rheinische ART
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rheinische ART 05/2012

 

ARCHIV 2012
Fünf Künstler und ihre Werke

 

 

Wechselwirkungen

 

 

Die Galerie ARTCO in Herzogenrath zeigt Werke von fünf Künstlern, die bei aller Unterschiedlichkeit in ihrem künstlerischen Œuvre einiges gemeinsam haben. Alle sind sie dem Rheinland verbunden und haben ihre eigene bemerkenswerte Art und Weise gefunden, den "Wechselwirkungen" zwischen Formen und Farben nachzuspüren. Dem Verbindendem im Sujet steht die hohe Differenzierung im Ergebnis gegenüber. Gereon Heil, Herbert Kaufmann, Hermann-Josef Kuhna, Jupp Linssen und Bernhard Zimmer geben dem Spannungsfeld zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit ihren ganz eigenen, bildhaften Ausdruck.

 

Gereon Heil, "Dorf" 2010, Acryl auf Leinwand, 150 x 130 cm

 

 

 

Herbert Kaufmann Netz


 

Gereon Heil (*1957) in Siegen geboren, studierte an der Kunstakademie Düsseldorf, die er als Meisterschüler von Prof. Konrad Klapheck beendete. Im Anschluss an sein Studium arbeitete Heil als freier Maler in Düsseldorf und Ratingen und zog sich später mit seiner Familie in die Abgeschiedenheit des Heinsberger Landes zurück. In der Ausstellung wird eine Auswahl seiner Arbeiten aus dem Werkzyklus „Dorf“ gezeigt. In der für ihn typischen expressiven und komprimierten klaren Farbigkeit interpretiert er die ihn umgebende Umwelt, indem er konturlose Farbflächen dicht aneinander setzt und spannungsvoll miteinander verbindet. Gereon Heil ist zwar nicht nur, aber in erster Linie Landschaftsmaler.

   Herbert Kaufmann (1924-2011) zählt zweifellos zu den Namhaften der Kunst Westdeutschlands nach 1945. In Aachen geboren zog es ihn nach Düsseldorf an die Kunstakademie, wo er sein Studium 1950 beendete. Kaufmann entwickelte rege künstlerische und kulturelle Aktivitäten: Schon früh war er Mitglied in der Düsseldorfer „Gruppe 53“ und hatte mehrere Einzelausstellungen in zeitgenössischen Galerien in Düsseldorf, Mailand und mehrfach in Paris. Er erhielt 1961 den Förderpreis für Kunst des Landes Nordrhein-Westfalen und wurde 1967 als Professor an die Hochschule der Künste in Berlin berufen, wo er bis 1990 lehrte. Weitere Meilensteine in seiner Karriere setzte er durch seine in den 1960er Jahren entstandenen Zeitungscollagen und späteren Pop-Art Bildern der 1970er Jahre. In der Ausstellung sind einige abstrakte Frühwerke zu sehen, die - nach einer gegenständlichen Phase während seines Studiums - in den 1950er Jahren entstanden sind. Beispielhaft für seine Arbeit ist die Malerei, die von dichten schwarzen Netzstrukturen dominiert wird – Netze die Farbkompositionen auf unterschiedlichen Bildebenen überspannen. Später übertrug Kaufmann dieses Gestaltungsprinzip ins Reliefhafte und gab den Bildern den Titel „Inkrustationen“.


Hermann-Josef Kuhna, "Milde Mulde" 2010, 50 x 60 cm

   Hermann-Josef Kuhna (*1944) mit umfangreicher nationaler und internationaler Ausstellungsvita, ist in vielen bedeutenden öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten. Er studierte ebenfalls an der Kunstakademie Düsseldorf und wurde im Jahre 1979 zum Professor an die Kunstakademie Münster berufen, an der er seit 1972 als Dozent lehrte. Kuhna bezeichnet seine Arbeit als strukturelle Malerei. Die planerisch konstruierte Komponente in seiner Kunst bedeutet jedoch nicht, dass seine Bilder statisch wirken. Eher das Gegenteil ist der Fall – sie sind außerordentliche dynamisch und lebendig. Mit schnellem Pinselstrich verdichtet Kuhna Punkte und Flecken zu Farbkompositionen von hoher Strahlkraft. Es entsteht eine Farbgerüst, das in sich verkettet und vernetzt ist und seine Gegenständlichkeit mit Landschaften, Akten oder Tanzszenen erst auf dem zweiten Blick offenbart. Im öffentlichen Raum ist Kuhna ebenfalls zu finden. Am Düsseldorfer Rheinufer nahe der Stadtturmes ist eine meterlange und -hohe Arbeit von ihm platziert, die zu den künstlerischen Wahrzeichen der Landeshauptstadt zählt.

 

Jupp Linssen, "ohne Titel", 2009, Zinkblech, Holz, Leinwand, 64 x 162 cm
 

Jupp Linssen (*1957) ist am Niederrhein aufgewachsen. Er studierte von 1980 bis 1986 Kunst an der RWTH Aachen bei Prof. Joachim Bandau und erhielt 1987 den Förderpreis „Bildende Kunst“ der Karlsstadt. Linssen zählt zu den wenigen zeitgenössischen Künstlern Aachens, die nicht nur lokal sondern auch auf internationaler Ebene eine hohe Wertschätzung genießen. Charakteristisch für seine Arbeiten ist die Verwendung von, wie er es nennt „ armen Materialien“, Sperrmüllrelikten wie Zinkbleche oder gebrauchtes Bauholz. Es sind Materialien mit einer Biografie fern der Kunst. „Formschönes“ findet in der Kunst Jupp Linssens keine Verwendung. Auch er arbeitet sich im malerischen Akt Schicht für Schicht bis zur Vollendung eines Werkes vor. Durch das Auf- und wieder Abtragen von Farbschichten entstehen Strukturen, die an marode Objekte, an verwitterte Fassaden, an Auflösung und Vergänglichkeit erinnern.

 

Bernhard Zimmer "ohne Titel" 2012, Öl auf Leinwand, 170 x 150 cm

   Bernhard Zimmer (*1957) wurde in Stuttgart geboren und studierte von 1978 bis 1984 in Hildesheim. Er lebt und arbeitet in Köln. Die Basis seiner kraftvoll-farbigen Bilder sind reliefartige Strukturen, die auch er aus vielen Farbschichten aufbaut. Sein Thema ist die Sichtbarmachung und Spiegelung des Spannungsfeldes zwischen Ordnung und Chaos. Dem Chaos stellt Bernhard Zimmer in seiner Kunst die Schrift als ordnenden Faktor entgegen. Auf teils monochromen oder farblich sehr dichten Bildgründen finden sich Worte, Wortgruppen oder Sätze. Ob deutlich, schablonenhaft aufgetragen, oder auf Fragmente reduziert – Schrift wird zum Gegenpol. Diese Wechselwirkung der gegensätzlichen Elemente bringt Balance in seine Bilder.
ruwoi


Die Ausstellung „Wechselwirkungen“ ist bis zum 01.06.2012 zu sehen.
ARTCO Galerie
Ferdinand-Schmetz-Platz 2
52134 Herzogenrath
Tel. 02406 / 6666948

Öffnungszeiten
DI – FR 10 – 12 Uhr und 15 – 18 Uhr
SA 10 – 14 Uhr

 

 
 

©Fotos Künstler und Galerie ARTCO

 

 

 

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