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rheinische ART 03/2021

PHOTOSZENE
Kölner Kultursäulen

 

In der Domstadt wird die Plakataktion „Kunst an Litfaßsäulen“ fortgeführt. Das neueste Motiv spiegelt ein Stück historische Fotografie.

 

In Kölner Straßen „Camera Obscura Wien“  Foto © „Bärbel Möllmann“, Fotoquelle Stadt Köln 2021

 

Das Bild zeigt den auf dem Kopf stehenden Ausschnitt eines Raumes mit einem ungemachten Bett, an dessen Wänden die Gebäude einer Stadt zu sehen sind – diese „richtig herum“. Eine ungewöhnliche Verschmelzung von innen und außen, die geradezu dazu auffordert, vor der Litfaßsäule stehen zu bleiben und genau hinzusehen.

     Konkret erklärt sich das Motiv der Fotografin Bärbel Möllmann aus der Verwendung einer „Camera Obscura“, der Jahrhunderte alten Technik der Lochkamera, die gelegentlich auch „Magic Box“ genannt wird.
     Mit Blick auf die Tradition und Historie dieses Fotovorläufers hat eine Jury das „Camera Obscura“- Bild für den Zeitraum bis Ende Mai als Plakat ausgesucht, denn vom 21. bis 30. Mai findet in Köln die Internationale Photoszene statt.
     „Es freut mich, dass sich die Jury mit der Arbeit von Bärbel Möllmann für ein Motiv entschieden hat, das die Fotografiegeschichte reflektiert. So breitet sich das Medium Fotografie parallel zur Photoszene mit seiner Reflexion über sein Abbilden der Wirklichkeit im gesamten Stadtbild aus“, so Barbara Foerster, Leiterin des Kölner Kulturamtes.

 

Athanasius Kircher Historische Illustration der “tragbaren“ camera obscura, aus: Kirchers Ars Magna Lucis Et Umbra, 1646. Fotoquelle Wikipedia gemeinfrei

 

Prominenter Nutzer der Lochkamera vor fast 200 Jahren: Johann Wolfgang von Goethe. Er verwendete eine tragbare camera obscura in einem Holzkasten. Foto © Schiller-Haus Weimar. Fotoquelle Wikipedia CC-BY-SA 3.0 Hajotthu

 

Für die spezifische Aufnahme hat die gebürtige Bocholterin Bärbel Möllmann (*1970) das Zimmer ihrer Wohnung in Wien völlig verdunkelt. Durch eine Linse im Vorhang wurde das Bild der Außenwelt dann im traditionellen Verfahren einer „Camera Obscura“ (mehr) auf die hinteren Wände projiziert.

     Erst nach einigen Minuten sei sie dann in der Lage, das Lichtbild zu erkennen und mit Hilfe einer Langzeitbelichtung aufzunehmen, erklärt die Künstlerin. Am Ende entsteht eine Addition von Bildern. Die Einrichtung der Wohnung vermischt sich untrennbar mit dem kopfstehenden Abbild der Stadtlandschaft, wie sich diese vor dem Fenster präsentiert.

     Bereits seit 1996 arbeitet Möllmann mit der „Camera Obscura“, die als uralte Technik von zahlreichen prominenten Kreativen genutzt wurde, unter anderen von Goethe.

     Gerade in Zeiten der digitalen, schnelllebigen Fotografie, dem Instagram-Bild, gilt diese Art der Lichtbildschaffung als etwas Besonderes, Langlebiges. Denn sowohl der Prozess als auch die Aufnahme selbst stehen völlig im Gegensatz zur digitalen Welt.
rART/bra

 

► Bärbel Möllmann wurde 1999 mit dem 4. Aenne-Biermann-Preis (mehr) für Deutsche Gegenwartsfotografie ausgezeichnet.
 

 
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