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rheinische ART 02/2021

Archiv 2021

KULTURGUT FOTO
Erforschen, pflegen, bewahren

 

Seit mehr als 150 Jahren ist Essen einer der wichtigsten Standorte für Fotografie und fotografische Sammlungen in Deutschland.

 

Künftig ein wichtiges Zentrum für Foto-Restaurationen: das Folkwang Museum Essen (Aussenansicht) Foto © Museum Folkwang, Jens Nober 2021

 

Mehr als 6,5 Millionen Fotografien umfassen die Kollektionen des Historischen Archivs Krupp, der Stiftung Ruhr Museum, des Museums Folkwang und der Folkwang Universität der Künste.

     Diese vier Institutionen, zusammengeschlossen im Verbund "Zentrum für Fotografie Essen", weisen eine enorme wie auch einzigartige Bandbreite an archivierten historischen Bilddokumente auf. Die Fotografien reichen von Uralt-Bildtechniken aus der Frühphase der Industrialisierung wie etwa der Ambrotypie oder der wesentlich bekannteren Daguerreotypie bis in die unmittelbare Gegenwart.

     Hinzu kommt, dass die Stadt Essen auf eine lange Kontinuität in Lehre und Forschung zur Lichtbildtechnik verweisen kann, die mit der Gründung der Folkwangschule bis ins Jahr 1927 zurückreicht.

 

Die Villa Hügel in Essen verwahrt das älteste deutsche Wirtschaftsarchiv. Das Gebäude war von 1873 bis 1945 Wohnhaus der Unternehmerfamilie Krupp. Mit ihren 269 Räumen inmitten eines 28 Hektar großen Parks über dem Baldeneysee gelegen, ist die Villa weit mehr als ein feudaler familiärer Ex-Wohnsitz – sie ist ein Symbol des Zeitalters der Industrialisierung Deutschlands. Foto © Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung 2021

 

Mit neuer Infrastruktur untermauert die ehemalige Stahlstadt ihre bedeutende Rolle im Genre Fotografie, wie das Museum Folkwang nun bekannt gab.

     Die Stadt Essen richtet mit Unterstützung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung am Museum Folkwang ein institutsübergreifendes Fotorestaurierungsstudio ein. Es soll die umfangreichen Fotobestände der vier Partnerinstitutionen sichern, aufarbeiten und für die Zwecke von Wissenschaft und Lehre verfügbar machen.

     Für die neuen Restaurierungsstellen, die von der Stadt finanziert werden, konnten zwei international renommierte Spezialisten gewonnen werden: die Diplom-Restauratorin Jessica Morhard und der Konservator Peter Konarzewski. Die Krupp-Stiftung fördert die Einrichtung im Museum Folkwang mit 70.000 Euro.

 

Historisches Dokument Eine Versuchsanlage in den Krupp-Werken, 1962. Foto © Historisches Archiv Krupp/ Ausstellung „Krupp Fotografien aus zwei Jahrhunderten“.

 

Historisches Dokument Ein nahtloser Eisenbahn-Radreifen wird durch eine Werkshalle gerollt. Diese technische Neuerung von 1851 führte zum Aufstieg Krupps zum größten Stahlunternehmen in Europa. Foto © Historisches Archiv Krupp / Ausstellung „Krupp Fotografien aus zwei Jahrhunderten“.

 

Historisches Dokument  Schmiedepresse im Krupp-Werk um 1930. Foto © Historisches Archiv Krupp/ Ausstellung „Krupp Fotografien aus zwei Jahrhunderten“.

 

Profitieren werden die im Verbund des „Zentrums für Fotografie Essen“ arbeitenden Institutionen gemeinsam. Das neue Studio sei ein wichtiger Schritt zum Erhalt und zum Ausbau der jeweiligen  fotografischen Sammlungen sowie zur Erweiterung des Forschungsbereichs „Fotografische Materialitäten“ an der Folkwang Universität der Künste, heißt es.

     Neben Konservierung und Pflege der analogen Bestände werden zukünftig auch verstärkt Fragen zur Sicherung von digitalen Konvoluten wichtig, wie das  Museum Folkwang weiter erklärt. Hier soll die neue Fachabteilung als Kompetenzzentrum ansetzen.

    Das Erforschen und Entwickeln zukunftsweisender Standards und das Sichern des Wissenstransfers zwischen Fotorestaurierung, künstlerischer Praxis und Theorie sowie Foto-Geschichte seien die wesentlichen Aufgaben des Studios.

 

Fotografie ist vor allem für die Krupp-Stiftung ein zentrales Thema. Umfangreiche Fördergelder wurden bislang von ihr in zahlreiche Projekte eingebracht und belegen das nachhaltige Interesse am Thema. 

     Und letztlich ist das Historische Archiv Krupp das älteste deutsche Wirtschaftsarchiv mit einer herausragenden Fotosammlung zur Industriegeschichte.

     Nach Angaben der Stiftung werden im Archiv Unterlagen im Gesamtumfang von mehr als neun Regal-Kilometern betreut, darunter zwei Millionen Fotografien sowie 5.000 Filme und Tonträger. Das älteste Dokument stammt aus dem Jahr 1437, die Masse jedoch aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

 

Krupp war eines der ersten Unternehmen, das schon im 19. Jahrhundert zielgerichtet das Medium „Fotografie“ für betriebliche Zwecke nutzte.

     Die 1861 von Alfred Krupp gegründete hauseigene „Photographische Anstalt“, im weiteren Sinne ein früher Vorläufer der heutigen modernen PR-Abteilungen von Großunternehmungen, hatte die Aufgabe, Fotografien zur Dokumentation, zur Produktwerbung und wissenschaftlichen Forschung anzufertigen.

     Der Gründer befand schon seinerzeit weitsichtig: „Nach langen Jahren werden diese Bilder noch interessant sein.“
rART/cpw

 

Museum Folkwang
Museumsplatz 1
45128 Essen
T +49 201 8845- 160

Bis 14. Februar geschlossen
Öffnungszeiten im Regelfall:
DI, MI, SA, SO 10 – 18 Uhr
DO, FR 10 – 20 Uhr

 

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