rheinische ART
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rheinische ART 12/2020

RELIGION
Buddha-Boom


Buddhas sind unverkennbar, genießen große Popularität und finden sich weltweit an vielen Orten: In Privatgärten wie öffentlichen Parks, in Meditations-, Wohn- oder Schlafzimmern, in Wohlfühloasen, vor Asia-Restaurants, in Ethno-Shops und Lifestyle-Lofts.

 

Theravada-Buddhismus Darstellung des sterbenden Buddha. Die Figur stammt aus Thailand vor 1937. Foto © Museum der Kulturen Basel / Omar Lemke 2020

 

Aktuell werden geschätzt rund eine halbe Milliarde Menschen dieser zutiefst friedliebenden Weltreligion zugerechnet. In einigen Ländern, wie Thailand, ist der Buddhismus Mehrheitsreligion. Vor allem in Westeuropa existiert seit den Fünfzigerjahren ein regelrechter Buddha-Starkult, der nicht nachgelassen hat.

     Ganz im Gegenteil! Die Dunkelziffer „an verkappten Buddhisten“ sei wohl beträchtlich, vermerkte jüngst die Neue Zürcher Zeitung. Austrittszahlen wie bei den christlichen Religionen sind im Buddhismus nicht bekannt.

 

Amitabha-Buddha im Tempel Kotoku-in. Die Bronzeskulptur in der japanischen Stadt Kamakura ist Nationalschatz und eine der bedeutendsten Buddha-Darstellungen. Sie wird auch Großer Buddha von Kamakura (jap. Kamakura Daibutsu) genannt. Errichtet 1252, wurde sie mehrmals durch Taifune und Tsunamis (1498) zerstört. Sie hat eine Höhe von 13,35 Metern und wiegt rund 121 Tonnen. Foto © rheinische ART 2020

 

Was ist es, das die Figur mit dem sanftmütigen Antlitz für viele so faszinierend macht? Welche Lehren und Praktiken stecken im Buddhismus? Eine Ausstellung im Baseler Museum der Kulturen geht diesen Fragen nach und stellt diese Religion in seiner Vielschichtig- und Vielstimmigkeit dar. Das Museum hat die Schau unter den Titel „Erleuchtet – Die Welt der Buddhas“ gestellt und bietet mehr als 50 Figuren sowie über 200 weitere thematische Exponate.

 

Blick in die Ausstellung 50 Buddhas sorgen für Erleuchtung. Foto © Museum der Kulturen Basel / Omar Lemke 2020

 

Es geht in dieser Schau nicht nur um den einen Buddha, darauf lassen Expo-Titel und Objekte schnell schließen. Denn es gibt viele Buddhas und ebenso viele Wege, die zur Erleuchtung führen. Hierin mag ein Geheimnis der großen Wirkung liegen.

     Oder ist es die ebenso schlichte wie erfrischende Botschaft, die reizt? Denn warum sich den Kopf zerbrechen über Dinge, die man nicht beeinflussen kann, so die buddhistische Lehre. Was vorbei ist, ist vorbei und lässt sich nicht ändern. Was noch kommt, kann man nicht wissen. Man nimmt alles gelassen, gefasst und geduldig, einfach cool. Vielleicht in Coronazeiten keine schlechte Einstellung zum Leben.


Der Buddhismus, daran sei erinnert, hat eine mehr als 2000-jährige Geschichte und vermochte es, sich stets neu an regionale Gegebenheiten anzupassen. Daher existiert eine große Vielfalt an Buddhabildern in unterschiedlichen Schattierungen, was die Baseler Ausstellung spiegelt. Gemeinsam ist allen, dass sie sich auf die Lehren des Begründers Siddhartha Gautama aus Nordindien berufen, der im 6. und möglicherweise noch im frühen 5. Jahrhundert v. Chr. dort lebte.


Es ist bekannt, dass sich die buddhistische Ikonografie in erstaunlichem Maße den regionalen Sehgewohnheiten angepasst hat. Der Gandhara-Buddha aus dem historischen pakistanisch-afghanischen Raum mag dem westlichen Auge seltsam vertraut vorkommen, hat er doch Ähnlichkeiten mit einem griechischen Gott wie Apoll. Thailändische Buddha-Figuren hingegen weisen oft mit fein geschnittenen Gesichtszügen fast weibliche Elemente auf.

 

Einer von über 50 Buddhas in der Ausstellung "Erleuchtet - Die Wege der Buddhas" im Museum der Kulturen Basel. Foto © Museum der Kulturen Basel / Omar Lemke 2020


Insgesamt ergibt sich ein ungeheuer spannendes und vielfältiges Bild der Darstellungen. Sie reichen von der golden glänzenden Monumentalstatue aus Japan bis zur kleinen Alabaster-Figur aus Myanmar, von Objekten aus dem 3. Jahrhundert bis zu solchen, die im 20. Jahrhundert entstanden sind. Es gibt gekrönte Buddhas oder bescheidene in Mönchsgestalt, viele im berühmten Lotussitz, andere liegend oder auch stehend.

     Bemerkenswert: Das Museum wagt noch einen Schritt über die meditative Lehre und die Wege zur Erleuchtung hinaus und zeigt Werke zeitgenössischer Künstler, die eine Verbindung von Religion und Politik im Buddhismus sowie überlieferte Hierarchien kritisch aufgreifen.
cpw


Die Ausstellung „Erleuchtet - Die Welt der Buddhas“ soll nach ursprünglichen Plänen bis zum 23. Januar 2021 gezeigt werden. Wegen der Covid-19-Pandemie sind Schließungen wirksam. Das Museum bietet zur Vorbereitung auf einen Besuch einen interessanten digitalen Zugang zur Thematik. Die digitale Präsentation kann auch gut als allgemeine Information genutzt werden. Das Digitorial zur Ausstellung  ► hier.


Museum der Kulturen Basel
Münsterplatz 20
4051 Basel / Schweiz
Tel +41 61 266 56 00
Öffnungszeiten
DI – SO 10 – 17 Uhr
Jeden ersten Mittwoch im Monat: 10.00 – 20.00 Uhr

 

  Literaturtipp: Hermann Hesse Siddhartha; Ersterscheinung 1922. Verschiedene Verlage, zum Beispiel Suhrkamp Taschenbuch 4354, 204 Seiten ISBN: 978-3-518-46354-3
Hesses Siddhartha ist ein zeitloser Klassiker und zählt zu den beliebtesten Werken des Autors. Ein Prinz wandelt sich zum Asketen, trifft Buddha, erkennt, dass er seinen eigenen Weg gehen muss, wendet sich der Welt zu und wieder ab, wird schließlich Fährmann und weithin gerühmt für seine Weisheit. Hesse findet in diesem Roman Antworten auf Fragen, die wir uns alle stellen: Wer bin ich? Wer will ich sein? Wie finde ich meine innere Ruhe?

 

Zitation: NZZ Neue Zürcher Zeitung vom 5. Dezember 2020

 

 

 



 

 

 

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