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rheinische ART 10/2011

 

Archiv 2011: aus "Kunst erleben"

 

Johan Thorn Prikker im Museum Kunstpalast Düsseldorf:
Mit allen Regeln der Kunst. Vom Jugendstil zur Abstraktion

 

Die Braut / de bruid, 1892/93; Gemälde; Öl auf Leinwand; © Sammlung Kröller-Müller Museum, Otterlo, Niederlande

 

 

Thorn Prikker in der Praxis

 

 

Der Ratschlag ist über 50 Jahre alt und gilt noch heute. „Solche Kunstwerke sind an den Ort gebunden… zu ihnen muss man pilgern“, so 1958 der Kunsthistoriker und Thorn Prikker-Biograf August Hoff. Ein kleines aber wunderbares Booklet mit dem Titel „Kunstroute“, kostenlose Beigabe zur Eintrittskarte ins Museum, zeigt dem Interessierten auf 56 Seiten, wo er monumentale Glas-/Mosaikarbeiten und Wandgemälde des großen Meisters in „Harmonie mit der Umgebung“ sehen kann. Eine Besuchsanleitung für Thorn Prikker in der Praxis, ein „Pilgerbüchlein“ quasi, das zur Visite von fast 20 Kunstorten im Rheinland und in den Niederlanden verführt!

 

DEN EINSTIEG in die Schaffenswelt des Johan Thorn Prikker (1868-1932) vermittelt die mit über 140 Werken ausgestattet Schau in Düsseldorf. Es ist die erste Retrospektive des vor allem durch seine Jugendstilwerke bekannt gewordenen niederländischen Künstlers seit mehr als 30 Jahren. Die Ausstellung umfasst alle Gattungsbereiche, in denen der enorm vielfältige und eigenwillige Thorn Prikker tätig war: Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle, Mosaike, Wandmalereien, Glasfenster, Möbel, Designobjekte, Textilkunst, Bucheinbände und Teppiche.

 

Lautenspielerin, 1914; Glasmosaik; Glas, Mörtel, © Osthaus Museum Hagen, Foto: Stefan Johnen

 

Niederländischer Symbolismus, Glasfenster und Mosaike

 

Das Museum Kunstpalast zeigt unter anderem die Gemälde Die Braut und Madonna im Tulpenland (beide von 1892/93), die heute zu den herausragenden Arbeiten des niederländischen Symbolismus gehören. Vor allem Entwürfe zu seinen bedeutenden Monumentalmalereien wie Der Sämann (1910), daneben aber auch eine Vielzahl von Originalfenstern stehen im Mittelpunkt der Präsentation.

   In Düsseldorf selbst hinterließ J. Thorn Prikker zahlreiche künstlerische Spuren. Zu ihnen gehören die zwei 1925 ausgeführten großen Wandmosaike Der Tag und Die Nacht im heutigen Ehrenhof, die den nördlichen Eckpavillon des NRW-Forums sowie den südlichen Eckpavillon des Museums schmücken. Einen weiteren Höhepunkt Thorn Prikker´scher Arbeit bildet das großformatige zur Rheinseite gelegene hohe Glasfenster im Foyer des Sammlungsflügels des Museums. Die 35 Fensterfelder verleihen dem hohen Raum einen kathedralartigen Charakter. Die Glasarbeit wurde 1926 im Rahmen der seinerzeit größten Messe der Weimarer Republik, GeSoLei ( „Gesundheit, Soziale Fürsorge und Leibesübungen“), von Thorn Prikker geschaffen. Das Gebäude selbst ging danach in die Nutzung des Kunstmuseums - dem heutigen Museum Kunstpalast - über.

 

 

Auf Thorn Prikkers Spuren

 

Wer die Entwicklung des Gesamtœuvres von J. Thorn Prikker, seine außerordentliche Produktivität und Experimentierlust und die Wirkung seiner Werke im Kontext mit der Architektur erfahren will, sollte sich auf die Spuren des Künstlers begeben. Es finden sich u.a. in Amsterdam, Den Haag, Essen, Hagen, Köln und Neuss zahlreiche Arbeiten, die in keiner Schau gezeigt werden könnten. Fast alle Kunstorte im Rheinland sind jeweils als Ein-Tages-Visite zu bewerkstelligen. Das Booklet „Kunstroute“ liefert kurzweilige, fundierte Erläuterungen der Objekte, die sich in öffentlichen und privaten Gebäuden und Kirchen befinden und deren Bedeutung sich nicht ohne Weiteres jedem Betrachter sofort erschließt.

 

Fischfenster-St. Georg, 1928; Glasfenster; Antikglas/ Blei; © Kunstmuseen Krefeld, Foto: Stefan Johnen

Die rheinische ART. empfiehlt als Ergänzung zur Ausstellung „Mit allen Regeln der Kunst“ Ausflüge zu „Thorn Prikker in der Praxis“ mit folgenden Tagestouren:


Neuss und Krefeld: Glasfensterprogramm der neugotischen Heiligen Dreikönigen-Kirche in Neuss (1911, 1927) mit der seinerzeit umstrittenen revolutionären Bildsprache des Künstlers. In den drei Chorfenstern realisierte Thorn Prikker in kühnen, großzügigen Zeichnungen jeweils vier Szenen der Kindheit, des Leidens und der Auferstehung Christi.
    In Krefeld befindet sich mit dem Glasfenster der örtlichen Synagoge (1928) ein Spätwerk Thorn Prikkers. In geometrischer Abstraktion stellt er hier die Heilige Lade im mittleren Fenster sowie Davidstern im linken und rechten Fenster dar.

Köln und Leverkusen: Die dreischiffige romanische Säulenbasilika St. Georg zu Köln besitzt mehrere Kirchenfenster Thorn Prikkers, die er an den Kölner Werkschulen, wo er als Lehrer arbeitete, zwischen 1926 und 1932 fertigte. Sehr sehenswert das Glasfenster Phönix mit Kreuzesfahne im nördlichen Seitenschiff von St. Georg. Weiter ist in Köln das Heilig Geist-Fenster in St. Kolumba/ Madonna in den Trümmern zu empfehlen. Es diente ursprünglich der Ausstattung des katholischen Gesellenhauses in Neuss von 1910, wo es aufgrund kirchlichen Widerstandes gegen das Kunstwerk 1912 ausgebaut wurde.
    In Leverkusen verfügt die Herz-Jesu-Kirche über Glasfenster von 1931, die sowohl mit abstrakten als auch figürlichen Motiven gestaltet wurden, sie weisen so auf die Gleichberechtigung beider Stilmittel durch den Künstler hin. Die Kirche selbst, 1929 eingeweiht, erinnert im Inneren bewusst an eine Fabrikhalle der Bayer-Werke.

Klaus M. Martinetz

 


Die Ausstellung: Johan Thorn Prikker. Mit allen Regeln der Kunst. Vom Jugendstil zur Abstraktion
ist noch bis zum 7. August 2011 zu sehen.

Museum Kunstpalast
Kulturzentrum Ehrenhof
Ehrenhof 4-5
40479 Düsseldorf
Tel. 0211 / 8990200


Öffnungszeiten:
DI/Mi/FR - SO: 11.00 - 18.00 Uhr
DO: 11.00 - 21.00 Uhr

 

Die Ausstellung ist in enger Zusammenarbeit mit dem Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam, gestaltet. Kuratorinnen: Barbara Til und Christiane Heiser

 

Mehr zum Künstler

Johan Thorn Prikker wurde 1868 in Den Haag geboren. Er begann seine künstlerische Laufbahn 1881 an der Königlichen Akademie der bildenden Künste in Den Haag. Bereits zu jener Zeit galt er als eigenwillig und revolutionär. Werke jener Phase gehören zu den herausragenden Werken des niederländischen Symbolismus. Bekannt wurde Thorn Prikker zunächst durch Arbeiten im Jugendstil und in angewandter Kunst, die von Bleiverglasungen über Möbel, Textilkunst bis zu monumentalen Mosaiken und Wandgemälden reichten.

   1904 wechselte Thorn Prikker als Lehrer nach Krefeld an die Handwerker- und Kunstgewerbeschule (heute Werkkunstschule). 1910 hielt sich Thorn Prikker zu Studienzwecken in Paris auf (mehr: Josef Urbach). Mehrere seiner Arbeiten waren im katholischen Rheinland sehr umstritten. Seine Auftraggeber erwarteten Traditionelles, erhielten jedoch eher Revolutionäres. So stießen die Ornamentfenster „Heilig Geist“ des ehemaligen katholischen Gesellenhauses in Neuss auf Ablehnung beim Bistum. Die als „Kaleidoskop“, zu abstrakt und kubistisch-inspiriert bezeichneten Fenster wurden 1912 wieder entfernt und später in Köln („Madonna in den Trümmern“) und Krefeld (Kaiser Wilhelm-Museum) verwendet. Auf Einladung von Karl Ernst Osthaus siedelte Thorn Prikker nach Hagen um, wo er 1911 für den dortigen Hauptbahnhof ein Monumentalfenster gestaltete. Als Lehrer in München, Essen, an der Düsseldorfer Kunstakademie und an den Kölner Werkschulen nahm Thorn Prikker grundlegenden Einfluss auf die Monumentalkunst in Deutschland. Er starb 1932 in Köln.

 

©rheinische-art.de

 

 

 

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