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rheinische ART 06/2020

Archiv 2020

RARITÄT
Dalí im Rheinland


Nur selten gibt es hierzulande Spitzenwerke des populären Surrealisten Salvador Dalí in dieser Form zu sehen. Das Arp Museum Rolandseck hat ein kleines Kunststück fertiggebracht.

 

Salvador Dalí Der Traum der Venus, 1939, Hiroshima Prefectural Art Museum © Fundació Gala-Salvador Dalí, Figueres/ VG Bild-Kunst, Bonn 2020

 

Denn die Arbeiten des Spaniers sind es unbedingt wert, dass man sich in das großartige Gebäude des Architekten Richard Meier, das „Bahnhofsmuseum“ in Rolandseck, begibt (mehr).

 

Salvador Dalí Traum, verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel eine Sekunde vor dem Aufwachen, 1944, Museo Nacional Thyssen-Bornemisza, Madrid © Fundació Gala-Salvador Dalí, Figueres/ VG Bild-Kunst, Bonn 2020

 

Hans Arp mit Nabelmonokel Unbekannter Fotograf ,1926 © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

 

Von den dort ausgestellten surrealistischen Gemälden des Meisters können „Traum verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel eine Sekunde vor dem Aufwachen“ von 1944 – ausgeliehen aus dem Madrider Museo Nacional ThyssenBornemisza – oder „Der Traum der Venus“ (1939) als wirklich außergewöhnliche Leihgaben registriert werden. Letztere, die meterbreite und vier Paneelen umfassende Version, hängt sonst im Hiroshima Prefectural Art Museum.


Überhaupt: Museumsdirektor Oliver Kornhoff und seinem Team ist der erstaunliche Coup gelungen, hochkarätige Dalí-Werke aus den namhaftesten europäischen Häusern, den USA und Japan an den Rhein zu holen.
     „Die Geburt der Erinnerung“ heißt die noch bis zum 16. August zu sehende Ausstellung. Sie ist eine Gegenüberstellung, eine „dialogische Präsentation“ wie das Museum betont, von Arbeiten des international berühmten Dalí mit zahlreichen Stücken des weniger bekannten Surrealisten und Hauspatrons Hans Arp.

     Doch das mit dem „weniger bekannt“ ist so eine Sache für sich. Dalí sah das nämlich völlig anders! „Lassen wir Picasso beiseite. Wir werden lernen müssen, uns besser mit Arp zu verstehen“, so wird er zitiert.


Salvador Dalí war, wer möchte daran zweifeln, ein Meister der Selbstinszenierung. Ein Kreativer, der sich selbst zum Kunstwerk und zu einer Marke machte, die sich mit der Zeit verselbstständigte und heute global bekannt ist. So zieren seine großen aufgerissenen Augen und sein weltberühmter Schnurrbart bis heute zahlreiche Zeitschriftencover und sogar auf Briefmarken finden seine Werke Verbreitung.
     Was verband diesen vermeintlichen Übervater des Surrealismus mit dem gebürtigen Straßburger Maler, Grafiker, Bildhauer und Lyriker Hans Peter Wilhelm Arp, auch Jean oder Hans Arp genannt?

 

Ihre Wege kreuzten sich 1929 in Paris, als der gerade 25-jährige Dalí in den Künstlerkreis der Surrealisten aufgenommen wurde. Zu diesem Zeitpunkt war Arp mit 43 Jahren bereits etabliertes Mitglied der surrealistischen Bewegung um André Breton.

     Der Deutsch-Franzose, der sich zuvor als einer der führenden Köpfe des Dadaismus (mehr) in verschiedensten Techniken des Zufalls und der Intuition ausprobiert hatte, identifizierte sich schnell mit den Ideen des Surrealismus. Seine Texte und Werke wurden in den wichtigsten Publikationen des Surrealismus abgedruckt und Arps Reliefs für ihre objektsprachliche Neuartigkeit gefeiert.

 

Salvador Dalí Die Spektralkuh,1928, The Salvador Dalí Museum, St. Petersburg (Florida) © Fundació Gala-Salvador Dalí, Figueres/ VG Bild-Kunst, Bonn 2020

 

Hans Arp Blatt einer Frau, 1935, Kunstmuseum Bonn, Leihgabe der Professor Dr. med. Wilfried und Gisela Fitting Stiftung © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

 

Dalí war daher schon vor dem Jahr 1929 mit dem Werk von Hans Arp bekannt und wesentlich von diesem Pionier der abstrakten Kunst beeinflusst worden.

     Davon zeugen Gemälde Dalís wie die „Spektralkuh“ aus dem Jahr 1928, die eindeutige Bezüge auf die biomorph- organischen Strukturen von Hans Arps Reliefs erkennen lassen.
     Die Gegenüberstellung der Werke beider Künstler verdeutlicht, so betonen die Kuratoren, wie sehr Dalís Arbeiten um 1928 von abstrakt-organischen Formen geprägt wurden.

     Denn die Formen wuchern, wachsen und wandeln sich ähnlich, wie es für die Kunst Hans Arps typisch ist. Die weich fließenden und organischen Strukturen der Arpʼschen Skulptur scheinen geradewegs einem Gemälde Dalís zu entspringen – und andersherum! Auch die Lyrik Arps bildet eine weitere Schnittmenge mit einigen von Dalís Werken, heißt es im Bahnhof Rolandseck
     Trotz vieler Parallelen: Die beiden Künstler gingen innerhalb des Surrealismus dennoch ihre eigenen Wege. So ist Dalí mit seinem „akademischen Pinselstrich“ einer der wichtigsten Vertreter des veristischen Surrealismus, während Hans Arp mit seiner organischen Formensprache für den abstrakten Surrealismus steht.
rART/K2M


Die Ausstellung „Salvador Dalí und Hans Arp. Die Geburt der Erinnerung“ kann bis zum 16. August 2020 besucht werden.
Arp Museum Bahnhof Rolandseck
Hans-Arp-Allee 1
53424 Remagen
Tel. 02228 / 92 55-0
Öffnungszeiten
DI – SO 11 – 18 Uhr

 

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