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rheinische ART 01/2011

Archiv 2011: aus "Über die Grenze geschaut"

Antwerpen: Das Königliche Museum für Schöne Künste verlängert ...

 

ANSELM KIEFER Zeitgenössischer Protagonist in königlichem Umfeld

 

Blick in die Ausstellung, Foto Joris Luyten

 

Um gleich zwei Monate verlängert das Antwerpener Königliche Museum für Schöne Künste (KMSKA) seine derzeitige Kiefer-Ausstellung, in der 22 monumentale Werke des deutschen Gegenwartkünstlers zu sehen sind.

Anselm Kiefer, Bergkristall 1991 © Es Baluard Museu d`Art Modern i Contemporani de Palma, Grothe Collection

Mit über 50.000 Besuchern in gut drei Monaten gilt die Schau in Belgien als ungewöhnlich erfolgreich. „Kiefers Attraktivität ist auch nach 30 Jahren ungebrochen“, freut sich Kurator Walter Smerling (Direktor Museum Küppersmühle, Duisburg) über den Erfolg der Ausstellung. Die Schau umfasst Werke des Künstlers aus drei Jahrzehnten, der Schwerpunkt liegt auf der 2000er Dekade.

 

WER Kiefers künstlerisches Schaffen kennt, weiß, dass ihn Gewaltiges, Verstörendes, aber auch Begeisterndes erwarten kann. Wie kaum ein anderer deutscher Maler, Bildhauer und Installationskünstler hat Anselm Kiefer (* 1945) immer wieder heftige, in der Öffentlichkeit ausgetragene Diskussionen über die politischen Aussagen seiner Kunst ausgelöst. Als einer der ersten deutschen Maler der Nachkriegszeit griff Kiefer die heimischen Tabu- und Reizthemen „Drittes Reich“, „NS-Herrschaft“ und „Holocaust“ auf und schuf seine berühmten dumpfen und schweren Materialbilder, in denen er sich auf seine Weise - geradezu Qualen leidend - mit der Vergangenheit auseinander setzte. In späteren Schaffensphasen widmete Kiefer sich vielfach christlich-jüdischen und auch mythologische Themen. Seine Bilder wurden lichter und leichter.

Anselm Kiefer, Palmzoday 2007 © Es Baluard Museu d`Art Modern i Contemporani de Palma, Grothe Collection

   Der ehemalige Beuys-Schüler gehört zu den bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Künstlern. Aufgrund seiner kontroversen Verbindung von Kunst und politischer Aussage zählt er jedoch auch zu den umstrittensten im Lande. Seine die Menschen berührende Kunst wurde 2008 auf eine, für einen bildenden Künstler, ganz besondere Weise geehrt. Anselm Kiefer wurde der renommierte Friedenspreis der Deutschen Buchhandels verliehen.

 

Seltene Ansichten

 

Die Hängungen im Erdgeschoß des Antwerpener Kunstmuseums sind geeignet, den Besucher zu erschrecken, ihn quasi „atemlos“ zu machen. Es sind zum einen die gigantischen Dimensionen der Werke, die beeindrucken – Monumentalbilder von bis zu acht Metern Breite und sechs Metern Höhe. Zum anderen sind es die vielfach dunklen Farben, dominant sind Rostrot und Grau, und der Kiefers Arbeiten auszeichnende, ungewöhnliche Einsatz manchmal archaisch anmutender Materialien wie Gips, Asche, Lehm, Stroh, Blei und dornige Zweige. Zahlreiche der präsentierten Arbeiten, vor allem jene aus Kiefers sogenannter „deutschen Phase“, entfalten in den großdimensionierten und hohen Sälen des Königlichen Kunstmuseums ihre ganz eigene rätselhafte Kraft und Intensität.
    Es sind faszinierende und spektakuläre Kontraste, die die Ausstellung so anziehend machen. Dazu gehören sicherlich die großzügigen Ausstellungsräume in der Architektur des 19. Jahrhunderts und die atmosphärische Einwirkung von Licht mittels der in Ausstellungshäusern so selten anzutreffenden Oberlichter. Hier ist eine besondere Architektur der stimmige Rahmen für außergewöhnliche Gemälde.

   Die ausgestellten Stücke sind Leihgaben des Duisburger Sammlers und ehemaligen Bauunternehmers Hans Grothe. Der Mäzen, der als der wichtigste Förderer Kiefers gilt, betonte bei der Eröffnung im Herbst, dass die Gemälde noch nie so gut zur Geltung gekommen seien, wie bei der Antwerpener Ausstellung. Grothe sammelt seit Jahrzehnten deutsche Gegenwartskunst, veräußerte seine Kollektion 2005 bis auf 40 Kiefer-Gemälde, von denen derzeit gut die Hälfte in der KMSKA präsentiert werden.

Klaus M. Martinetz


Die Ausstellung ist noch bis zum 27. März 2011 zu sehen.
Koninklijk Museum voor Schone Kunsten Antwerpen (KMSKA)
Leopold De Waelplaats
2000 Antwerpen
Tel. +32(0)3 242 04 16

Öffnungszeiten:
DI bis SA : 10.00 - 17.00 Uhr
SO 10.00 - 18.00 Uhr
MO geschlossen

 

Die Ausstellung „Anselm Kiefer“ ist eine Kooperation der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Bonn mit der Stadt Antwerpen, dem Koninklijk Museum voor Schone Kunsten (KMSKA) Antwerpen und dem Museum voor Hedendaagse Kunst Antwerpen. Kurator Walter Smerling: „Mir gefällt der unkonventionelle Weg, in einem vorrangig historisch ausgerichteten Museum nun einen Protagonisten der zeitgenössischen Kunst zeigen zu können – und dabei so großen Zuspruch zu erleben…“

 

Mehr über Anselm Kiefer:

Der Künstler wurde 1945 in Donaueschingen geboren. Er studierte Bildende Kunst bei Peter Dreher (Freiburg i.B.) und Horst Antes (Karlsruhe) sowie bei Joseph Beuys (Düsseldorf). Seine erste Einzelausstellung fand 1969 in Karlsruhe mit der Bilderserie „Besetzungen“ statt. Eine seiner größten Präsentationen stellt die 2007 im Pariser Grand Palais gezeigte Schau „Monumenta“ dar. Kiefers künstlerisches Schaffen hat stets die zeitgenössische Kunst beeinflusst. Er ist Träger zahlreicher Auszeichnungen, darunter der Jury-Preis der Kunst-Biennale Venedig (1997), des renommierten japanischen „Praemium Imperiale“ (1999) der Japan Art Association und des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels (2008). Von 1993 bis 2006 lebte und arbeitete Kiefer im südfranzösischen Barjac (Dep. Gard), seit 2007 ist Kiefer in Paris ansässig. 2010 wurde Anselm Kiefer zum Professor an das Collège des France in Paris berufen.

 

©rheinische-art.de

Fotos: (1) Stiftung Kunst und Kultur, Bonn (2) Stadt Antwerpen