rheinische ART
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rheinische ART 07/2012

 

ARCHIV 2012

Gottfried Brockmann in der Galerie Remmert und Barth

 

Der rheinische Progressive

 

 

Gottfried Brockmann, Knabe mit Reifen, um 1923, Deckfarben und Bleistift, 290 x 204 mm

 

Gottfried Brockmann, Stillleben mit blauem Krug, 1923, Öl auf Karton, 290 x 200 mm

 

 

Der Maler Gottfried Brockmann (1903 - 1983) ist mit seinem umfassenden Œuvre eher Insidern bekannt. Letztlich teilte er das Schicksal vieler Künstler seiner Generation, denen die Weltwirtschaftskrise und die politischen Machtstrukturen des Nationalsozialismus, der Krieg und die Nachkriegsjahre eine öffentliche künstlerische Entfaltung nahezu unmöglich machten. Die Galerie Remmert und Barth in Düsseldorf zeigt jetzt von dem eigenwilligen rheinischen Maler 50 Werke, darunter Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Radierungen und Holzschnitte aus den 1920er bis 1960er Jahren.

 

Es ist nicht die erste Ausstellung, die die Galerie dem gebürtigen Kölner widmet. Bereits 2003 würdigte sie ihn anlässlich seines hundertsten Geburtstages und 2006 präsentierte sie ihn in einer über 100 Arbeiten umfassenden Ausstellung. In einer Presserezension dazu wird der Galerie "Missionarsarbeit" beschieden.

 

Der Künstler

 

GEPRÄGT von den älteren Mitgliedern seiner Familie wurde Brockmann als junger, suchender Mann eine freie künstlerische Ausbildung zunächst verwehrt. Gemäß dem Wunsch seines Vaters absolvierte er eine Dekorationsmalerlehre und fand in jenen Jahren Zugang zur Kölner „Gruppe progressiver Künstler“. Die Idee war, die Menschen und Sozialstrukturen ihrer Zeit im Bild zu dokumentieren und weiter die Gesellschaft und das herrschende Wertesystem in Frage zu stellen. Er lernte unter anderen Heinrich Hoerle, August Sander, Max Ernst, Anton Räderscheidt und Franz Wilhelm Seiwert kennen.
   Die Kölner Zirkel der Dadaisten und Konstruktivisten beeinflussten den jungen Mann, der alles in sich aufnahm und es verstand, eine eigene Kunstauffassung zu entwickeln. Seine dem Konstruktivismus verpflichtete Kunst enthält vielfältige neu-sachliche und surrealistische Elemente. Allerdings verstand er es, seinen künstlerischen Kosmos der eigenen Zeit zu entheben und in eine Zeitlosigkeit überzuführen, so dass die Aktualität seiner Werke nie nachgelassen hat.

 

Gottfried Brockmann, Mütterliche Geborgenheit, 1922, Bleistift,

128 x 170 mm

   1926 übersiedelte Brockmann nach Düsseldorf und studierte an der Kunstakademie freie und angewandte Grafik. Dort wurde er Meisterschüler von Heinrich Campendonk. 1932 erhielt er einen Lehrauftrag als Tutor an der Akademie und wurde Vorstandsmitglied der „Rheinischen Sezession“, die unter anderem aus dem „Jungen Rheinland“ entstand, und heiratete die Bildhauerin Marianne Reunert. Als politisch interessierter Künstler konnte es nicht ausbleiben, dass er ins Visier der NS-politischen Machthaber geriet. 1933 wurde ihm ein Akademieverbot erteilt und Brockmann konnte persönlichen Anfeindungen nur entgehen, indem er Düsseldorf praktisch über Nacht verließ und nach Berlin zur Familie seiner Frau zog.

Gottfried Brockmann, Sitzende im Raum, 1922, Bleistift, 192 x 125 mm

   Seine politischen Bestrebungen nahm er dort erkennbar nicht wieder auf und arbeitete vorwiegend kunsthandwerklich. Damit entzog er sich dem Zugriff der nationalsoziaistischen Kunstdoktrin auf seine Weise. Zum Kriegsdienst wurde er 1942 verpflichtet und geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Ab 1945 lebte er in Hof an der Saale und zeigte in diversen Ausstellungen - vorwiegend im süddeutschen Raum - zunehmend auch jüngere Werke seines freien künstlerischen Schaffens.

   1952 wurde er Kulturreferent der Stadt Kiel und nahm an den Aktivitäten des Schleswig-Holsteinischen Künstlerbundes regen Anteil. Von 1955 – 1970 leitete er die dortige Werkkunstschule. Brockmann hat die norddeutsche Stadt nicht mehr verlassen. Seit 1985 vergibt die Landeshauptstadt Kiel alle zwei Jahre den Gottfried Brockmann-Preis. Es ist der einzige Kunstpreis der Stadt.
Irmgard Ruhs-Woitschützke

 

 

Die Ausstellung „Gottfried Brockmann – Fünfzig Werke“ ist bis zum 28. Juli 2012 zu sehen.

Galerie Remmert und Barth
Mühlenstraße 1
40213 Düsseldorf
Tel. 0211 / 327436
Öffnungszeiten
DI – FR 10 – 18.30 Uhr
SA 11 – 16 Uhr und nach Vereinbarung

 


©rheinische-art.de

©Fotos Remmert und Barth

 

 

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