburger „Linie 1“, an Moskaus marmor- und mosaikenschwere Prestigestationen, deren Hallen und Säle eher Volkspalästen gleichen als Verkehrsknotenpunkten. Auch Athens Metro imponiert an Kernstationen wie Syntagma und Akropolis mit ständiger Präsentation antiker Exponate und turnusmäßigen Ausstellungen zeitgenössischer Landeskünstler, was die U-Bahn zum kulturellen Raum, die Stationen zu museumsähnlichen Lokalitäten avancierten lässt.

 

Neue gestalterische Wege

 

Das Bestechende an der Düsseldorfer Lösung ist eher in der planerischen Ebene und dem gestalterischen Mut zu sehen. Denn die optische und bautechnische Ausformung der unterirdischen Bahnhöfe richtet sich hier nicht allein nach den Vorgaben der Tunnelkonstrukteure, sondern folgt ebenso künstlerischen und architektonischen Konzepten. Die kreativen Planungsarbeiten wurden von Künstler-/Architektenteams im Rahmen eines internationalen Architektenwettbewerb sowie eines Realisierungswettbewerbs zur Kunst eingebracht. Die Entwürfe stellte der Düsseldorfer Kulturausschuss jetzt vor. Hervorgetan hat sich das Darmstädter Team der „netzwerkarchitekten“ mit der Idee eines „unterirdischen Kontinuums“, also eines lückenlos zusammenhängenden Systems, das sich wie eine eigenständige Parallelwelt unter Tage durch die Stadt schlängelt.

   „Die neuen U-Bahnhöfe sollen zum Verweilen einladen und zur Stadt Düsseldorf passen: weltoffen, innovativ, anspruchsvoll und kreativ“, so Verkehrsdezernent Stephan Keller. Kulturdezernent Hans-Georg Lohe erklärte: „Künstlerische Aspekte sollten von Anfang an in die Gestaltung der Bahnhöfe einfließen. Dies ist hervorragend gelungen.“ Die Gesamtinvestition für die künstlerische Gestaltung beläuft sich auf rund 3 Millionen Euro.

 

Das Kontinuum-Konzept

 

Im architektonischen Wettbewerb hatte die Künstlerin Heike Klussmann die Idee entwickelt, das Konzept des „Kontinuums“ mit einer reliefartigen Bearbeitung der Betonwände zu verbinden. Die Reliefstruktur, den Sicherheitsmustern von Dokumenten nachempfunden, erzeugt durch die Verdichtung von Linien eine Räumlichkeit und Dynamisierung der Bahnhofsröhre. Die Oberfläche wirkt wie eine „mathematisch definierte Schlangenhaut“. Die Stationen selbst werden als sogenannte „Aufweitung“ des U-Bahntunnels ausgearbeitet. Sie werden mit dem oberirdischen Stadtraum durch Einschnitte verbunden und durch kegelförmige Schlitze mit natürlichem Licht versorgt. Einschnitte und künstlerische Gestaltung prägen jeweils die eigene Identität einer Station innerhalb des Kontinuums. Blickbeziehungen und Einsehbarkeiten in verschiedene Verkehrsebenen sollen dem Fahrgast eine einfache Orientierung garantieren sowie Übersichtlichkeit und soziale Kontrolle in den Bahnhöfen gewährleisten.

Klaus M. Martinetz

 


Beispiele für die Gestaltung der U-Bahnhöfe:

U-Bahnhof Benrather Straße: Der konzeptionell arbeitende Thomas Stricker will den Himmel in die Erde holen, Oben und Unten vertauschen und das Schwere ins Leichte übertragen. Die Weite des Universums wird durch Projektion in die Enge der Unterwelt übertragen. Die Architektur wird scheinbar mobil, wie ein Raumschiff unterwegs in unendlichen Sphären. In die metallenen Wandoberflächen sind flächenbündig Medienwände als „Fenster ins Weltall“ integriert, die mit einer Dreidimensionalität suggerierenden Videoprojektion bespielt werden.

 

U-Bahnhof Graf-Adolf-Platz: Manuel Franke erzeugt eine dynamisierende Verbindung des Stadtraums mit der U-Bahnstation über die Gestaltung der Schnitträume als Farbräume. Der Farbfonds der gläsernen Wandverkleidung wird von einem Linienstrom durchzogen, der mal schmaler, mal breiter pulsiert und den Benutzer bis zu den Gleisen führt. Die Linienströme, die sich wie ein Achatstein in viele unterschiedliche Schattierungen und Verwerfungen aufspalten, besitzen einen großen Detailreichtum.

 

U-Bahnhof Schadowstraße: Die Installation von Ursula Damm ist verbindendes Element zwischen Stadtraum und U-Bahnstation. Das Geschehen an der Oberfläche wird mit einer Kamera und Sensoren aufgenommen und nach Bewegung, Aufenthaltsräumen und sozialer Interaktion analysiert. Die Videobilder werden auf zwei Projektionsflächen im Inneren des U-Bahnhofes als digitale, künstlerisch gestaltete, interaktive Installation wiedergegeben. Die Rolle des Stadtraumes mit seinen oberirdischen Plätzen als Vermittler von Öffentlichkeit wird durch die Installation sichtbar gemacht und thematisiert.
 

 

©Bilder/Grafiken Stadt Düsseldorf

©rheinische-art.de

 

 

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