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rheinische ART 04/2011

Archiv 2011: aus "Kultur + Geschichte"

Legendär: Thomas Edward Lawrence

 

Original-Filmposter „Lawrence von Arabien“ von David Lean 1962, Deutschland.
© Landesmuseum Natur und Mensch, Oldenburg.

 

HELD

 

AUS DER

 

WÜSTE

 

 

Über seine Person wurde viel geschrieben und geforscht, noch mehr fantasiert und gerätselt. Zum 76 Todesjahr des weltberühmten britischen Offiziers, Archäologen, Spions, Historikers, Abenteurers und Schriftstellers befeuert das Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum in der kurzweiligen Sonderausstellung „Lawrence von Arabien - Genese eines Mythos“ die Sehnsucht nach den alten Helden des letzten Jahrhunderts.

 


Die multimedial angelegte Sonderausstellung in Köln versucht, der mythenschweren und rätselhaften Person T.E. Lawrence näher zu kommen. War er nun tatsächlich der legendäre Held und „Befreier Arabiens“, der Asket und charismatische Wüstensohn, der Freund des späteren König Faisal, der Wanderer zwischen dem Abend- und Morgenland, der fanatische Orientalist und furchtlose Nachrichtenoffizier im Dienste der englischen Krone? Nach wie vor - so betonen die Ausstellungsmacher – falle es Betrachtern schwer, eine Trennlinie zwischen der historischen, literarischen und medialen Figur zu ziehen.

 

T.E. Lawrence auf dem Balkon des Victoria Hotels in Damaskus (3. Oktober 1918).
Foto: Chase Harry
© Imperial War Museum, London

 

Delegation in Kairo zu Besuch bei den Pyramiden am 20. März 1921. U.a. Clementine Churchill, Winston Churchill, Gertrude Bell und T.E. Lawrence
© Liddell Hart Center for Military Archives, King´s College, London.

 

Die Delegation des Hedschas auf der Pariser Friedenskonferenz 1919, vorne zu sehen Prinz Faisal, dahinter links T.E. Lawrence.
© Imperial War Museum, London

 

 

Mediale Glorifizierung

Wahrscheinlich ist es das von Regisseur David Lean geschaffene grandiose 210 Minuten- Hollywood-Epos „Lawrence von Arabien“, das bis heute das Bild des gefeierte Kriegshelden Thomas Edward Lawrence (1888-1935) überwiegend bestimmt. Die 1962 in die Kinos gekommene Wüsten-Saga vom Krieg der arabischen Beduinenstämme gegen das Osmanische Reich, mit Peter O´Toole in der Titelrolle und Stars wie Omar Sharif, Alec Guinness und Anthony Quinn opulent besetzt, erhielt immerhin sieben Oskars und zählt zu den bedeutendsten Filmwerken.

 

Kritische Stimmen

Hilfreich kann da die eine oder andere - auch wissenschaftliche - Stimme sein, die der widersprüchlichen Figur des Oxford-Absolventen kritisch begegnet und das Zwiespältige, Tragische, Überhöhte, Übertriebene und Verherrlichte herausstellt und bewertet. Aktuell fällt da die jüngst erschienene Biografie „Lawrence von Arabien. Ein Mann und seine Zeit“ des Historikers Peter Thorau ins Auge.

     Das Buch beschreibt breit und spannend die dramatische arabische Erhebung und stellt Lawrence´ Einfluss und Bedeutung in diesen Sachzusammenhang – eine Entmystifizierung ist das Resultat. Neben zahlreichen anderen Kritikern hatte schon der Filmhistoriker Ulrich Gregor in den 1970er-Jahren den Filmkult um T.E. Lawrence als „romantische Glorifizierung eines Übermenschen“ bezeichnet.

     Die Kölner Schau ist mit etwa 500 Exponaten äußerst reichhaltig bestückt. Sie nimmt die Besucher mit auf eine Reise in die Welt des Orients zu Beginn des 20. Jahrhunderts und nähert sich den Wurzeln der politischen Auseinandersetzungen, die noch heute die Verhältnisse im Nahen Osten prägen. Gezeigt wird eine Vielfalt von Fotografien, Aquarellen und Laterna-Magica-Bildern, welche die stereotype Darstellung des Orients durch den Westen veranschaulicht.
      Anhand umfangreichen Quellenmaterials werden das Leben von T.E. Lawrence und sein Wirken von der ersten Begegnung mit dem Orient bis zu seinem Tod behandelt und der Entstehungsprozess eines Mythos visualisiert. Dokumente aus der Zeit des arabisch-osmanischen Konflikts und persönliche Gegenstände liefern ergänzende Informationen.

 

Geschichte und Gegenwartsentwicklung
Die Ausstellung soll aber weder den Mythos bestätigen, noch einen neuen entstehen lassen – so die Klarstellung der Organisatoren. Zum anderen werden die Ereignisse im Nahen Osten nach dem 1. Weltkrieg genutzt, um den Besuchern die jüngere Geschichte der Region zugänglich zu machen und die Gegenwartsentwicklung zu vermitteln. Mit Blick auf die derzeitigen Umwälzungen in Nordafrika und dem Nahen Osten liefert die Schau damit ungewollt möglicherweise den einen oder anderen lehrreichen Aspekt.

     Die Präsentation zeigt chronologisch Lebensabschnitte und -wege von Lawrence und seine unterschiedlichen Interessen. Ein Thema ist etwa seine Neigung zur Archäologie, zu sehen sind hier Fundstücke hethitischer Kultur von seinen Ausgrabungen in Nordsyrien. Ein weiteres ist seine Tätigkeit bei der arabischen Revolution und die Rolle bei den Friedensverhandlungen in Paris und Kairo.
     Komplettiert wird die Schau durch Arbeiten des Kölner Fotografen Boris Becker, die im Rahmen einer Reise zu den Wirkungsstätten des Lawrence von Arabien 2010 in Syrien und Jordanien entstanden. Desert Images spannt einen Bogen zwischen Akaba am Roten Meer und Damaskus in Syrien.

Klaus M. Martinetz

 

Thomas Edward Lawrence, am 16. August 1888 im walisischen Tremadoc geboren, ist unzweifelhaft eine der bekanntesten und umstrittensten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges als großer Held verehrt, kamen ab den 1950er-Jahren Widersprüche auf.
   Für eine anhaltende Kontroverse sorgte vor allem die kritische Biografie (1955) des englischen Autors und Weltkrieg-I-Veteranen Richard Aldington. Die erste Mythosbildung wird allgemein den „Lawrence“-Bühnen-, Dia- und Kintopp-Shows des amerikanischen Journalisten Lowell Thomas aus den 1920er-Jahren zugeschrieben; sie werden in der Ausstellung thematisiert.
   Auch Lawrence´ literarisches Werk „Die sieben Säulen der Weisheit“ (Seven Pillars of Wisdom, 1926), ein autobiografischer Kriegsbericht, wird aus kunstgeschichtlicher und literarischer Perspektive behandelt. Seine letzte Lebensphase als Soldat, Schriftsteller und technisch Begeisterter bildet den Abschluss der Schau im Rautenstrauch-Joest-Museum.Thomas Edward Lawrence starb am 19. Mai 1935 im Alter von 46 Jahren nach einem Unfall mit seinem Motorrad.

 

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg. Das Ausstellungsprojekt wird von der Kulturstiftung des Bundes gefördert. Weitere Förderung erfährt das Projekt durch die Imhoff-Stiftung, Köln, die Kölner Kulturstiftung der Kreissparkasse Köln, die Museumsgesellschaft des Rautenstrauch-Joest-Museums – Kulturen der Welt, Köln sowie durch die Grieger GmbH und Co. KG – Professionelle Bildtechniken, Düsseldorf. Kooperiert wird mit der Zentral- und Stadtbibliothek der Stadt Köln. Die Ausstellung wurde von Prof. Dr. Detlef Hoffmann kuratiert und ist zweisprachig (Deutsch/Englisch).


Die Ausstellung Lawrence von Arabien – Genese eines Mythos ist vom 30.April bis 11. September 2011 zu sehen.

Rautenstrauch-Joest Museum
Kulturen der Welt
Cäcilienstr. 29-33
50676 Köln
Tel. 0221 / 221 - 23620
Fax 0221 / 221 - 31333

Öffnungszeiten:
DI - SO : 10 -18 Uhr
DO 10 - 20 Uhr

 

©rheinische-art.de

 

 

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