rheinische ART
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rheinische ART 07/2020

Archiv 2020

MEISTER ARNT´S
Erzählungen in Holz

 

Spätgotische Schnitzaltäre sind in der Regel überaus imposante Werke. Der Niederrhein war jahrelang die Heimat eines der großen Meister dieses Metiers. Arnt von Kalkar ist gleichwohl vielen nicht bekannt.

 

Georgsaltar (Detail), Werkstatt des Meisters Arnt von Kalkar und Zwolle, 1483–1487, St. Nicolai, Kalkar, Foto: Stephan Kube, Greven. Bildquelle © Museum Schnütgen Köln 2020

 

Genau genommen ging dieser Bildhauer als Arnt Beeldesnider (Bilderschneider) oder als Arnt von Kalkar und Zwolle in die Kunstgeschichte ein.

 

Büste eines hl. Bischofs, Werkstatt des Meisters Arnt von Kalkar und Zwolle, St. Nicolai, Kalkar, Foto: Stephan Kube, Greven. Bildquelle © Museum Schnütgen Köln 2020

 

Anbetung der Heiligen Drei Könige [vor der Ergänzung durch die neu erworbenen Fragmente], Werkstatt des Meisters Arnt von Kalkar und Zwolle, 1480–1490, Museum Schnütgen, Foto: Rheinisches Bildarchiv, Köln, H. Buchen. Bildquelle © Museum Schnütgen Köln 2020

 

Damit wird sogleich deutlich, woher der virtuose Holzschnitzer ursprünglich stammte, aus den Niederlanden. Allerdings: Geburtsjahr unklar, aber mit Sicherheit vor 1450, das Todesjahr ist belegt für 1492.

     Und ferner belegt ist seine berufliche Tätigkeit im niederrheinischen Kalkar. Dort, in der damals vermögenden Leinenhandelsstadt, war „Meister Arnt“ vorzugweise für die örtliche Nicolaikirche tätig und begründete die Bildschnitzerschule der Region.


Das Kölner Schnütgen Museum präsentiert 60 Werke des niederländisch-niederrheinischen Bildhauers in der ersten monografischen Ausstellung. Sie titelte „Arnt der Bilderschneider – Meister der beseelten Skulpturen“.
     Der eigentliche Anlass dieser bemerkenswerten Schau ist laut Museumsaussage eine Neuentdeckung. Anfang 2019 war es dem Museum Schnütgen gelungen, drei als verschollen geltende Fragmente zu erwerben, mit denen ein bereits in der Hauskollektion befindliches Hauptwerk von Arnt, die Altartafel mit der Anbetung der Heiligen Drei Könige, vervollständigt werden konnte und nun erstmals in dieser Form gezeigt werden kann.
     

Gleichzeitig gelang es, ein weiteres berühmtes Zentralwerk des Bildschnitzers für die Schau auszuleihen: den Georgsaltar aus der Kalkarer Nicolaikirche. Der im geöffneten Zustand etwa fünf Meter breite Flügelaltar wird damit zum ersten Mal außerhalb des Kirchenraumes präsentiert. Es handelt sich um einen Entwurf von Arnt, der posthum von seinen Schülern vollendet worden war.

     Im Zentrum der Darstellung steht das Leiden Christi, umrahmt vom Kampf des heiligen Georg in goldschimmernder Rüstung mit dem Drachen. Die Motive Fußwaschung und Teile der Kreuzigung gelten hingegen als Arbeiten aus Arnts Hand.

 

Georgsaltar Werkstatt des Meisters Arnt von Kalkar und Zwolle, 1483–1487, St. Nicolai, Kalkar, Foto: Stephan Kube, Greven. Bildquelle © Museum Schnütgen Köln 2020

 

Georgsaltar (Detail), Werkstatt des Meisters Arnt von Kalkar und Zwolle, 1483–1487, St. Nicolai, Kalkar, Foto: Stephan Kube, Greven. Bildquelle © Museum Schnütgen Köln 2020

 

Das Oeuvre von "Meister Arnt" steht heute für die Verbindung künstlerischer Impulse des Niederrheins mit denen der angrenzenden Niederlande. Rund ein Vierteljahrhundert lebte und arbeitete der Kunsthandwerker am unteren Niederrhein in Kalkar und wechselte aus familiären Gründen etwa 1484 in die niederländische Stadt Zwolle, der heutigen Hauptstadt der Provinz Overijssel.

     Seine Werkstatt belieferte zahlreiche Orte im Umland des Ijsselmeeres und der Region um Kleve. Dazu gehört auch das mit markantem Figurenwerk ausgestattete Chorgestühl von 1474 in der ehemaligen Klever Minoritenkirche.
 

Zu den erhaltenen Arbeiten von Arnt zählen neben Altarretabeln mit figurenreichen und erzählerischen – fast an „Wimmelbilder“ erinnernde – Reliefdarstellungen, Statuen von Heiligen sowie Einzelfiguren von Christus, Engeln und der Muttergottes mit Kind.

     Trotz der heute bekannten hohen Produktivität seiner Werkstatt ist "Meister Arnt" einer breiteren Öffentlichkeit weitgehend unbekannt geblieben. Kunstkenner stellen ihn in eine Reihe mit den weit populäreren süddeutschen Holzschnitzern wie Tilman Riemenschneider und Veit Stoß.

     Ein Alleinstellungsmerkmal des Niederrheiners: Er fertigte seine fantastischen Reliefs aus dem schwer zu bearbeitenden Eichenholz, während die Schnitzer in Süddeutschland die weicheren Hölzer wie etwa Linde bevorzugten.
rART/cpw


Zusätzliche hochkarätige Leihgaben in der Schau stammen unter anderen aus dem Rijksmuseum in Amsterdam, dem Musée de Cluny in Paris und dem Musée Art & Histoire in Brüssel sowie aus zahlreichen Kirchen am Niederrhein.


Die Ausstellung „Arnt der Bilderschneider – Meister der beseelten Skulpturen“ wird bis zum 20. September 2020 gezeigt.

Museum Schnütgen
Cäcilienstraße 29-33,
50667 Köln
Tel. 0221 / 22131355
Öffnungszeiten
DI – SO 10 – 18 Uhr
DO 10 – 20 Uhr

 

 

 



 

 

 

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