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rheinische ART 11/2018

FOTO-SCHAU
Daheim bei den Beuysens


Gut 14 Jahre lebte Joseph Beuys mit Familie in einer kombinierten Wohn-und Arbeitsstätte im Düsseldorfer Stadtteil Oberkassel. Wie es da zuging, zeigt eine Ausstellung mit großformatigen Fotografien der Ehefrau Eva.

 

Eva Beuys-Wurmbach Nähtisch und Ölofen und Werke von Joseph Beuys im Raum Drakeplatz 4, 1962. Foto © Eva Beuys und Joseph Beuys: VG Bild-Kunst, Bonn 2018

 

Die Wohnung, die Joseph Beuys mit seiner Frau Eva 1961 am Drakeplatz 4 bezog, war ein Atelier mit Innenhof, ein privater wie gleichzeitig öffentlicher Raum, der für Wohnen, Leben, Arbeit und Kunst gedacht war. Künstlerkollege Gotthard Graubner hatte die Oberkasseler Herberge besorgt. Ein Haushalt, eher karg als komfortabel.

 

Eva Beuys-Wurmbach The Needles of a Christmas Tree, 1962, Installation von Joseph Beuys im Raum Drakeplatz 4, 1962. Foto © Eva Beuys und Joseph Beuys: VG Bild-Kunst, Bonn 2018

 

Dennoch hat der Betrachter der nun im Museum Schloss Moyland gezeigten Bilddokumente das Gefühl: ungemütlich war es in der fünf Meter hohen „Kunsthalle“ nicht.

     Es gab eine für die Sechzigerjahre übliche Heiz- und Herdanlage in Form eines Ölofens und auch einen jährlichen Weihnachtsbaum. Soweit, so bürgerlich.

     Allerdings wurden aus diesen profanen Attributen deutschen Wohnens irgendwann jeweils Installationen und Skulpturen – das macht eben den Unterschied zu Familie Müller, Meier, Schulze.

     Und auch die schon nach dem Einzug bereits vom Meister verwendeten, eher unappetitlichen Werkstoffe Filz und Fett (Palmin soll es gewesen sein) für Plastiken taten dem Familienleben keinen Abbruch. Sein Markenzeichen, den unabsetzbaren Filzhut, soll der Hausherr im Übrigen schon seinerzeit stets getragen haben, natürlich auch daheim.

 

Eva Beuys-Wurmbach Konstellation von Joseph Beuys mit Stuhl mit Fett, 1962-1963 und anderen Werken im Raum Drakeplatz 4, 1963. Foto © Eva Beuys und Joseph Beuys: VG Bild-Kunst, Bonn 2018

 

Für Joseph Beuys (1921–1986) gab es auf jeden Fall keine Trennung zwischen familiärer Privatheit und Öffentlichkeit. Leben und Werk bildeten für ihn eine Einheit, wie es in der Ausstellung heißt.

     Und so entwickelte sich das um weitere Räume gewachsene Beuyssche Refugium am Drakeplatz 4. Beuys, der mittlerweile Kunstprofessor an der Düsseldorfer Kunstakademie war und Papa der Kinder Wenzel und Jessyka, formte das Heim zu einem Ort mit einer Art magischer Ausstrahlung. Küche, Kunst und Kinderstühlchen gingen ineinander über und wurden nicht selten staunenden Besuchern vorgeführt.


Eva Beuys, eine Fotografie-Autodidaktin, dokumentierte das Leben der Künstlerfamilie im Wohnatelier von 1961 bis 1975 mit einer Großformat-Plattenkamera und schuf damit bemerkenswerte schwarzweiße Zeitzeugnisse.

     Den Fokus ihrer Langzeitdokumentation legte sie auf die ästhetische Atmosphäre der Räume und die Werke des Künstlers. Wohlgemerkt auf eben diese Elemente, und nicht auf die Person Beuys. Der meistfotografierte Künstler seiner Zeit taucht in dieser Fotosammlung nicht einmal auf.

     Dass Eva Beuys eine vergleichsweise altmodische Fototechnik verwendete, lag offenbar daran, dass der Bildhauer Beuys schwarz-weiße Rollfilme nicht schätzte. Die Fotografin erklärte hierzu einmal, dass ihr Mann glaubte, seine Werke würden darunter zu leiden haben, wenn sie für kurze Zeit gerollt würden!

     Einige der Kunstobjekte aus dem Beuys-Haushalt gelangten später in Expositionen oder Sammlungen. Der Ölofen wurde 1964 Teil einer „Wärmeplastik“, ein Begriff, den erstmals Beuys verwendete und den er als Synonym für die Soziale Plastik verstand. Der karge Stamm des Weihnachtsbaums von 1961 wurde Jahre später ein Teilelement des millionenschweren Werkes „Gundfana des Westens – Dschingis Khans Flagge“ (1961-1970), heute im Kunstmuseum Krefeld.
cpw


Das Museum Moyland hat das Portfolio von 63 Bildern mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder und der Kunststiftung NRW für das Joseph-Beuys-Archiv angekauft.


► Vor zwei Jahren veröffentlichte der Schirmer Mosel Verlag erstmals in einem Fotoband die Arbeiten von Eva Beuys mit ausführlichen Kommentaren. Eva Beuys, Joseph Beuys: Beuys. Düsseldorf-Oberkassel Drakeplatz 4, gebunden, 144 Seiten, 64 Abbildungen, ISBN 978-3-8296-0704-9, Schirmer/Mosel 2016. 49,80 Euro


Die Ausstellung „Beuys. Düsseldorf-Oberkassel Drakeplatz 4“ endet am 25. August 2019.
Museum Schloss Moyland
Am Schloss 4
47551 Bedburg-Hau
Tel. 02824 / 9510-1
Öffnungszeiten
DI – FR 11 – 18 Uhr
SA, SO 10 – 18 Uhr

 

 

                     

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